sagen:sagenbuesching017
Unterschiede
Hier werden die Unterschiede zwischen zwei Versionen angezeigt.
| Beide Seiten der vorigen RevisionVorhergehende ÜberarbeitungNächste Überarbeitung | Vorhergehende Überarbeitung | ||
| sagen:sagenbuesching017 [2023/06/02 13:12] – ewusch | sagen:sagenbuesching017 [2025/01/30 17:57] (aktuell) – Externe Bearbeitung 127.0.0.1 | ||
|---|---|---|---|
| Zeile 1: | Zeile 1: | ||
| [[sagen: | [[sagen: | ||
| - | [[buch: | + | **[[buch: |
| [[sagen: | [[sagen: | ||
| ====== Libussa ====== | ====== Libussa ====== | ||
| - | Als Krokkus, der zweite heidnische Fürst der [[region: | + | Als [[vip:krok|Krokkus]], der zweite heidnische Fürst der [[region: |
| Folgendes Tages kamen die Unterthanen auf die angesetzte Stunde zusammen und begehrten anzuhören, was sie für einen Regenten bekommen würden. Derowegen kam Libussa mit ihrem Frauenzimmer herfür und fragete sie, ob sie denn von ihrem Vornehmen nicht wollten ablassen? Nachdem sie aber auf demselben bestunden, sagte sie, daß Gott ihr einen Ehemann und ihnen, den Unterthanen, | Folgendes Tages kamen die Unterthanen auf die angesetzte Stunde zusammen und begehrten anzuhören, was sie für einen Regenten bekommen würden. Derowegen kam Libussa mit ihrem Frauenzimmer herfür und fragete sie, ob sie denn von ihrem Vornehmen nicht wollten ablassen? Nachdem sie aber auf demselben bestunden, sagte sie, daß Gott ihr einen Ehemann und ihnen, den Unterthanen, | ||
| Zeile 11: | Zeile 11: | ||
| Deswegen erwählten sie zehn fürnehme Männer und als dieselben zu Libussa gebracht wurden, zeigte sie ihnen ihr schimmlicht Roß (Schimmel), so gesattelt und mit einer Decke bekleidet war, und befahl, daß die Abgesandten das Roß von sich selbst sollten gehen lassen, wohin es wollte, und sollten demselben nachfolgen und nicht davon weichen, bis sie zu einem Ackersmann kämen, so auf einem eisernen Tische äße. Und wenn sie ihn würden ansichtig werden, sollten sie ihn einen Fürsten heißen, ihm das königliche Prunkkleid und Schuh, welche sie ihnen zugleich mitgab, anziehen und ihn auf das Schloß Wischerad bringen. | Deswegen erwählten sie zehn fürnehme Männer und als dieselben zu Libussa gebracht wurden, zeigte sie ihnen ihr schimmlicht Roß (Schimmel), so gesattelt und mit einer Decke bekleidet war, und befahl, daß die Abgesandten das Roß von sich selbst sollten gehen lassen, wohin es wollte, und sollten demselben nachfolgen und nicht davon weichen, bis sie zu einem Ackersmann kämen, so auf einem eisernen Tische äße. Und wenn sie ihn würden ansichtig werden, sollten sie ihn einen Fürsten heißen, ihm das königliche Prunkkleid und Schuh, welche sie ihnen zugleich mitgab, anziehen und ihn auf das Schloß Wischerad bringen. | ||
| - | Als die Abgesandten solchen Befehl empfangen hatten, folgeten sie dem Rosse nach, im Jahre Christi 722 am eilften, oder, wie einige wollen, dreizehnten Mai, wo es hinging. Und indem es fast in die zehen Meilen Weges über Berg und Thal gangen, wendete es sich bei dem Wasser Belin oder Bile, bei einem Dorfe Stadiz, von der Straße, lief alsbald auf den [[typ:Acker]], der erst des meistentheils aufgerissen war, ging zu dem Ackersmann daselbst, mit Namen [[vip: | + | Als die Abgesandten solchen Befehl empfangen hatten, folgeten sie dem Rosse nach, im Jahre Christi 722 am eilften, oder, wie einige wollen, dreizehnten Mai, wo es hinging. Und indem es fast in die zehen Meilen Weges über Berg und Thal gangen, wendete es sich bei dem Wasser Belin oder Bile, bei einem Dorfe [[geo: |
| - | Als Primislaus solch [[typ:Wunder]] sah, wendete er sich zu den Abgesandten, | + | Als Primislaus solch Wunder sah, wendete er sich zu den Abgesandten, |
| - | Als er aber ein wenig von dannen kommen und auf der Reise war, sagete er, er hätte sein [[typ:sack|Säcklein]], in welchem er seine Speise und seine [[typ:Schuh]] hatte, vergessen mit sich zu nehmen, bat derowegen, daß irgend einer wieder umkehren wollte und auf dem Acker ihm dieselben hohlen. Als sie nun gebracht wurden, fragete der Gesandten einer: warum er doch so sehr nach seinem Säcklein und Schuhen verlangete? denn er dieselben viel lieber hinweg werfen und verbergen, denn jemand sehen lassen sollte, weil wegen derselben vielmehr jedermann ihn ausspotten als rühmen würde. | + | Als er aber ein wenig von dannen kommen und auf der Reise war, sagete er, er hätte sein Säcklein, in welchem er seine Speise und seine Schuh hatte, vergessen mit sich zu nehmen, bat derowegen, daß irgend einer wieder umkehren wollte und auf dem Acker ihm dieselben hohlen. Als sie nun gebracht wurden, fragete der Gesandten einer: warum er doch so sehr nach seinem Säcklein und Schuhen verlangete? denn er dieselben viel lieber hinweg werfen und verbergen, denn jemand sehen lassen sollte, weil wegen derselben vielmehr jedermann ihn ausspotten als rühmen würde. |
| Darauf antwortete er: er würde vielmehr einen Ruhm dadurch erlangen, weil er sich seiner geringen Abkunft nicht schämete und ein Gedächtniß derselben hinter sich verließe, damit die nachkommenden Fürsten wegen ihrer geringen Abkunft sich desto weniger überhöben; | Darauf antwortete er: er würde vielmehr einen Ruhm dadurch erlangen, weil er sich seiner geringen Abkunft nicht schämete und ein Gedächtniß derselben hinter sich verließe, damit die nachkommenden Fürsten wegen ihrer geringen Abkunft sich desto weniger überhöben; | ||
| - | Der Abgesandte fragte weiter: was doch das Wunderzeichen mit den Ochsen und der Ruthe bedeutete? Darauf antwortete er: solches bedeute seine Hoheit und Ehre, zu welcher er erhoben wäre. Die Ruthe aber, aus welcher drei Zweige gewachsen, bedeutete seine drei Söhne und gleich wie zween Zweige der Hasel bald verdorret wären, also würde er zween Söhne überkommen, | + | Der Abgesandte fragte weiter: was doch das Wunderzeichen mit den Ochsen und der Ruthe bedeutete? Darauf antwortete er: solches bedeute seine Hoheit und Ehre, zu welcher er erhoben wäre. Die Ruthe aber, aus welcher drei Zweige gewachsen, bedeutete seine drei Söhne und gleich wie zween Zweige der Hasel bald verdorret wären, also würde er zween Söhne überkommen, |
| - | Als die Abgesandten mit Primislaus zu dem Schlosse naheten, eilete ein jeder, damit er dem andern zuvorkäme und [[vip:Libussa]] die Zeitung brächte. Es zog ihm auch Libussa entgegen und war bei jedermann große Freude und das herzogliche Beilager wurde gehalten. | + | Als die Abgesandten mit Primislaus zu dem Schlosse naheten, eilete ein jeder, damit er dem andern zuvorkäme und Libussa die Zeitung brächte. Es zog ihm auch Libussa entgegen und war bei jedermann große Freude und das herzogliche Beilager wurde gehalten. |
| //Quelle: [[autor: | //Quelle: [[autor: | ||
| ---- | ---- | ||
| - | {{tag> | + | {{tag> |
sagen/sagenbuesching017.1685704367.txt.gz · Zuletzt geändert: (Externe Bearbeitung)
