Benutzer-Werkzeuge

Webseiten-Werkzeuge


sagen:sagenbuchpreussen1-234

Unterschiede

Hier werden die Unterschiede zwischen zwei Versionen angezeigt.

Link zu dieser Vergleichsansicht

Beide Seiten der vorigen RevisionVorhergehende Überarbeitung
sagen:sagenbuchpreussen1-234 [2025/01/30 17:57] – Externe Bearbeitung 127.0.0.1sagen:sagenbuchpreussen1-234 [2025/10/09 12:39] (aktuell) ewusch
Zeile 7: Zeile 7:
     Nach Temme S. 54 etc.     Nach Temme S. 54 etc.
  
-Vor vielen hundert Jahren lebte auf seinem Schlosse zu Aulosen in der Wische ein Herr von Jagow. Er hatte eine Frau und viele Kinder, aber weil er sehr fromm und gottesfürchtig war, so ließ er Alles im Stich und zog mit den deutschen Herren in den Türkenkrieg, um den Erbfeind des christlichen Glaubens besiegen zu helfen. Dort ging es ihm indessen sehr schlecht, er wurde gefangen und als Sclave verkauft. Er kam als Gärtner zu einem vornehmen türkischen Herrn. Die Tochter dieses Türken kam oft in den Garten, in welchem er arbeitete, und sah ihn und hatte Gefallen an ihm, weil er ein sehr schöner und schmucker Herr war. Sie fühlte auch bald Mitleiden mit seinem Unglücke, und endlich hatte sie ihn in ihrem Herzen so lieb gewonnen, daß sie nicht mehr von ihm lassen konnte. Der Ritter merkte dies Alles wohl, und obgleich er seine Gemahlin von ganzem Herzen liebte, so war er doch auch der Türkentochter gut, weil er nur durch ihre Hilfe hoffen durfte, seine Freiheit zu erlangen und seine Hausfrau, seine lieben Kinder und seine Heimath wieder zu sehen. Deswegen ließ er sich mit ihr ein und versprach ihr, sie neben seiner Gemahlin zu heirathen, wenn sie ihn befreien und zu dem christlichen Glauben übertreten wolle. Dazu war sie gern bereit. Sie entfloh glücklich mit ihm aus der Sclaverei; in Deutschland wurde sie eine Christin und dann durch die Dispensation des Papstes seine Hausfrau.+Vor vielen hundert Jahren lebte auf seinem Schlosse zu Aulosen in der Wische ein [[familie:vonjagow|Herr von Jagow]]. Er hatte eine Frau und viele Kinder, aber weil er sehr fromm und gottesfürchtig war, so ließ er Alles im Stich und zog mit den deutschen Herren in den Türkenkrieg, um den Erbfeind des christlichen Glaubens besiegen zu helfen. Dort ging es ihm indessen sehr schlecht, er wurde gefangen und als Sclave verkauft. Er kam als Gärtner zu einem vornehmen türkischen Herrn. Die Tochter dieses Türken kam oft in den Garten, in welchem er arbeitete, und sah ihn und hatte Gefallen an ihm, weil er ein sehr schöner und schmucker Herr war. Sie fühlte auch bald Mitleiden mit seinem Unglücke, und endlich hatte sie ihn in ihrem Herzen so lieb gewonnen, daß sie nicht mehr von ihm lassen konnte. Der Ritter merkte dies Alles wohl, und obgleich er seine Gemahlin von ganzem Herzen liebte, so war er doch auch der Türkentochter gut, weil er nur durch ihre Hilfe hoffen durfte, seine Freiheit zu erlangen und seine Hausfrau, seine lieben Kinder und seine Heimath wieder zu sehen. Deswegen ließ er sich mit ihr ein und versprach ihr, sie neben seiner Gemahlin zu heirathen, wenn sie ihn befreien und zu dem christlichen Glauben übertreten wolle. Dazu war sie gern bereit. Sie entfloh glücklich mit ihm aus der Sclaverei; in Deutschland wurde sie eine Christin und dann durch die Dispensation des Papstes seine Hausfrau.
  
 Es war gerade am Grünen-Donnerstag zu Mittag, als der Ritter mit seiner Türkin auf seinem Schlosse zu Aulosen ankam. Seine deutsche Hausfrau und seine Kinder saßen eben am Mittagstisch und aßen. Sie freueten sich sehr, wie sie ihren Herrn und Vater wiedersahen, den sie todt geglaubt hatten, und die erste Frau nahm die mitgebrachte zweite mit Freuden neben sich auf. Beide Frauen wurden die besten verträglichsten Freundinnen und blieben dies bis an ihr seliges Ende. Das Bildniß der Türkin wird noch unter den Jagow'schen Familiengemälden gezeigt; sie ist darnach ganz ausnehmend schön gewesen.  Es war gerade am Grünen-Donnerstag zu Mittag, als der Ritter mit seiner Türkin auf seinem Schlosse zu Aulosen ankam. Seine deutsche Hausfrau und seine Kinder saßen eben am Mittagstisch und aßen. Sie freueten sich sehr, wie sie ihren Herrn und Vater wiedersahen, den sie todt geglaubt hatten, und die erste Frau nahm die mitgebrachte zweite mit Freuden neben sich auf. Beide Frauen wurden die besten verträglichsten Freundinnen und blieben dies bis an ihr seliges Ende. Das Bildniß der Türkin wird noch unter den Jagow'schen Familiengemälden gezeigt; sie ist darnach ganz ausnehmend schön gewesen. 
Zeile 15: Zeile 15:
 //Quelle: [[autor:graesse|Johann Georg Theodor Grässe]]: [[buch:sagenbuchpreussen|Sagenbuch des Preußischen Staates 1–2]], Band 1, Glogau 1868/71, S. 208-209// //Quelle: [[autor:graesse|Johann Georg Theodor Grässe]]: [[buch:sagenbuchpreussen|Sagenbuch des Preußischen Staates 1–2]], Band 1, Glogau 1868/71, S. 208-209//
 ---- ----
-{{tag>sagen graesse sagenbuchpreussen1 altmark aulosen kreuzzug sklave flucht ostern hochzeit grabstein türken vonjagow v1}}+{{tag>sagen graesse sagenbuchpreussen1 altmark aulosen kreuzzug sklave flucht ostern hochzeit grabstein türkenkriege vonjagow v1}}
sagen/sagenbuchpreussen1-234.1738256221.txt.gz · Zuletzt geändert: von 127.0.0.1