sagen:sagenbuesching008
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| + | ====== Fräulein Kunigunde von Kynast ====== | ||
| + | Fräulein Kunigunde war ein wildes Mädchen, von Jugend auf liebte sie mehr zu jagen, hetzen und reiten, als im einsamen Kämmerlein bei weiblicher Arbeit zu sitzen. Daher hatte sie auch nicht besondere Lust zum Ehestande und trieb nur mit den Rittern ihren Spaß, die sich, ihrer Schönheit und ihres Reichthums wegen, um ihre Gunst bewarben. Um die Ritter von ihren Liebesbewerbungen abzuschrecken, | ||
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| + | Diese harte Liebesprobe hielt zwar manchen Ritter ab, sich um die Hand des Fräuleins zu bewerben, indessen vertrieb sie doch nicht sogleich alle Freier, aber keiner ward in die Burg gelassen, der nicht jene gefährliche Bedingung zu erfüllen versicherte. Alle Vorstellungen und Versuche, ihren Sinn zu ändern, waren vergebens, sie hatte die Bedingungen beschworen und blieb dabei. | ||
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| + | Mancher begab sich zurück, aber andere, die im Taumel eines übertriebenen Ehrgefühls ihr Leben zu wagen und die Burg zu umreiten für rühmlicher hielten, versuchten den Ritt und fanden ihr Grab in den Abgründen, beweint von allen, nur nicht von dem grausamen, hartherzigen Fräulein. Wie viele brave Ritter auf diese Weise ihr Leben endeten, erzählt die Sage nicht, aber die Burg Kynast blieb so eine Zeit lang ziemlich öde und unbesucht von Fremden, besonders von Freiern. | ||
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| + | Endlich erschien ein stattlicher Ritter am Fuße des Kynast. Die Landleute umher warnten ihn freundlich vor dem gefährlichen Unternehmen, | ||
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| + | Der muthige Ritter bestieg sein Roß, lenkte es auf die äußere Mauer zu und ritt auf derselben zwar langsam, aber glücklich rund um die Burg. Freudig erschrak Kunigunde, als sie den Ritter wieder zum Burgthor einreiten sah. Sie ging ihm bis in den Burghof entgegen, wo der Ritter, statt mit liebenden Worten vor ihr zu stehen, sie mit mürrischer Miene verächtlich anblickte, ihr eine Strafpredigt hielt, daß sie so viele brave Ritter bereits gemißhandelt, | ||
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| + | Was aus dem Fräulein geworden, erzählt die Sage nicht, aber noch jetzt bringen die Kinder des Kommandanten auf dem Kynast jedem Fremden, der zum erstenmale diese herrliche Burg besucht, ein mißgeschaffenes Bild von Holz, mit einer Igelhaut, statt der Haare, überzogen und verlangen entweder eine kleine Verehrung, oder man solle dies Ungethüm, das sie Kunigunde nennen, küssen. – Der glückliche Ritter soll der Landgraf Adalbert von Thüringen((Anm. Sagenwiki: Möglicherweise handelt es sich hierbei um Adalbert II., Graf von Ballenstedt (* um 1030; † um 1080) aus dem Geschlecht der Askanier war Graf von Ballenstedt.)) gewesen sein, der schon verheirathet war und Kunigunden bloß zeigen wollte, daß ihre Forderung wohl zu erfüllen wäre, daß sie aber wegen derselben Verachtung verdiene. Er soll sich deswegen ein eigenes Pferd, zum Gehen auf schmalen Steinen, haben abrichten lassen, um so das Abentheuer bestehen zu können. | ||
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sagen/sagenbuesching008.1676027083.txt.gz · Zuletzt geändert: (Externe Bearbeitung)
