sagen:sagenbuchpreussen1-128
Unterschiede
Hier werden die Unterschiede zwischen zwei Versionen angezeigt.
| Beide Seiten der vorigen RevisionVorhergehende ÜberarbeitungNächste Überarbeitung | Vorhergehende Überarbeitung | ||
| sagen:sagenbuchpreussen1-128 [2024/02/01 21:08] – ewusch | sagen:sagenbuchpreussen1-128 [2025/01/30 17:56] (aktuell) – Externe Bearbeitung 127.0.0.1 | ||
|---|---|---|---|
| Zeile 1: | Zeile 1: | ||
| - | ====== Liefeld' | + | [[sagen: |
| + | **[[capitel: | ||
| + | [[sagen: | ||
| + | |||
| + | ====== Liefeld' | ||
| Nach K.v. Reinhard, Sagen und Mährchen aus Potsdam' | Nach K.v. Reinhard, Sagen und Mährchen aus Potsdam' | ||
| Zeile 5: | Zeile 9: | ||
| Zwischen dem Brauhaus- und Ravensberge zieht sich dicht vom Wege nach Langenwisch bis zur [[region: | Zwischen dem Brauhaus- und Ravensberge zieht sich dicht vom Wege nach Langenwisch bis zur [[region: | ||
| - | Der schlimmste von allen war eben ein gewisser Peter Dönges, der sich mit seiner noch bösern Mutter, der sogenannten rothen Hanne, die einst wegen Diebstahl zu Potsdam gestäupt worden war, im Liefeldtsgrunde eine Höhle in den Boden gegraben und dieselbe so geschickt mit Baumstämmen, | + | Der schlimmste von allen war eben ein gewisser Peter Dönges, der sich mit seiner noch bösern Mutter, der sogenannten rothen Hanne, die einst wegen Diebstahl zu Potsdam gestäupt worden war, im Liefeldtsgrunde eine Höhle in den Boden gegraben und dieselbe so geschickt mit Baumstämmen, |
| - | An allen Hauptwegen waren im Dickicht Schlupfwinkel angelegt, in denen er sich zeitweilig aufhielt, und in deren Nähe er eine Schnur über den Weg gezogen hatte, welche an einer Glocke in der Höhle befestigt war. Zog dann ein Wagen oder Wanderer vorüber, so machte die Berührung der Schnur die Glocke läuten, dann schlich er herbei und überfiel die Unvorbereiteten gewöhnlich von hinten. Besonders aber hatte seine Mutter ihn vor jeder nähern Verbindung mit dem andern Geschlechte abzuhalten gesucht, allein da trug es sich zu, daß er eines Morgens ein junges Fischermädchen aus Neuendorf im Walde traf, welches Netzgarn nach Saarmund trug. Statt sie zu ermorden, redete er sie an, fragte sie aus, wann und auf welchem Wege sie zurückkehren werde und begleitete sie bis kurz vor die Stadt in die Nähe des Eichberges. Bei ihrer Rückkehr am Nachmittage überfiel er sie im Dickicht, verband ihr den Mund und die Augen und schleppte sie auf vielen Umwegen zu seiner Höhle im Liefeldtsgrund. Allein seine Mutter verlangte zornig, er solle sie sofort ermorden und nahm endlich, da er dies ein Mal ihr nicht nachgab, der zum Tode geängstigten Dirne einen furchtbaren Schwur ab, daß sie den Räuber nicht verrathen, ja nie zu einer lebenden Kreatur von ihm sprechen wolle. In dieser Höhle lebte nun das arme Geschöpf lange Jahre, ohne je das Licht der Sonne zu erblicken, entweder blieb stets eins, Mutter oder Sohn, bei ihr zurück oder Dönges verrammelte die Thüre der Höhle so von außen, daß das schwache Weib sie nicht zu öffnen vermochte. | + | An allen Hauptwegen waren im Dickicht Schlupfwinkel angelegt, in denen er sich zeitweilig aufhielt, und in deren Nähe er eine Schnur über den Weg gezogen hatte, welche an einer Glocke in der Höhle befestigt war. Zog dann ein Wagen oder Wanderer vorüber, so machte die Berührung der Schnur die Glocke läuten, dann schlich er herbei und überfiel die Unvorbereiteten gewöhnlich von hinten. Besonders aber hatte seine Mutter ihn vor jeder nähern Verbindung mit dem andern Geschlechte abzuhalten gesucht, allein da trug es sich zu, daß er eines Morgens ein junges Fischermädchen aus [[geo: |
| Mittlerweile war sie Mutter geworden, da nahm die Alte das Kind und sagte, sie wolle es in die Stadt zu einer Amme tragen, denn hier könne durch das Schreien desselben einmal ein Vorübergehender zur Entdeckung der Höhle veranlaßt werden. So geschah es dreimal und jedesmal ward der Zank zwischen Mutter und Sohn deswegen heftiger, allein erstere blieb dabei, die Kinder müßten unbedingt in die Stadt zu einer Amme. Allein vier Jahre, nachdem das unglückliche Frauenzimmer in die Höhle geschleppt worden war, starb die Alte und nun sah sich der Räuber gezwungen, das Mädchen ihrer Gefangenschaft zu entlassen, denn wer hätte sonst Lebensmittel herbeischaffen sollen? Er ließ ihr aber vorher jenen furchtbaren Eid noch einmal schwören, und siehe, die arme Person hielt ihn auch gewissenhaft, | Mittlerweile war sie Mutter geworden, da nahm die Alte das Kind und sagte, sie wolle es in die Stadt zu einer Amme tragen, denn hier könne durch das Schreien desselben einmal ein Vorübergehender zur Entdeckung der Höhle veranlaßt werden. So geschah es dreimal und jedesmal ward der Zank zwischen Mutter und Sohn deswegen heftiger, allein erstere blieb dabei, die Kinder müßten unbedingt in die Stadt zu einer Amme. Allein vier Jahre, nachdem das unglückliche Frauenzimmer in die Höhle geschleppt worden war, starb die Alte und nun sah sich der Räuber gezwungen, das Mädchen ihrer Gefangenschaft zu entlassen, denn wer hätte sonst Lebensmittel herbeischaffen sollen? Er ließ ihr aber vorher jenen furchtbaren Eid noch einmal schwören, und siehe, die arme Person hielt ihn auch gewissenhaft, | ||
| Zeile 15: | Zeile 19: | ||
| So hatte sie freilich keiner lebenden Kreatur den Aufenthalt des Mörders ihrer Kinder verrathen, allein der Soldat, der neben dem Pfeiler auf Wache stand, hat Alles mit angehört und demnächst angezeigt. Am andern Tage aber ist eine starke Mannschaft ausgeschickt worden, welche der Mehlspur bis an den Liefeldtsgrund folgte, der Mooshügel, an welchem sie sich verlor, ward von Soldaten umstellt und dann der Eingang, wiewohl mit vieler Mühe, gesucht und gefunden. Zwar leistete der Räuber heftigen Widerstand, allein er ward überwältigt, | So hatte sie freilich keiner lebenden Kreatur den Aufenthalt des Mörders ihrer Kinder verrathen, allein der Soldat, der neben dem Pfeiler auf Wache stand, hat Alles mit angehört und demnächst angezeigt. Am andern Tage aber ist eine starke Mannschaft ausgeschickt worden, welche der Mehlspur bis an den Liefeldtsgrund folgte, der Mooshügel, an welchem sie sich verlor, ward von Soldaten umstellt und dann der Eingang, wiewohl mit vieler Mühe, gesucht und gefunden. Zwar leistete der Räuber heftigen Widerstand, allein er ward überwältigt, | ||
| - | //Quelle: Johann Georg Theodor Grässe: Sagenbuch des Preußischen Staates 1–2, Band 1, Glogau 1868/71, S. 126-128; // | + | // |
| ---- | ---- | ||
| - | {{tag> | + | {{tag> |
sagen/sagenbuchpreussen1-128.1706818134.txt.gz · Zuletzt geändert: (Externe Bearbeitung)
