sagen:sagenbuchpreussen1-199
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| - | Der Vater aber hat des daraus entstehenden Schimpfes wegen Bedenken getragen ihr zu willfahren, ist vielmehr nach Dessau gefahren, um sich daselbst mit seiner Schwester und ihrem Ehemanne Moritz Trost über diese Sache zu besprechen. Als diese nun ihm aber ebenfalls abgeredet, weil der Schimpf zu groß werden würde, und der Vater also keine Anzeige hat machen wollen, da hat die Susanne gesagt, so er nicht hingehen wolle, so wolle sie selbst zu ihm hingehen oder kriechen (weil sie eben damals vom Satan arg zugerichtet worden war) und ihm Alles offenbaren, wodurch denn ihr Vater endlich bewogen worden ist und wie gesagt zu dem Prediger hinging und ihm Alles erzählt hat. | + | Der Vater aber hat des daraus entstehenden Schimpfes wegen Bedenken getragen ihr zu willfahren, ist vielmehr nach [[geo:Dessau]] gefahren, um sich daselbst mit seiner Schwester und ihrem Ehemanne Moritz Trost über diese Sache zu besprechen. Als diese nun ihm aber ebenfalls abgeredet, weil der Schimpf zu groß werden würde, und der Vater also keine Anzeige hat machen wollen, da hat die Susanne gesagt, so er nicht hingehen wolle, so wolle sie selbst zu ihm hingehen oder kriechen (weil sie eben damals vom Satan arg zugerichtet worden war) und ihm Alles offenbaren, wodurch denn ihr Vater endlich bewogen worden ist und wie gesagt zu dem Prediger hinging und ihm Alles erzählt hat. |
| - | Hierauf ist der Geistliche in das Haus des Neitmann selbst gegangen und hat die Tochter selbst verhört; ihre Antworten aber sind genau so gewesen, wie der Vater es ihm schon hinterbracht hatte. Darauf ist der Prediger am 1. Februar 1687 nach Arendsee gefahren und hat sich in der St. Johanniskirche daselbst über diesen Fall mit dem dasigen Pfarrer Herrn Donat Gregorii unterredet. Weil aber ihm dieser auch keinen Rath ertheilen konnte, ist er am 4. Februar nach Salzwedel zu dem damaligen Superintendenten Herrn Joh. Hinzelmann gereist, um dessen Meinung zu vernehmen. Die Antwort desselben fiel aber dahin aus, daß man die Sache allerdings in die Hände der Obrigkeit bringen müsse, worauf Neitmann den 5. Februar seine Tochter auf dem Churf. Amte Arendsee angegeben hat und Herr Joh. Schelius gefordert worden ist, auszusagen, was er von seiner Tochter gehört hätte. | + | Hierauf ist der Geistliche in das Haus des Neitmann selbst gegangen und hat die Tochter selbst verhört; ihre Antworten aber sind genau so gewesen, wie der Vater es ihm schon hinterbracht hatte. Darauf ist der Prediger am 1. Februar 1687 nach Arendsee gefahren und hat sich in der St. Johanniskirche daselbst über diesen Fall mit dem dasigen Pfarrer Herrn Donat Gregorii unterredet. Weil aber ihm dieser auch keinen Rath ertheilen konnte, ist er am 4. Februar nach Salzwedel zu dem damaligen |
| - | Nach erhaltenem Bericht hat der Herr Amtmann Albrecht Ludwig Walther an den Herrn [[familie: | + | Nach erhaltenem Bericht hat der Herr Amtmann Albrecht Ludwig Walther an den Herrn von Schulenburg zu Apenburg geschrieben und ihn gebeten, daß Ilsabe Berendts, welche in seinem Gebiete, nämlich zu Kleinau diente, inhaftirt werden möchte, welches auch den 8. Februar geschehen ist. Hierauf hat Neitmann seine Tochter auf's Amt bringen müssen, um verhört zu werden, und hat der Amtmann dem Herrn Prediger Schelius angesonnen, nach [[geo: |
| - | Als dessen Bericht eingelaufen war, hat der Amtmann Ilsaben Berendts, da deren Vater, Asmus Berendts, alle seine Güter für dieselbe unterpfändlich eingesetzt, zu Apenburg losgeschrieben und darauf hat sie der Vater selbst den 18. Februar ins Amt geliefert, woselbst sie sofort in Gegenwart des Herrn Schelius mit Susannen confrontirt worden ist. Sie wollte aber durchaus nichts gestehen, und bestand auf ihrem: ich weiß nicht! so hartnäckig, | + | Als dessen Bericht eingelaufen war, hat der Amtmann Ilsaben Berendts, da deren Vater, Asmus Berendts, alle seine Güter für dieselbe unterpfändlich eingesetzt, zu [[geo:Apenburg]] losgeschrieben und darauf hat sie der Vater selbst den 18. Februar ins Amt geliefert, woselbst sie sofort in Gegenwart des Herrn Schelius mit Susannen confrontirt worden ist. Sie wollte aber durchaus nichts gestehen, und bestand auf ihrem: ich weiß nicht! so hartnäckig, |
| Von dieser Zeit an hat man sie beide zum Oeftern mit den nachdrücklichsten Vorstellungen verhört, aus dem alten Weibe war aber kein Bekenntniß herauszubringen, | Von dieser Zeit an hat man sie beide zum Oeftern mit den nachdrücklichsten Vorstellungen verhört, aus dem alten Weibe war aber kein Bekenntniß herauszubringen, | ||
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| Gefragt, was der Teufel gesagt, wenn sie von seinen Schlägen genesen, antwortete sie: sie solle nur nicht so gebetet haben, so würde er sie nicht so gelähmt haben. Ob sie von der Verbindung mit dem Teufel keinen Anfall gehabt oder bettlägerig gemacht worden? sagte sie: nein, sondern nur, wenn sie widerstürzig habe werden wollen, habe sie solches Alles erleiden müssen. »Ob sie es Jemand wieder gelehrt oder damit Schaden gethan?« »Nein, sondern eben darum, weil sie solches durchaus nicht habe thun wollen, habe sie soviel ausstehen müssen.« | Gefragt, was der Teufel gesagt, wenn sie von seinen Schlägen genesen, antwortete sie: sie solle nur nicht so gebetet haben, so würde er sie nicht so gelähmt haben. Ob sie von der Verbindung mit dem Teufel keinen Anfall gehabt oder bettlägerig gemacht worden? sagte sie: nein, sondern nur, wenn sie widerstürzig habe werden wollen, habe sie solches Alles erleiden müssen. »Ob sie es Jemand wieder gelehrt oder damit Schaden gethan?« »Nein, sondern eben darum, weil sie solches durchaus nicht habe thun wollen, habe sie soviel ausstehen müssen.« | ||
| - | »Ob nicht der Buhlgeist wieder zu ihr gekommen sei, nachdem der Prediger zu ihr gegangen wäre und sie zur Buße ermahnt hatte?« »Von dem ersten Tage an, da er sie besucht, wie auch bis ans Ende ihres Lebens hätte sie ihn nicht wieder gesehen oder gespüret.« Weiter gefragt, ob sie in der Hexengesellschaft mit auf dem Blocksberge gewesen? antwortete sie: ja, sie wäre einmal auf einem Berge gewesen, wußte aber nicht, wo und auf welchem Berge, doch hätten sie auf demselben getanzt und gesprungen, und wären aus hiesigem Dorfe auch Asmus Berendts Frau, die Katharina Niemanns und deren Stieftochter Ilsabe mit erschienen; sie selbst, die Susanna, hätte auch mit ihrem Klaus beim Geigenspiel getanzt, und von den beiden Spielleuten hätte der eine einen krummen Rücken gehabt, es wäre daselbst gutes Bier gewesen, wovon sie mitgetrunken, | + | »Ob nicht der [[wesen:Buhlgeist]] wieder zu ihr gekommen sei, nachdem der Prediger zu ihr gegangen wäre und sie zur Buße ermahnt hatte?« »Von dem ersten Tage an, da er sie besucht, wie auch bis ans Ende ihres Lebens hätte sie ihn nicht wieder gesehen oder gespüret.« Weiter gefragt, ob sie in der Hexengesellschaft mit auf dem [[region: |
| So sagte sie auch aus, daß sie auf einem Bocke dorthin gebracht worden sei. Ferner Ilsabe Berendts habe in nächstverwichener Ernte die Anne N.N., wenn sie mit ihr unter 3 Garben sitzen gehen wollte, solche Künste lehren wollen, welche ihr ihr Lebtage gutthun sollten, nämlich wie sie aus einem Ständer oder einer Säule Milch melken sollte, soviel als sie verlangte, und als sie von einem einfallenden Regen verhindert worden, dieses ihr Vorhaben zu bewerkstelligen und folglich von einander laufen müssen, so sei die Anne hernach so verrückt geblieben, als wäre sie ganz dumm, so daß sie auch manchmal in tiefen Gedanken über Tische bei der Schüssel vorbeigegriffen, | So sagte sie auch aus, daß sie auf einem Bocke dorthin gebracht worden sei. Ferner Ilsabe Berendts habe in nächstverwichener Ernte die Anne N.N., wenn sie mit ihr unter 3 Garben sitzen gehen wollte, solche Künste lehren wollen, welche ihr ihr Lebtage gutthun sollten, nämlich wie sie aus einem Ständer oder einer Säule Milch melken sollte, soviel als sie verlangte, und als sie von einem einfallenden Regen verhindert worden, dieses ihr Vorhaben zu bewerkstelligen und folglich von einander laufen müssen, so sei die Anne hernach so verrückt geblieben, als wäre sie ganz dumm, so daß sie auch manchmal in tiefen Gedanken über Tische bei der Schüssel vorbeigegriffen, | ||
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