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sagen:sagenbuchpreussen1-001

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 ====== Die Prophezeiung des Bruders Hermann von Lehnin ====== ====== Die Prophezeiung des Bruders Hermann von Lehnin ======
  
  
-In der Mittelmark an der Havel, etwa zwei Meilen von Potsdam, liegt das jetzige Schloß und Amt Lehnin; dasselbe war ehedem ein berühmtes Kloster, in welchem mehrere Chur- und Markgrafen von Brandenburg begraben liegen. Daselbst lebte einst ein durch seinen heiligen Wandel und seine Gelehrsamkeit hochberühmter Mönch (zwischen 1272-1339), Namens Hermann, der in schlechten lateinischen Reimversen die künftigen Schicksale seines Klosters besang und dabei natürlich auch das Schicksal aller folgenden preußischen Fürsten mit berührte, insoweit dasselbe mit der Zukunft des Klosters in Verbindung stand und von demselben abhing. Ueber die Geschichte dieser Prophezeiung giebt es nun aber zwei verschiedene Berichte. Nach dem einen wäre dieselbe bei der Einziehung des gedachten Klosters (1542) in fremde Hände gerathen, bis der Churbrandenburgische Rath, Erasmus von Seidel, der durch seine glückliche Vertheidigung der Jülich'schen Erbfolge für das Churbrandenburgische Haus in ihren Besitz gelangte und sie als geheimen Schatz in seinem Hause verwahrte und erst gegen das Ende der Regierung des Churfürsten Friedrich Wilhelm Andern mittheilte. Eine andere Sage erzählt, diese Prophezeiung sei in den letzten Jahren des genannten Churfürsten, als derselbe einst in das auf der Stelle des verfallenen Klosters erbaute Schloß gekommen, um sich in der Umgebung desselben mit der Reiherbeitze zu belustigen, daselbst in einer alten Mauer aufgefunden worden.((Laut handschr. Acten im Geh. Staatsarchive zu Berlin klopften einst zwei Bauern aus dem Amte Lehnin im J. 1617 mit Steinen in dem Gewölbe der Klosterkirche daselbst und brachen an einer Stelle, oben in dem Kreuzgange an der Treppe, wo es hohl klang, eine Oeffnung. Da fanden sie schöne bunte Altardecken, mit Gold und Silber durchwebte Kirchengewänder, Bücher und Handschriften. Die Gewänder zerschnitten sie und nahmen sie mit, rissen aus den Pergamentschriften einige Blätter heraus, die sie zu Wocken, einem Orte bei Lehnin, an ihre Bekannten verschenkten. Bei der zwei Jahre nachher erfolgten gerichtlichen Untersuchung fanden sich noch 82 Bücher und Handschriften vor, die der damalige churfürstliche Hauptmann des Amtes Lehnin, Wichmann, von Lehnin nach Berlin schickte, wo sie der Bibliothek der heiligen Dreifaltigkeit, der jetzigen Domkirche eingereiht wurden. Unter diesen mag sich auch das Originalmanuscript der Lehniner Prophezeiung befunden haben, von dem schon zur Zeit des großen Churfürsten Abschriften existirten. (S.v. Scharff-Scharffenstein, die Weissagung des Abtes Hermann von Lehnin, frei in gebundener Rede. Hanau 1862. in 8. S. IV. etc.)))+In der Mittelmark an der [[region:Havel]], etwa zwei Meilen von [[geo:Potsdam]], liegt das jetzige Schloß und Amt Lehnin; dasselbe war ehedem ein berühmtes Kloster, in welchem mehrere Chur- und Markgrafen von Brandenburg begraben liegen. Daselbst lebte einst ein durch seinen heiligen Wandel und seine Gelehrsamkeit hochberühmter Mönch (zwischen 1272-1339), Namens Hermann, der in schlechten lateinischen Reimversen die künftigen Schicksale seines Klosters besang und dabei natürlich auch das Schicksal aller folgenden preußischen Fürsten mit berührte, insoweit dasselbe mit der Zukunft des Klosters in Verbindung stand und von demselben abhing. Ueber die Geschichte dieser Prophezeiung giebt es nun aber zwei verschiedene Berichte. Nach dem einen wäre dieselbe bei der Einziehung des gedachten Klosters (1542) in fremde Hände gerathen, bis der Churbrandenburgische Rath, Erasmus von Seidel, der durch seine glückliche Vertheidigung der Jülich'schen Erbfolge für das Churbrandenburgische Haus in ihren Besitz gelangte und sie als geheimen Schatz in seinem Hause verwahrte und erst gegen das Ende der Regierung des Churfürsten Friedrich Wilhelm Andern mittheilte. Eine andere Sage erzählt, diese Prophezeiung sei in den letzten Jahren des genannten Churfürsten, als derselbe einst in das auf der Stelle des verfallenen Klosters erbaute Schloß gekommen, um sich in der Umgebung desselben mit der Reiherbeitze zu belustigen, daselbst in einer alten Mauer aufgefunden worden.((Laut handschr. Acten im Geh. Staatsarchive zu Berlin klopften einst zwei Bauern aus dem Amte Lehnin im J. 1617 mit Steinen in dem Gewölbe der Klosterkirche daselbst und brachen an einer Stelle, oben in dem Kreuzgange an der Treppe, wo es hohl klang, eine Oeffnung. Da fanden sie schöne bunte Altardecken, mit Gold und Silber durchwebte Kirchengewänder, Bücher und Handschriften. Die Gewänder zerschnitten sie und nahmen sie mit, rissen aus den Pergamentschriften einige Blätter heraus, die sie zu Wocken, einem Orte bei Lehnin, an ihre Bekannten verschenkten. Bei der zwei Jahre nachher erfolgten gerichtlichen Untersuchung fanden sich noch 82 Bücher und Handschriften vor, die der damalige churfürstliche Hauptmann des Amtes Lehnin, Wichmann, von Lehnin nach Berlin schickte, wo sie der Bibliothek der heiligen Dreifaltigkeit, der jetzigen Domkirche eingereiht wurden. Unter diesen mag sich auch das Originalmanuscript der Lehniner Prophezeiung befunden haben, von dem schon zur Zeit des großen Churfürsten Abschriften existirten. (S.v. Scharff-Scharffenstein, die Weissagung des Abtes Hermann von Lehnin, frei in gebundener Rede. Hanau 1862. in 8. S. IV. etc.)))
  
 Aus dieser Handschrift ist die Prophezeiung dann zuerst von dem bekannten Königsberger Theologen Mich. Lilienthal im II. Theile seines Gelehrten Preußens (Th. IV. S. 286 etc.) durch den Druck bekannt und später von einem gewissen Zoroaster mit einer deutschen metrischen Uebersetzung begleitet unter folgendem Titel herausgegeben worden: Aus dieser Handschrift ist die Prophezeiung dann zuerst von dem bekannten Königsberger Theologen Mich. Lilienthal im II. Theile seines Gelehrten Preußens (Th. IV. S. 286 etc.) durch den Druck bekannt und später von einem gewissen Zoroaster mit einer deutschen metrischen Uebersetzung begleitet unter folgendem Titel herausgegeben worden:
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 Seit dieser Zeit sind verschiedene Ausgaben dieser merkwürdigen Schriftstücke erschienen, die zum Theil unter sich etwas verschieden sind; wir lassen hier die alte Uebersetzung des schon genannten Zoroaster folgen: Seit dieser Zeit sind verschiedene Ausgaben dieser merkwürdigen Schriftstücke erschienen, die zum Theil unter sich etwas verschieden sind; wir lassen hier die alte Uebersetzung des schon genannten Zoroaster folgen:
  
-Bruder Hermanns von Lehnin wundersame Propheceyung von den Regenten des Chur-Fürstlichen Hauses Brandenburg, abgefaßt im Jahre Christi 1306.+Bruder Hermanns von Lehnin wundersame Propheceyung von den Regenten des Chur-Fürstlichen Hauses [[region:markbrandenburg|Brandenburg]], abgefaßt im Jahre Christi 1306.
  
 Nun will ich dir, Lehnin! dein künftig Schicksal sagen,\\ Nun will ich dir, Lehnin! dein künftig Schicksal sagen,\\
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 Da fällst du nun zuerst, jedoch nicht gar zu Boden.\\ Da fällst du nun zuerst, jedoch nicht gar zu Boden.\\
 Indessen wird die Marck viel schwere Drangsal leiden,((Dies bezieht man auf die 1311 erfolgte Vernichtung der Templer, auf die Ermordung des Propstes Nicolaus in der Kirche zu Berlin und die 1316 von dem Papst geschehene Excommunication der Stadt Frankfurt auf 26 Jahre hinaus.))\\ Indessen wird die Marck viel schwere Drangsal leiden,((Dies bezieht man auf die 1311 erfolgte Vernichtung der Templer, auf die Ermordung des Propstes Nicolaus in der Kirche zu Berlin und die 1316 von dem Papst geschehene Excommunication der Stadt Frankfurt auf 26 Jahre hinaus.))\\
-Denn Otton's Wohnung nimmt die Brut der Löwen ein,((Damit ist das Haus Bayern gemeint, welches einen Löwen im Wappen führt. Ludwig der Baier erklärte nämlich bei der eingetretenen Vacanz des Churfürstenthums Brandenburg die Mark für ein dem Reiche heimgefallenes Lehen und belehnte mit ihr seinen Sohn Ludwig, obgleich Anhalt, Sachsen und Lauenburg, die noch übrigen 3 Linien des Ascanischen Hauses, die besten Ansprüche hatten.))\\+Denn Otton's Wohnung nimmt die Brut der Löwen ein,((Damit ist das Haus Bayern gemeint, welches einen Löwen im Wappen führt. [[vip:ludwigivhrr|Ludwig der Baier]] erklärte nämlich bei der eingetretenen Vacanz des Churfürstenthums Brandenburg die Mark für ein dem Reiche heimgefallenes Lehen und belehnte mit ihr seinen Sohn Ludwig, obgleich Anhalt, Sachsen und Lauenburg, die noch übrigen 3 Linien des Ascanischen Hauses, die besten Ansprüche hatten.))\\
 Da wird der rechte Erb' alsdann verstoßen sein.\\ Da wird der rechte Erb' alsdann verstoßen sein.\\
  
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 Wird ihren Stoltz gar bald der schlaue Kayser heben.((Albert der Jüngere, Fürst von Anhalt, der nächste Agnat Johann's IV., trat auch als Prätendent um die Churwürde auf, ward aber vom Kaiser hintergangen.))\\ Wird ihren Stoltz gar bald der schlaue Kayser heben.((Albert der Jüngere, Fürst von Anhalt, der nächste Agnat Johann's IV., trat auch als Prätendent um die Churwürde auf, ward aber vom Kaiser hintergangen.))\\
 Doch wird ob diesem Schutz die Marck sich wenig freun.\\ Doch wird ob diesem Schutz die Marck sich wenig freun.\\
-Der königliche Löw' wird wieder abwärts gehen,((Sigismund, Sohn Kaiser Carl's IV., erhielt 1378 die Mark Brandenburg von seinem Bruder Wenzel.))\\+Der königliche Löw' wird wieder abwärts gehen,(([[vip:sigismundhrr|Sigismund]], Sohn [[vip:karliv|Kaiser Carl's IV.]], erhielt 1378 die Mark Brandenburg von seinem Bruder Wenzel.))\\
 Und dieses Land nicht mehr die rechten Herren sehen.\\ Und dieses Land nicht mehr die rechten Herren sehen.\\
 Viel Herrscher machen dann dem Lande große Pein.((Sigismund versetzte die Mark an seine Vettern Jobst und Procop von Mähren, dann kam sie pfandweise an Wilhelm, Landgraf zu Thüringen, und endlich wieder an Sigismund, damals schon Kaiser, der sie dann 1417 Friedrich von Hohenzollern überließ.))\\ Viel Herrscher machen dann dem Lande große Pein.((Sigismund versetzte die Mark an seine Vettern Jobst und Procop von Mähren, dann kam sie pfandweise an Wilhelm, Landgraf zu Thüringen, und endlich wieder an Sigismund, damals schon Kaiser, der sie dann 1417 Friedrich von Hohenzollern überließ.))\\
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 Man wird ohn alle Scheu viel Menschen selbst verkauffen.\\ Man wird ohn alle Scheu viel Menschen selbst verkauffen.\\
 Doch daß du liebe Marck nicht ohne Haupt mögst sein,\\ Doch daß du liebe Marck nicht ohne Haupt mögst sein,\\
-Wirst durch zwey Burge du zu größern Ehren steigen((1415 ward der Burggraf von Nürnberg, Friedrich IV. von Hohenzollern, auf dem Concil zu Costnitz zum Churfürsten von Brandenburg gemacht und 1417 erhielt er die Investitur.))\\+Wirst durch zwey Burge du zu größern Ehren steigen((1415 ward der Burggraf von Nürnberg, [[vip:friedrichibrandenburg|Friedrich IV. von Hohenzollern]], auf dem Concil zu Costnitz zum Churfürsten von Brandenburg gemacht und 1417 erhielt er die Investitur.))\\
 Und dich, doch nur zum Schein, zur Ruh und Friede neigen,((Durch Friedrich I.))\\ Und dich, doch nur zum Schein, zur Ruh und Friede neigen,((Durch Friedrich I.))\\
 Und durch der Wölfe Tod triffst du der Schaafe Hertz,((Bezieht sich auf die vielen Händel mit dem unruhigen Adel.))\\ Und durch der Wölfe Tod triffst du der Schaafe Hertz,((Bezieht sich auf die vielen Händel mit dem unruhigen Adel.))\\
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 Die Städte wüst gemacht, den Herrn ihr Recht gewehrt.\\ Die Städte wüst gemacht, den Herrn ihr Recht gewehrt.\\
  
-Des Vaters Folger wird des Bruders Freiheit kränken((Friedrich II. ging seinem ältern Bruder Johann II. in der Regierung vor, da dieser der Goldmacherkunst wegen sich derselben begeben hatte.))\\+Des Vaters Folger wird des Bruders Freiheit kränken(([[vip:friedrichiibrandenburg|Friedrich II.]] ging seinem ältern Bruder Johann II. in der Regierung vor, da dieser der Goldmacherkunst wegen sich derselben begeben hatte.))\\
 Und den unbillgen Tod nicht billig machen dencken.\\ Und den unbillgen Tod nicht billig machen dencken.\\
 Nachdem er müd vom Krieg und manchem Unglücks-Streich,\\ Nachdem er müd vom Krieg und manchem Unglücks-Streich,\\
-Folgt ihm der Bruder bald in dem verlaßnen Reich,((Geht auf Albert Achilles.))\\+Folgt ihm der Bruder bald in dem verlaßnen Reich,((Geht auf [[vip:albrechtachilles|Albert Achilles]].))\\
 Zwar ein sehr tapferer, doch auch sehr eitler Mann,\\ Zwar ein sehr tapferer, doch auch sehr eitler Mann,\\
 Der auf den Berg gedenckt, die Brück nicht reichen kann.\\ Der auf den Berg gedenckt, die Brück nicht reichen kann.\\
 Schaut, arme Lehniner! wie er die Schwerdter wetzet,\\ Schaut, arme Lehniner! wie er die Schwerdter wetzet,\\
 Der schont die Brüder schlecht, der Väter selbst verletzet.((Bezieht sich auf den Streit mit dem Bischof von Bamberg, der hier mit dem Worte Berg bezeichnet wird.))\\ Der schont die Brüder schlecht, der Väter selbst verletzet.((Bezieht sich auf den Streit mit dem Bischof von Bamberg, der hier mit dem Worte Berg bezeichnet wird.))\\
-Sein Nachfahr weiß des Kriegs durch seine Kunst zu spotten((Johannes Cicero wußte durch seine Klugheit manchen Krieg abzuhalten.))\\ +Sein Nachfahr weiß des Kriegs durch seine Kunst zu spotten(([[vip:johanncicero|Johannes Cicero]] wußte durch seine Klugheit manchen Krieg abzuhalten.))\\ 
-Er sagt den Kindern selbst ein großes Glück vorher,((Kann nur auf Joachim I. gehen, welcher als tüchtiger Astrolog seinen Nachkommen die königliche Würde prophezeit haben soll.))\\+Er sagt den Kindern selbst ein großes Glück vorher,((Kann nur auf [[vip:joachimibrandenburg|Joachim I.]] gehen, welcher als tüchtiger Astrolog seinen Nachkommen die königliche Würde prophezeit haben soll.))\\
 So wartet denn auf sie groß Glück und große Ehr.\\ So wartet denn auf sie groß Glück und große Ehr.\\
 Und ihnen soll's so wohl als wie ihm selbst ergehen.\\ Und ihnen soll's so wohl als wie ihm selbst ergehen.\\
-Dann aber wird ein Weib dem Land viel Unglück schaffen,((Elisabeth, Tochter Johann's von Dänemark und Mutter Joachim's II., nahm 1525 öffentlich den lutherischen Glauben an, mußte aber nach Sachsen flüchten, weil ihr Gemahl sie einmauern lassen wollte.))\\+Dann aber wird ein Weib dem Land viel Unglück schaffen,((Elisabeth, Tochter Johann's von Dänemark und Mutter [[vip:joachimiibrandenburg|Joachim's II.]], nahm 1525 öffentlich den lutherischen Glauben an, mußte aber nach Sachsen flüchten, weil ihr Gemahl sie einmauern lassen wollte.))\\
 Ein Weib, das angesteckt durch neues Schlangen-Gifft,\\ Ein Weib, das angesteckt durch neues Schlangen-Gifft,\\
 Und dieses wird biß zu dem eilften Stamme dauren.\\ Und dieses wird biß zu dem eilften Stamme dauren.\\
-Nun kommet der herfür, der dich Lehnin sehr haßt((Joachim II., erster Churfürst, der im Jahre 1593, also dem 4. seiner Regierung, den Glauben seiner Mutter annahm.))\\+Nun kommet der herfür, der dich Lehnin sehr haßt(([[vip:joachimiibrandenburg|Joachim II.]], erster Churfürst, der im Jahre 1593, also dem 4. seiner Regierung, den Glauben seiner Mutter annahm.))\\
 Er schneidet als ein Schwerdt, hat nicht viel Guts im Sinn,\\ Er schneidet als ein Schwerdt, hat nicht viel Guts im Sinn,\\
 Er störet und verkauft die Kirch und Kirchen-Güter.\\ Er störet und verkauft die Kirch und Kirchen-Güter.\\
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 Doch folgt der böse Knecht bald seinem Herren nach.\\ Doch folgt der böse Knecht bald seinem Herren nach.\\
  
-Dann kommen, welche sich von dreyen Burgen nennen,((Friedrich Wilhelm, benannt der Große, ist hier gemeint; er war gleichzeitig Churfürst von Brandenburg, Burggraf zu Nürnberg und Herzog zu Magdeburg.))\\+Dann kommen, welche sich von dreyen Burgen nennen,(([[vip:friedrichwilhelmbrandenburg|Friedrich Wilhelm]], benannt der Große, ist hier gemeint; er war gleichzeitig Churfürst von Brandenburg, Burggraf zu Nürnberg und Herzog zu Magdeburg.))\\
 Und unter'm großen Herrn wächst der schon weite Staat.\\ Und unter'm großen Herrn wächst der schon weite Staat.\\
 Die Sicherheit des Volcks ist des Regenten Stärcke,((Damit ist die Vorliebe des Churfürsten für ein starkes Heer gemeint.))\\ Die Sicherheit des Volcks ist des Regenten Stärcke,((Damit ist die Vorliebe des Churfürsten für ein starkes Heer gemeint.))\\
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 Es ist nichts gutes mehr: eilt alle Bürger fort!\\ Es ist nichts gutes mehr: eilt alle Bürger fort!\\
 Es ist nun gäntzlich aus, und keine Hoffnung übrig.\\ Es ist nun gäntzlich aus, und keine Hoffnung übrig.\\
-Bald knirscht ein Jüngling, da die große Mutter seuffzet,((Churfürst Friedrich III., der erste König von Preußen, bekanntlich ein sehr friedliebender, aber kluger Fürst. Nach einer andern Ansicht wäre aber auch Friedrich Wilhelm I. gemeint, unter dem Jüngling aber Friedrich der Große zu verstehen.))\\+Bald knirscht ein Jüngling, da die große Mutter seuffzet,(([[vip:friedrichipreussen|Churfürst Friedrich III., der erste König von Preußen]], bekanntlich ein sehr friedliebender, aber kluger Fürst. Nach einer andern Ansicht wäre aber auch Friedrich Wilhelm I. gemeint, unter dem Jüngling aber [[vip:alterfritz|Friedrich der Große]] zu verstehen.))\\
 Allein wer kann den Staat, der so verwirrt, verbessern?\\ Allein wer kann den Staat, der so verwirrt, verbessern?\\
 Die Fahne greifft er an, doch nur zu seinem Schaden,\\ Die Fahne greifft er an, doch nur zu seinem Schaden,\\
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 Auch stellt der Wolf nicht mehr dem edlen Schaaf-Stall nach.\\ Auch stellt der Wolf nicht mehr dem edlen Schaaf-Stall nach.\\
  
-Eine ähnliche alte Prophezeiung über die deutsche Kaiserkrone, welche dem Hause der Hohenzollern zu Theil werden solle, will der bekannte Geschichtsschreiber Nicolaus Leutinger (Opera ed. Küster. 1729. Th. II. p. 1239) in einem Kloster gefunden und aufgezeichnet haben. Dieselbe lautet so:+Eine ähnliche alte Prophezeiung über die deutsche Kaiserkrone, welche dem Hause der [[familie:Hohenzollern]] zu Theil werden solle, will der bekannte Geschichtsschreiber Nicolaus Leutinger (Opera ed. Küster. 1729. Th. II. p. 1239) in einem Kloster gefunden und aufgezeichnet haben. Dieselbe lautet so:
  
 Das weiße Pferd leidt großen Dranck\\ Das weiße Pferd leidt großen Dranck\\
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 Und sich viel über ander erheben.\\ Und sich viel über ander erheben.\\
  
-//Quelle: [[autor:graesse|Johann Georg Theodor Grässe]]: [[buch:sagenbuchpreussen|Sagenbuch des Preußischen Staates 1–2]], Band 1, Glogau 1868/71, S. 1-5; [[http://www.zeno.org/nid/20004936140|www.zeno.org]]//+//Quelle: [[autor:graesse|Johann Georg Theodor Grässe]]: [[buch:sagenbuchpreussen|Sagenbuch des Preußischen Staates 1–2]], Band 1, Glogau 1868/71, S. 1-5//
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