sagen:sagenbuesching007
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| + | ====== Die Ermordung der Tartarischen Kaiserin zu Neumarkt im Jahre 1240 ====== | ||
| + | Bei denselbigen Zeiten da regierte ein mächtiger und reicher [[volk: | ||
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| + | Da diese Kaiserin oftmals hatte gehört von den Ihren solch groß Lob der christlichen Fürsten und Ritterschaft, | ||
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| + | Und da der Kaiser nun sahe, daß seine Frau also begehrlichen war, zu beschauen die Lande der Christenheit, | ||
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| + | Da sie also von ihrem Herrn, dem Kaiser, solche große Gabe und desgleichen die Gesellschaft der Fürsten und Herren empfangen hatte, da zog sie aus mit großen Freuden, zu beschauen die Lande der Christenheit, | ||
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| + | Und da die Bürger sahen und merketen solchen großen, unaussprechlichen Schatz, welchen die Kaiserin bei ihr hatte, da gingen sie zusammen in einen Rath und sprachen zu einander: daß es unziemlich wäre, daß eine solche ungläubige Frau mit solchen großen Schätzen, beidem, Silber, Gold und Edelgesteinen, | ||
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| + | Solchem bösen und unbedachten Rathe sie nachgingen und erschlugen Herren, Ritter und Knechte, mit sammt der Kaiserin und ihren Jungfrauen und Dienerinnen und niemand leben ließen, bis auf zwo von ihren Jungfrauen, welche sich verborgen hatten in den finstern Kellern und Höhlen, und also mit großer Vorsichtigkeit davon lebend und hernachmals schwerlich (mit Beschwer) wieder heim zu Lande kamen. Da sie also wieder heim kommen waren, sagten sie ihrem Herrn, dem Kaiser, mit großem Weinen und Wehklagen, den jämmerlichen Tod seines Gemahls und wie und wo das geschehen war und sprachen: »o, allmächtigster Kaiser, wir haben mit der Kaiserin, deinem Gemahl, und mit ihren Fürsten und Herren gezogen durch manche Stadt und Land der Christenheit, | ||
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| + | Da dieser Kaiser erhörte solche jämmerliche Mähre, von seinem lieben Gemahl, desgleichen von seinen Herren und Ritterschaften, | ||
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| + | Hier möge, da die Erzählung des andern der Geschichte anheim fällt, ein altes Volkslied über diesen Gegenstand schließen. | ||
| + | Ein alt Lied von der Tartarfürstin, | ||
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| + | Was wollt ihr aber hören,\\ | ||
| + | Was wollt ihr, daß ich sing'? | ||
| + | Wohl von der Tartarprinzessin schön,\\ | ||
| + | Wie's der zu Neumarkt ging.\\ | ||
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| + | Nach Breßela der Schlesi\\ | ||
| + | Eine große Reise sie macht,\\ | ||
| + | Nach Neumarkt kam sie gefahren,\\ | ||
| + | Und blieb allda zu Nacht.\\ | ||
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| + | Da sprach der Wirth zum Andern:\\ | ||
| + | »Ein' Heidin wohnt bei mir,\\ | ||
| + | Sie hat viel Gold und Edelstein, | ||
| + | Die laß ich nit von hier.\\ | ||
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| + | Gute Nacht, Prinzessin schöne,\\ | ||
| + | Ihr lebt nicht bis zum Tag;« –\\ | ||
| + | Und wandte sich behende,\\ | ||
| + | Gab ihr den Todesschlag.\\ | ||
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| + | Und all' ihr Hofgesinde\\ | ||
| + | In tiefem Schlaf er fand,\\ | ||
| + | Und würgte sie groß und kleine\\ | ||
| + | Mit seiner eigenen Hand.\\ | ||
| + | |||
| + | Mit seinen eigenen Händen\\ | ||
| + | Begrub er allzumal,\\ | ||
| + | Gar tief im kalten Keller,\\ | ||
| + | Ihr Gold und Gut er stahl.\\ | ||
| + | |||
| + | Er zeigte drauf den Andern\\ | ||
| + | Seine Hand vom Blut so roth,\\ | ||
| + | Und von dem Gold und Edelstein\\ | ||
| + | Er ihn'n die Hälfte both.\\ | ||
| + | |||
| + | Die Hälfte nahmen sie gerne,\\ | ||
| + | Und schwiegen wohl von der That;\\ | ||
| + | Doch was nicht früh wird g' | ||
| + | Das straft der Himmel spat.\\ | ||
| + | |||
| + | Der Tartarfürst der hörte:\\ | ||
| + | Zu Neumarkt ist eu'r Kind\\ | ||
| + | Gemordet und beraubet arg,\\ | ||
| + | Ihr'n Körper man noch find' | ||
| + | |||
| + | Da rief er seinen Haufen:\\ | ||
| + | »Auf, nehmet Spieß und Schwerdt,\\ | ||
| + | Nach Schlesi woll'n wir ziehen,\\ | ||
| + | Es ist des Ziehens werth.«\\ | ||
| + | |||
| + | So kamen sie nun in Schaaren\\ | ||
| + | Ins ganze Schlesierland\\ | ||
| + | Und sengten, brannten und stahlen,\\ | ||
| + | Der Welt ist's wohl bekannt.\\ | ||
| + | |||
| + | Den Tod der Prinzessin zu rächen\\ | ||
| + | Bei Wahlstatt ging es trüb;\\ | ||
| + | Zu Ehren der Heiden Prinzessin\\ | ||
| + | Ein Christlicher Herzog blieb.\\ | ||
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| + | So ward am Lande gerochen,\\ | ||
| + | Was Neumarkt hat gethan,\\ | ||
| + | Herr Gott, uns selber regiert,\\ | ||
| + | Wenn wir was fangen an. \\ | ||
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| + | //Quelle: [[autor: | ||
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sagen/sagenbuesching007.1676027074.txt.gz · Zuletzt geändert: (Externe Bearbeitung)
