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sagen:sagenbuchpreussen1-124

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-====== Das älteste Haus in Potsdam (Grässe) ======+====== Das älteste Haus in Potsdam ======
  
     Nach K.v. Reinhard, Sagen und Mährchen aus Potsdam's Vorzeit, S. 113     Nach K.v. Reinhard, Sagen und Mährchen aus Potsdam's Vorzeit, S. 113
  
-In der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts bestand [[geo:Potsdam]] fast nur aus vier Straßen, in deren Mitte auf einer kleinen Erhöhung des Bodens die mit einem Begräbnißplatze umgebene Kirche und unweit davon ein kleines Rathhaus stand; so hatte sie auch nur zwei Thore, das eine, das Brandenburger, führte durch den Wall in der Gegend des neuen Marktes, das andere, in der Gegend der grünen Brücke, hieß das Berliner, und war nur zum Theil durch eine Mauer, größtentheils aber durch einen Graben und ein festes Pfahlwerk mit dem ersteren verbunden. Von dem Berliner Thor längs der Havel hin bis über die jetzige Burg und Heiligegeiststraße lag eine doppelte Reihe von Fischerhäusern, der Platz an der Havel aber, auf dem jetzt die Heiligegeist-Kirche steht, war durch einen breiten Graben zur Insel gemacht, auf der Landseite geschützt durch Mauer und Wall, auf der andern durch den breiten Fluß. Hier stand die Burg, das sogenannte alte Haus Potsdams, ein viereckiges steinernes Gebäude mit spitzen Giebeln und einem runden Thurm an jeder Ecke. Da wo jetzt das Schloß sich erhebt, war durch Joachim ein kleines Lustschloß errichtet, unweit der hölzernen Brücke, welche [[vip:friedrichibrandenburg|Friedrich I.]] statt der Fähre 1406 über die [[region:Havel]] hatte er bauen lassen. Unterhalb der Stadt, dem Tornow gegenüber, und von ihm durch einen dichten Eichenwald getrennt, der sich weithin nach [[geo:Fahrland]] und [[geo:Nedlitz]] erstreckte, lag der Kiez, ein Fischerdorf, dessen wendische Bewohner unter einem Schulzen lebten.+In der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts bestand [[geo:Potsdam]] fast nur aus vier Straßen, in deren Mitte auf einer kleinen Erhöhung des Bodens die mit einem Begräbnißplatze umgebene Kirche und unweit davon ein kleines Rathhaus stand; so hatte sie auch nur zwei Thore, das eine, das Brandenburger, führte durch den Wall in der Gegend des neuen Marktes, das andere, in der Gegend der grünen Brücke, hieß das Berliner, und war nur zum Theil durch eine Mauer, größtentheils aber durch einen Graben und ein festes Pfahlwerk mit dem ersteren verbunden. Von dem Berliner Thor längs der Havel hin bis über die jetzige Burg und Heiligegeiststraße lag eine doppelte Reihe von Fischerhäusern, der Platz an der Havel aber, auf dem jetzt die Heiligegeist-Kirche steht, war durch einen breiten Graben zur Insel gemacht, auf der Landseite geschützt durch Mauer und Wall, auf der andern durch den breiten Fluß. Hier stand die Burg, das sogenannte alte Haus Potsdams, ein viereckiges steinernes Gebäude mit spitzen Giebeln und einem runden Thurm an jeder Ecke. Da wo jetzt das Schloß sich erhebt, war durch Joachim ein kleines Lustschloß errichtet, unweit der hölzernen Brücke, welche [[vip:friedrichibrandenburg|Friedrich I.]] statt der Fähre 1406 über die [[region:Havel]] hatte er bauen lassen. Unterhalb der Stadt, dem Tornow gegenüber, und von ihm durch einen dichten Eichenwald getrennt, der sich weithin nach [[geo:Fahrland]] und [[geo:nedlitzpotsdam|Nedlitz]] erstreckte, lag der Kiez, ein Fischerdorf, dessen wendische Bewohner unter einem Schulzen lebten.
  
 Dieser Schulze hatte nun ein ganz junges niedliches, schwarzäugiges Mädchen von kaum sechszehn Jahren zur Mündel, die allen jungen Burschen des Dorfes den Kopf verdrehte, und so auch ihrem Vormunde. Ob derselbe nun gleich zum dritten Male Wittwer war, so ließ er es sich doch beikommen, einem vierten Frauenzimmer seine welk gewordene Hand anzubieten, und siehe, er ward erhört, am Osterfeste 1536 ward seine rothbäckige Mündel seine vierte Frau. Sie lebte als solche gerade so fort wie vorher als Mädchen, sie trug nach wie vor ihre Fische zu Markte und ging an den Sonntagen in die Schenke zu Tanze, wo es ihr keine Andere an Frohsinn und Scherzen zuvor that. Dieser Schulze hatte nun ein ganz junges niedliches, schwarzäugiges Mädchen von kaum sechszehn Jahren zur Mündel, die allen jungen Burschen des Dorfes den Kopf verdrehte, und so auch ihrem Vormunde. Ob derselbe nun gleich zum dritten Male Wittwer war, so ließ er es sich doch beikommen, einem vierten Frauenzimmer seine welk gewordene Hand anzubieten, und siehe, er ward erhört, am Osterfeste 1536 ward seine rothbäckige Mündel seine vierte Frau. Sie lebte als solche gerade so fort wie vorher als Mädchen, sie trug nach wie vor ihre Fische zu Markte und ging an den Sonntagen in die Schenke zu Tanze, wo es ihr keine Andere an Frohsinn und Scherzen zuvor that.
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 Einige Monate nachher bezog nun aber der Churfürst sein neues Lustschloß und bewohnte dasselbe seit jener Zeit nur mit wenigen Unterbrechungen. In der Umgegend aber ward die Rede laut, man sehe ihn in den Gängen des das Schloß umgebenden Gartens oft mit einer jungen schönen Frau lustwandeln, die große Aehnlichkeit mit der verschollenen Frau Schulzin habe. Auch nach seinem Uebertritt zur evangelischen Kirche im Jahre 1536 ist er häufig auf jenem Jagdschlosse gewesen, allein keiner der Hofleute, die er dorthin mitnahm, hat, darum befragt, über jene schöne Dame Rede gestanden, so daß man zuletzt gar nicht mehr davon gesprochen und die ganze Sache für einen Spuck gehalten hat.  Einige Monate nachher bezog nun aber der Churfürst sein neues Lustschloß und bewohnte dasselbe seit jener Zeit nur mit wenigen Unterbrechungen. In der Umgegend aber ward die Rede laut, man sehe ihn in den Gängen des das Schloß umgebenden Gartens oft mit einer jungen schönen Frau lustwandeln, die große Aehnlichkeit mit der verschollenen Frau Schulzin habe. Auch nach seinem Uebertritt zur evangelischen Kirche im Jahre 1536 ist er häufig auf jenem Jagdschlosse gewesen, allein keiner der Hofleute, die er dorthin mitnahm, hat, darum befragt, über jene schöne Dame Rede gestanden, so daß man zuletzt gar nicht mehr davon gesprochen und die ganze Sache für einen Spuck gehalten hat. 
  
-Zwanzig Jahre nachher brannte das ganze damalige Potsdam ab und nur das Jagdschloß im Eichenwalde beim Kiez blieb von allen Gebäuden aus früherer Zeit übrig, wurde aber später vom Churfürsten Friedrich Wilhelm auf den Wunsch seiner frommen Gemahlin zu einem Wittwenhause eingerichtet. Dasselbe ist bis in die dreißiger Jahre dieses Jahrhunderts stehen geblieben, da wurde es zwar niedergerissen, allein das neu aufgebaute Predigerwittwen-Haus steht genau auf den Grundmauern des alten Jagdschlosses, ist also streng genommen das älteste Haus der Stadt Potsdam.+Zwanzig Jahre nachher brannte das ganze damalige Potsdam ab und nur das Jagdschloß im Eichenwalde beim Kiez blieb von allen Gebäuden aus früherer Zeit übrig, wurde aber später vom [[vip:friedrichwilhelmbrandenburg|Churfürsten Friedrich Wilhelm]] auf den Wunsch seiner frommen Gemahlin zu einem Wittwenhause eingerichtet. Dasselbe ist bis in die dreißiger Jahre dieses Jahrhunderts stehen geblieben, da wurde es zwar niedergerissen, allein das neu aufgebaute Predigerwittwen-Haus steht genau auf den Grundmauern des alten Jagdschlosses, ist also streng genommen das älteste Haus der Stadt Potsdam.
  
-//Quelle: [[autor:graesse|Johann Georg Theodor Grässe]]: [[buch:sagenbuchpreussen|Sagenbuch des Preußischen Staates 1–2]], Band 1, Glogau 1868/71, S. 119-121;  +//Quelle: [[autor:graesse|Johann Georg Theodor Grässe]]: [[buch:sagenbuchpreussen|Sagenbuch des Preußischen Staates 1–2]], Band 1, Glogau 1868/71, S. 119-121//
-[[http://www.zeno.org/nid/20004937384|www.zeno.org]]//+
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