sagen:sagenbuchpreussen1-198
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| + | ====== Die eine Hostie begehrende Zauberin ====== | ||
| + | Nach Remigius Th. II. S. 82 etc. | ||
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| + | Anno 1636 trug sich in der Stadt Belitz in der [[region: | ||
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| + | Dieser Bube that es, der Küster aber und einige Andere wurden es gewahr und hielten ihn beim Ausgange aus der Kirche an und gaben es dem Pfarrer zu erkennen. Als derselbe nun die gesegnete und schon ausgetheilte Hostie von ihm forderte und ihn deshalb befragte, gab er zur Antwort, er hätte gemeint, es wäre eben so viel, ob er sie hier oder zu Hause genieße. Die Obrigkeit ließ ihn nun in ein gelindes Gefängniß legen, der Stadtschreiber ging zu ihm und ermahnte ihn zu einem gutwilligen Bekenntniß; | ||
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| + | Weil nun der Sohn bei seiner Aussage blieb und es seiner Mutter ins Angesicht sagte, ward sie in einen Thurm geworfen und mit der Peinbank bedroht. Unterdessen kam die alte Hexe, Gabriel Schulzens Wittib, vor den Thurm und brachte ihr Käse und Brot, davon zu essen, mit der Vermahnung, daß sie nichts bekennen sollte, denn also werde sie sicher sein; auch wollte sie ihr einen Buhlen bestellen, nämlich Meister Hans, der solle ihr ferner guten Rath ertheilen. | ||
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| + | Ob nun schon die Gefangene nichts von der Speise genießen wollte, so kam doch Meister Hans zu ihr als ein langer Mann, mit einem schwarzen Barte, gelben magern Kinnbacken, Ochsenfüßen und mit den Händen in der Seite; auf dem Hute hatte er einen schwarzen Federbusch. Er bot ihr seinen Dienst an zu ihrer Erlösung, wenn sie sich ihm ergeben wollte, zeigte ihr auch einen Beutel voll Geld, mit dem Versprechen, | ||
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| + | Endlich willigte diese Unglückselige ein. Der Satan brachte Speise, sie setzte ihren Trank daneben und sie aßen also mit einander. Darnach kam er wieder, legte sich zu ihr und trieb mit ihr Unzucht; sie befand ihn aber sehr kalt. Dieses Werk trieben sie zu unterschiedlichen Malen und Zeiten. Ehe sie sich ihm aber ergab, half er ihr noch einen Schleier und Mütze zerreißen und einen Strick davon machen, rieth ihr auch, sich selber zu erhenken. Unterdessen leugnete sie aber hartnäckig Alles, was ihr Sohn gegen sie bezeugte. Endlich bekannte sie gleichwohl, daß ihr Gabriel Schulzens Wittib sechs Reichsthaler für die Hostie verheißen, und zugleich auch, was sich zwischen ihr und dem Satan im Gefängniß zugetragen. Hierüber ward sie enthauptet und darnach verbrannt. | ||
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| + | Die alte Zauberin ward demnächst geholt und obwohl die jüngere Wittib ihr ins Angesicht gesagt, daß ihr das gemeldete Geld für die Hostie angeboten worden und sie auch darauf starb, wollte sie doch nicht bekennen, obgleich sie mehr als einmal erschrecklich gepeinigt ward. Meister Wolf, der Scharfrichter zu Brandenburg, | ||
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| + | Hierauf wich der Satan von ihr und sie bekannte: Erstlich, daß sie die Hostie für 4, und nicht 6 Reichsthaler begehrt, weil ihr Buhle sie habe haben wollen, mit der Verheißung, | ||
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| + | Ehe noch das Urtheil gefällt ward, ging der Pfarrer Herr Heinrich Sebaldus zu ihr und vermahnte sie, bei ihrem gethanen Bekenntniß zu beharren, auch dasjenige geduldig zu leiden, was wider sie werde ausgesprochen werden, that auch ferner Alles, was sein Predigeramt erforderte; aber sie begann wieder Alles zu leugnen, klagte, daß man ihr so viel Unrecht gethan und so übel mit ihr verfahren, nahm den Geistlichen selbst zum Zeugen, wie fleißig sie zur Kirche gegangen, bei dem Predigtstuhl gesessen und allezeit ihre Augen auf den Geistlichen gerichtet, wenn er gepredigt. Sie betete auch einige Reimgebetlein her ohne einigen Anstoß, ob sie schon in allen ihren andern Worten sehr stammelte. | ||
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| + | Der Prediger verwunderte sich darüber und redete ihr gebührlich zu, insonderheit weil er aus den Umständen merkte, daß der verdammte Geist nicht weit von ihr sein mußte. Als sie auch diesem Gesellen keinen Titel nach seinem Sinn gab, bezeigte sich das Weib so unbändig, daß man merken konnte, daß der Satan ihr auf dem Leibe säße. Der Prediger gedachte also, dieses elende Weib zur Reue und Bekenntniß ihrer Sünden zu bewegen, aber sie blieb hartnäckig, | ||
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| + | Man warf sie in einem Sacke Hals über Kopf die Treppen in dem Gefängniß hinab und ward ihr Leichnam unter dem Galgen begraben. Vier Wochen nachher ward er von den Hunden, oder wie Andere meinen, von den Wölfen aus der Erde herausgescharrt, | ||
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