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sagen:sagenbuchpreussen1-123

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-====== Der Panberg (Grässe) ======+====== Der Panberg ======
  
     Nach K.v. Reinhard, Sagen und Mährchen aus Potsdam's Vorzeit, S. 167 etc     Nach K.v. Reinhard, Sagen und Mährchen aus Potsdam's Vorzeit, S. 167 etc
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 »Wir Alle, Männer und Frauen, hatten jedes Metall ablegen müssen, auch durfte sich keine Seide an unserem Anzug befinden. Kunkel war in einen weiten schwarzen Mantel gehüllt und trug ein schwarzes eckiges Barett. Zuerst sonderte er die Gesellschaft in Abtheilungen von Dreien, deren Lebensalter jedesmal eine ungerade Zahl ausmachte. Diese, immer zwei Frauen und ein Mann oder umgekehrt, mußten sich anfassen und versprechen, sich nicht loszulassen und kein Wort zu reden. Dann sagte er, er wolle versuchen, uns die verzauberte Gräfin im Panberge zu zeigen. Das war uns sehr lieb, denn wir Alle kannten die alte Sage von der eitlen Mutter, welche so verliebt in die Schönheit ihrer Tochter und besonders in deren lange, blonde Haare war, daß sie darüber alle ihre Pflichten vergaß, nicht an Gott dachte und sich vermaß, nicht selig werden zu wollen, wenn ihr nur das schöngelockte Kind bleibe. Da ist sie denn in den Berg verwünscht worden, so lange, bis ein Mädchen mit noch schönerem blonden Haar sie erlösen würde, die dann alle ihre Schätze bekäme. Kunkel ging voran. Der Weg führte unter den hohen Buchen hin bis auf die Spitze des Panberges, da wo jetzt die drei Linden stehen und die schöne Aussicht ist. Unter den Bäumen war es sehr dunkel, nur einige Glühwürmer schwärmten über das Moos. Drei derselben setzten sich wie eine Agraffe auf Kunkel's Barett. Als wir auf der hohen Kuppe angelangt waren, sahen wir, wie Kunkel einen Maulwurf unter dem Mantel hervorzog, den er auf die Erde setzte und dann gebückt wie suchend einige Zeit hin- und herging, bis wo der Maulwurf sich in die Erde eingrub, wie Einige bemerkt haben wollen. Dann ordnete er uns schweigend zu einem Kreise, in dessen Mitte er sich niederkauerte. Nun sahen wir, wie er an den Glühwürmern ein kleines blaues Flämmchen entzündete, dies in ein Loch in die Erde senkte und ein schwarzes Pulver in dasselbe streute. Sogleich entstand ein dichter, weißer Dampf, der jedoch nicht in die Höhe stieg, sondern sich in einem einige Schritte weiten Kreise über die Erde ausbreitete und dann in die Tiefe einzudringen schien. So wie er aber den Sand durchzog, verwandelte sich derselbe in ein helles durchsichtiges Krystall, durch welches man immer tiefer in den Berg hineinsehen konnte. Auf diese Weise wurde nun nach und nach das ganze Innere des Berges sichtbar, und in der Mitte auf einem prächtigen Sessel, umgeben von vielen Kostbarkeiten, sah man regungslos eine Frau in reich verzierter alterthümlicher Tracht sitzen, in ihren Armen ein zartes, liebreiches Mädchen haltend, dessen lange hellblondgelbe Locken sie in der Hand hielt, als wäre sie beschäftigt, sie zu kämmen und zu ordnen. Nur wenige Augenblicke war uns dieser seltsame Anblick gewährt. Der Berg verdunkelte sich schnell auf ähnliche Weise, wie er früher durchsichtig geworden, von innen nach oben, und bald glänzten nur noch die drei Leuchtwürmer auf dem Barett Kunkel's durch die finstere Nacht.« »Wir Alle, Männer und Frauen, hatten jedes Metall ablegen müssen, auch durfte sich keine Seide an unserem Anzug befinden. Kunkel war in einen weiten schwarzen Mantel gehüllt und trug ein schwarzes eckiges Barett. Zuerst sonderte er die Gesellschaft in Abtheilungen von Dreien, deren Lebensalter jedesmal eine ungerade Zahl ausmachte. Diese, immer zwei Frauen und ein Mann oder umgekehrt, mußten sich anfassen und versprechen, sich nicht loszulassen und kein Wort zu reden. Dann sagte er, er wolle versuchen, uns die verzauberte Gräfin im Panberge zu zeigen. Das war uns sehr lieb, denn wir Alle kannten die alte Sage von der eitlen Mutter, welche so verliebt in die Schönheit ihrer Tochter und besonders in deren lange, blonde Haare war, daß sie darüber alle ihre Pflichten vergaß, nicht an Gott dachte und sich vermaß, nicht selig werden zu wollen, wenn ihr nur das schöngelockte Kind bleibe. Da ist sie denn in den Berg verwünscht worden, so lange, bis ein Mädchen mit noch schönerem blonden Haar sie erlösen würde, die dann alle ihre Schätze bekäme. Kunkel ging voran. Der Weg führte unter den hohen Buchen hin bis auf die Spitze des Panberges, da wo jetzt die drei Linden stehen und die schöne Aussicht ist. Unter den Bäumen war es sehr dunkel, nur einige Glühwürmer schwärmten über das Moos. Drei derselben setzten sich wie eine Agraffe auf Kunkel's Barett. Als wir auf der hohen Kuppe angelangt waren, sahen wir, wie Kunkel einen Maulwurf unter dem Mantel hervorzog, den er auf die Erde setzte und dann gebückt wie suchend einige Zeit hin- und herging, bis wo der Maulwurf sich in die Erde eingrub, wie Einige bemerkt haben wollen. Dann ordnete er uns schweigend zu einem Kreise, in dessen Mitte er sich niederkauerte. Nun sahen wir, wie er an den Glühwürmern ein kleines blaues Flämmchen entzündete, dies in ein Loch in die Erde senkte und ein schwarzes Pulver in dasselbe streute. Sogleich entstand ein dichter, weißer Dampf, der jedoch nicht in die Höhe stieg, sondern sich in einem einige Schritte weiten Kreise über die Erde ausbreitete und dann in die Tiefe einzudringen schien. So wie er aber den Sand durchzog, verwandelte sich derselbe in ein helles durchsichtiges Krystall, durch welches man immer tiefer in den Berg hineinsehen konnte. Auf diese Weise wurde nun nach und nach das ganze Innere des Berges sichtbar, und in der Mitte auf einem prächtigen Sessel, umgeben von vielen Kostbarkeiten, sah man regungslos eine Frau in reich verzierter alterthümlicher Tracht sitzen, in ihren Armen ein zartes, liebreiches Mädchen haltend, dessen lange hellblondgelbe Locken sie in der Hand hielt, als wäre sie beschäftigt, sie zu kämmen und zu ordnen. Nur wenige Augenblicke war uns dieser seltsame Anblick gewährt. Der Berg verdunkelte sich schnell auf ähnliche Weise, wie er früher durchsichtig geworden, von innen nach oben, und bald glänzten nur noch die drei Leuchtwürmer auf dem Barett Kunkel's durch die finstere Nacht.«
  
-//Quelle: Johann Georg Theodor Grässe: Sagenbuch des Preußischen Staates 1–2, Band 1, Glogau 1868/71, S. 117-119; [[http://www.zeno.org/nid/20004937376|www.zeno.org]]//+//Quelle: [[autor:graesse|Johann Georg Theodor Grässe]][[buch:sagenbuchpreussen|Sagenbuch des Preußischen Staates 1–2]], Band 1, Glogau 1868/71, S. 117-119//
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