sagen:sagenbuchpreussen1-156
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| + | ====== Das Gespenst am Sandberge bei Stendal ====== | ||
| + | Nach Weihe, Bd. II. S. 118 etc. | ||
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| + | Bald nach Einführung der Reformation in der Altmark lebte in dem Dorfe Borstel bei Stendal ein Pfarrer, mit Namen Wohlgemuth, ein sehr braver Mann, der in Allem dem Mann Gottes Dr. Luther nachzustreben sich bemühte. Der begab sich einst früh am Weihnachtsheiligenabend mit seinem Küster auf den Weg nach Stendal, um daselbst für seine Kinder Honigkuchen und Spielsachen einzukaufen. Beim Weggange aus seinem Hause aber trat eine arme Frau zu ihm und bat ihn, ihrem todtkranken Manne noch heute das Abendmahl zu reichen, doch setzte sie hinzu: es hat damit noch Zeit bis auf den Abend um sieben Uhr. Der Pfarrer sagte zwar, er wolle lieber, damit es nicht etwa zu spät werde, jetzt gleich mit ihr gehen, allein die Frau nahm es nicht an, und so machte sich denn der Pfarrer auf, um in der Stadt seine Geschäfte zu besorgen. | ||
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| + | Als sie ausgingen, war heiterer Himmel, allein schon als sie in die Stadt kamen, verdüsterte sich derselbe; sie machten ihre Einkäufe und wollten, als es mittlerweile zu schneien anfing, sofort wieder nach Hause eilen, allein ihre Bekannten und Freunde redeten ihnen zu, doch noch zu bleiben, es werde schon wieder aufhören. Allein es hörte nicht auf, der Schnee fiel immer dichter und als die fünfte Stunde herankam, da ließ sich der Pfarrer nicht länger halten, sondern machte sich mit seinem Begleiter trotz des schlimmen Wetters auf den Heimweg. | ||
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| + | So kamen sie tief im Schnee watend vor dem Sandgarten vorbei bis an den Sandberg und in die Nähe des Hochgerichts. Dort aber war der Himmel rabenschwarz, | ||
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| + | Da rief der Pfarrer wieder: Hilfe, Hilfe, ach Gott, ach Gott! Und abermals hallte es zurück: Ach Gott, ach Gott! Und nochmals strengten sie alle ihre Kräfte an, wieder auf den Weg zu kommen, und zwar diesmal nicht umsonst, bald sahen sie den Thurm von Borstel vor sich aufsteigen und erfreut rief der Pfarrer aus: Gott sei gelobt, nun wollen wir gleich mit Kelch und Patene zu unserem Kranken, der so ängstlich nach Gott verlangt hat, denn noch ist's wohl nicht sieben Uhr. Siehe, da schlug die Glocke im Thurme Eins. Dennoch gingen sie in das Haus des Kranken, der aber war längst verschieden und die Wittwe sprach laut weinend: Gestern Abend gegen sieben Uhr ist mein Mann im Herrn entschlafen. Da merkten sie wohl, daß es um die Stunde geschehen sei, in welcher sie in der Nähe des Sandberges vor Stendal die Worte gehört hatten: Ach Gott, ach Gott! Der böse Feind hatte sie dort in der Irre herumgeführt, | ||
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