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sagen:sagenbuchpreussen1-199

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   - daß Katharina Niemann, wofern sie bei ihrem Bekenntniß verbleiben werde, lebendig verbrannt werden sollte.    - daß Katharina Niemann, wofern sie bei ihrem Bekenntniß verbleiben werde, lebendig verbrannt werden sollte. 
  
-Der Tag zur Vollziehung des Urtheils wurde auf den 29. Julius gesetzt. Allein wie die Alte den Ernst merkte, hat sie abermals geleugnet. Daher ist die Execution abermals ausgesetzt worden. Unterdessen hat sie sich doch aber durch fleißiges Zureden der Prediger gewinnen lassen, nochmals ein aufrichtiges Bekenntniß zu thun und versprochen, dabei zu leben und zu sterben, hat auch ihr Wort gehalten, daher ist allen drei [[lex:inquisition|Inquisitinnen]] auf ihr Begehren den 4. August das heilige Nachtmahl gereicht und der Tag nachher zur Execution festgesetzt worden. +Der Tag zur Vollziehung des Urtheils wurde auf den 29. Julius gesetzt. Allein wie die Alte den Ernst merkte, hat sie abermals geleugnet. Daher ist die Execution abermals ausgesetzt worden. Unterdessen hat sie sich doch aber durch fleißiges Zureden der Prediger gewinnen lassen, nochmals ein aufrichtiges Bekenntniß zu thun und versprochen, dabei zu leben und zu sterben, hat auch ihr Wort gehalten, daher ist allen drei Inquisitinnen auf ihr Begehren den 4. August das heilige Nachtmahl gereicht und der Tag nachher zur Execution festgesetzt worden. 
  
 Unterdessen sind aber der Susanna Neitmann noch verschiedene Fragen vorgelegt worden: ob denn sonst der [[wesen:Satan]] ihr gern habe zulassen wollen zum h. Abendmahl zu gehen, als dessen sie doch allererst vor 6 oder 7 Wochen genossen habe? So antwortete sie, er habe gesagt, sie möchte nur gehen, damit die Leute nichts Verdächtiges an ihr merkten, sie solle aber nicht andächtig dabei sein, sondern nur zum Schein hingehen, sonst werde er sie züchtigen. Gefragt, ob sie denn auch das Brot und den Wein wirklich genossen, hat sie zur Antwort gegeben: ja, aber es wäre ihr bei Nießung des Brotes so schrau (d.h. schmerzhaft, ritzend) im Halse geworden.  Unterdessen sind aber der Susanna Neitmann noch verschiedene Fragen vorgelegt worden: ob denn sonst der [[wesen:Satan]] ihr gern habe zulassen wollen zum h. Abendmahl zu gehen, als dessen sie doch allererst vor 6 oder 7 Wochen genossen habe? So antwortete sie, er habe gesagt, sie möchte nur gehen, damit die Leute nichts Verdächtiges an ihr merkten, sie solle aber nicht andächtig dabei sein, sondern nur zum Schein hingehen, sonst werde er sie züchtigen. Gefragt, ob sie denn auch das Brot und den Wein wirklich genossen, hat sie zur Antwort gegeben: ja, aber es wäre ihr bei Nießung des Brotes so schrau (d.h. schmerzhaft, ritzend) im Halse geworden. 
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 Gefragt, was der Teufel gesagt, wenn sie von seinen Schlägen genesen, antwortete sie: sie solle nur nicht so gebetet haben, so würde er sie nicht so gelähmt haben. Ob sie von der Verbindung mit dem Teufel keinen Anfall gehabt oder bettlägerig gemacht worden? sagte sie: nein, sondern nur, wenn sie widerstürzig habe werden wollen, habe sie solches Alles erleiden müssen. »Ob sie es Jemand wieder gelehrt oder damit Schaden gethan?« »Nein, sondern eben darum, weil sie solches durchaus nicht habe thun wollen, habe sie soviel ausstehen müssen.«  Gefragt, was der Teufel gesagt, wenn sie von seinen Schlägen genesen, antwortete sie: sie solle nur nicht so gebetet haben, so würde er sie nicht so gelähmt haben. Ob sie von der Verbindung mit dem Teufel keinen Anfall gehabt oder bettlägerig gemacht worden? sagte sie: nein, sondern nur, wenn sie widerstürzig habe werden wollen, habe sie solches Alles erleiden müssen. »Ob sie es Jemand wieder gelehrt oder damit Schaden gethan?« »Nein, sondern eben darum, weil sie solches durchaus nicht habe thun wollen, habe sie soviel ausstehen müssen.« 
  
-»Ob nicht der [[wesen:Buhlgeist]] wieder zu ihr gekommen sei, nachdem der Prediger zu ihr gegangen wäre und sie zur Buße ermahnt hatte?« »Von dem ersten Tage an, da er sie besucht, wie auch bis ans Ende ihres Lebens hätte sie ihn nicht wieder gesehen oder gespüret.« Weiter gefragt, ob sie in der Hexengesellschaft mit auf dem [[region:blocksberg|Blocksberge]] gewesen? antwortete sie: ja, sie wäre einmal auf einem Berge gewesen, wußte aber nicht, wo und auf welchem Berge, doch hätten sie auf demselben getanzt und gesprungen, und wären aus hiesigem Dorfe auch Asmus Berendts Frau, die Katharina Niemanns und deren Stieftochter Ilsabe mit erschienen; sie selbst, die Susanna, hätte auch mit ihrem Klaus beim Geigenspiel getanzt, und von den beiden Spielleuten hätte der eine einen krummen Rücken gehabt, es wäre daselbst gutes Bier gewesen, wovon sie mitgetrunken, auch allerhand Essen, wovon sie aber nichts genossen. +»Ob nicht der [[wesen:Buhlgeist]] wieder zu ihr gekommen sei, nachdem der Prediger zu ihr gegangen wäre und sie zur Buße ermahnt hatte?« »Von dem ersten Tage an, da er sie besucht, wie auch bis ans Ende ihres Lebens hätte sie ihn nicht wieder gesehen oder gespüret.« Weiter gefragt, ob sie in der Hexengesellschaft mit auf dem [[region:brocken|Blocksberge]] gewesen? antwortete sie: ja, sie wäre einmal auf einem Berge gewesen, wußte aber nicht, wo und auf welchem Berge, doch hätten sie auf demselben getanzt und gesprungen, und wären aus hiesigem Dorfe auch Asmus Berendts Frau, die Katharina Niemanns und deren Stieftochter Ilsabe mit erschienen; sie selbst, die Susanna, hätte auch mit ihrem Klaus beim Geigenspiel getanzt, und von den beiden Spielleuten hätte der eine einen krummen Rücken gehabt, es wäre daselbst gutes Bier gewesen, wovon sie mitgetrunken, auch allerhand Essen, wovon sie aber nichts genossen. 
  
 So sagte sie auch aus, daß sie auf einem Bocke dorthin gebracht worden sei. Ferner Ilsabe Berendts habe in nächstverwichener Ernte die Anne N.N., wenn sie mit ihr unter 3 Garben sitzen gehen wollte, solche Künste lehren wollen, welche ihr ihr Lebtage gutthun sollten, nämlich wie sie aus einem Ständer oder einer Säule Milch melken sollte, soviel als sie verlangte, und als sie von einem einfallenden Regen verhindert worden, dieses ihr Vorhaben zu bewerkstelligen und folglich von einander laufen müssen, so sei die Anne hernach so verrückt geblieben, als wäre sie ganz dumm, so daß sie auch manchmal in tiefen Gedanken über Tische bei der Schüssel vorbeigegriffen, doch sei sie endlich mit der Zeit wieder zu sich selbst gekommen etc.  So sagte sie auch aus, daß sie auf einem Bocke dorthin gebracht worden sei. Ferner Ilsabe Berendts habe in nächstverwichener Ernte die Anne N.N., wenn sie mit ihr unter 3 Garben sitzen gehen wollte, solche Künste lehren wollen, welche ihr ihr Lebtage gutthun sollten, nämlich wie sie aus einem Ständer oder einer Säule Milch melken sollte, soviel als sie verlangte, und als sie von einem einfallenden Regen verhindert worden, dieses ihr Vorhaben zu bewerkstelligen und folglich von einander laufen müssen, so sei die Anne hernach so verrückt geblieben, als wäre sie ganz dumm, so daß sie auch manchmal in tiefen Gedanken über Tische bei der Schüssel vorbeigegriffen, doch sei sie endlich mit der Zeit wieder zu sich selbst gekommen etc. 
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 //Quelle: [[autor:graesse|Johann Georg Theodor Grässe]]: [[buch:sagenbuchpreussen|Sagenbuch des Preußischen Staates 1–2]], Band 1, Glogau 1868/71, S. 182-188// //Quelle: [[autor:graesse|Johann Georg Theodor Grässe]]: [[buch:sagenbuchpreussen|Sagenbuch des Preußischen Staates 1–2]], Band 1, Glogau 1868/71, S. 182-188//
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sagen/sagenbuchpreussen1-199.1713971902.txt.gz · Zuletzt geändert: (Externe Bearbeitung)