sagen:sagenbuchpreussen1-026
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| + | ====== Der Stock als Verräther ====== | ||
| + | Nach Cosmar Bd. I. S. 24 etc. und Ziehnert Bd. II. S. 93 etc. | ||
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| + | In Berlin hat einst ein reicher Bäcker gelebt, der aber sein Geschäft aufgegeben hatte und mit dem gesparten Gelde Wuchergeschäfte trieb. Zuletzt gingen aber dieselben nicht mehr so recht, weil er gar zu hohe Zinsen nahm und wer einmal in seine Hände fiel, sicher nicht zum zweiten Mal zu ihm borgen kam. Er beschloß, auf andere Weise Geld zu verdienen, selbst als Borger aufzutreten und alle, die ihm vertrauten, um ihr Geld zu bringen. Zuerst ging er also zu seinem frühern Gesellen und jetzigen Nachfolger im Geschäft, welches er an ihn verkauft hatte, und bat ihn, er möge ihm doch auf drei Tage mit 50 Ducaten aushelfen, da er sich gerade selbst ausgegeben und eine bedeutende Zahlung zu machen habe. Sein früherer Geselle hatte auch kein Arg, er wußte, daß sein früherer Meister selbst Geld vollauf habe und ihm ein sicherer Schuldner sey; er gab ihm also die verlangten 50 Ducaten sofort, ohne einen Schuldschein zu verlangen. Jener aber lachte sich ins Fäustchen und nahm sich vor, seinem vertrauensvollen Geschäftsnachfolger auch nicht einen Heller wiederzugeben. Es vergingen also drei Tage und kein Schuldner ließ sich bei dem Darleiher sehen; derselbe wartete geduldig noch ganze acht Tage, als dann sein alter Meister immer noch nicht erschien, da ging er zu ihm und bat sich sein Geld aus. Allein wie ward ihm, als jener zwar nicht in Abrede stellte, die 50 Ducaten geliehen zu haben, aber hoch und theuer versicherte, | ||
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| + | Sein Gegner nahm auch sein Anerbieten an, weil er glaubte, der Wucherer werde zuletzt doch wegen einer für ihn so geringfügigen Summe keinen Meineid schwören, allein er irrte sich; als der zum Schwur angesetzte Tag erschien, da war auch der alte Wucherer da und erbot sich, den von dem Richter formulirten Eid, daß er nämlich dem jungen Bäcker richtig und gewissenhaft die geliehenen 50 Stück Ducaten zurückgegeben habe, zu leisten. Er reichte seinem herzu getretenen Gegner seinen Hut und Stock mit den Worten hin: »Haltet doch Eurem alten Meister aus Gefälligkeit einen Augenblick sein spanisches Rohr« und sprach dann, nachdem derselbe, er wußte selbst nicht warum, seinen Wunsch erfüllt und Hut und Stock in seine Hände genommen hatte, ohne Bedenken die vorgeschriebene Eidesformel. Kaum hatte er dieselbe aber vollends ausgesprochen, | ||
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