sagen:sagenbuchlausitzii-278
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| Gräfe, S. 521. | Gräfe, S. 521. | ||
| - | Die alte Stadt [[geo: | + | Die alte Stadt [[geo: |
| - | Der [[typ:Abt]] ließ nun das dem Kloster eingeräumte | + | Der Abt ließ nun das dem Kloster eingeräumte Brauhaus auch äußerlich als dem Orden angehörig bezeichnen und setzte als Inspector desselben einen dicken Mönch, Namens Laurentius, ein, der zwar in allen Dingen einfältig bis zur Dummheit war, allein einen so feinen Geschmack besaß, daß Niemand zu diesem Amte geschickter war als er. Derselbe besuchte nun die Malzböden der Klosterbrauerei jeden Tag dreimal und jedes Mal schöpfte er mit einem mäßig großen Becher von schön polirtem Rosenholz, dessen Entstehung Niemand kannte, eine Hand voll Malzkörner von jedem Haufen, die er langsam über die Gänge wandelnd bedächtig verzehrte. Schmeckte ihm das Malz nicht, so mußte es noch länger liegen oder mit solchem, das er vortrefflich fand, so lange gemischt werden, bis es ihm mundete, und erst wenn alles Malz seinem Geschmacke genügte, durfte es in die Pfanne geschüttet und zum Brauen verwendet werden. |
| - | Wie mit dem Malze verfuhr er auch mit dem gebrauten Biere selbst, erst wenn es ihm zusagte, gestattete er die Auffüllung desselben. So geschah es, daß das Klosterbier bald das beste in der Stadt ward und Jedermann dasselbe haben wollte, die Stadtbrauereien aber bald keine Abnehmer mehr fanden. Zwar suchten die Besitzer desselben durch besseres Malz und stärkern Hopfen ihr [[typ:Bier]] wieder in Aufnahme zu bringen, allein es gelang ihnen nicht, und so meinten sie denn, die Mönche müßten durch geheime Künste ihrem Biere den guten Geschmack zu geben verstehen. | + | Wie mit dem Malze verfuhr er auch mit dem gebrauten Biere selbst, erst wenn es ihm zusagte, gestattete er die Auffüllung desselben. So geschah es, daß das Klosterbier bald das beste in der Stadt ward und Jedermann dasselbe haben wollte, die Stadtbrauereien aber bald keine Abnehmer mehr fanden. Zwar suchten die Besitzer desselben durch besseres Malz und stärkern Hopfen ihr Bier wieder in Aufnahme zu bringen, allein es gelang ihnen nicht, und so meinten sie denn, die Mönche müßten durch geheime Künste ihrem Biere den guten Geschmack zu geben verstehen. |
| - | Nun hatte aber die Tochter des Klosterbrauers einmal ihrem Geliebten, einem Brauerssohn aus der Stadt, vertraut, daß der Pater Laurentius oft in stiller Mitternacht die Malzböden durchwandele und dann zum Kühlstock hinabsteige, | + | Nun hatte aber die Tochter des Klosterbrauers einmal ihrem Geliebten, einem Brauerssohn aus der Stadt, vertraut, daß der Pater Laurentius oft in stiller Mitternacht die Malzböden durchwandele und dann zum Kühlstock hinabsteige, |
| - | Von dieser Gewaltthat ward der [[typ:Abt]] durch ein eigenhändiges Schreiben des Bürgermeisters in Kenntniß gesetzt und von demselben verlangt, er möge dem Bruder Laurentius den Befehl ertheilen, seinen so wirksamen Zaubersegen auch dem Kühlbier der übrigen Brauer zu ertheilen. Demselben blieb nichts Anderes übrig, als zu dem bösen Spiel gute Miene zu machen und der arme Laurentius wurde nun von [[typ:Brauhaus]] zu Brauhaus geschleppt, bis er aller Orten einem oder demandern Malzstock seine Zustimmung gegeben und nach und nach alle Kühlstöcke in der Stadt gesegnet hatte. | + | Von dieser Gewaltthat ward der Abt durch ein eigenhändiges Schreiben des Bürgermeisters in Kenntniß gesetzt und von demselben verlangt, er möge dem Bruder Laurentius den Befehl ertheilen, seinen so wirksamen Zaubersegen auch dem Kühlbier der übrigen Brauer zu ertheilen. Demselben blieb nichts Anderes übrig, als zu dem bösen Spiel gute Miene zu machen und der arme Laurentius wurde nun von Brauhaus zu Brauhaus geschleppt, bis er aller Orten einem oder demandern Malzstock seine Zustimmung gegeben und nach und nach alle Kühlstöcke in der Stadt gesegnet hatte. |
| - | Allein ein unglücklicher Zufall wollte es, daß, als nun die Gebräude aufgeschlagen wurden und hunderte von durstigen Kehlen nach diesem gesegneten Biere verlangten, es sich fand, daß das ganze Bier essigsauer war. Ueber diese ganz entgegengesetzte Wirkung geriethen nun die Stadtbrauherrn sehr in Schrecken und hielten sie für eine gerechte Strafe wegen ihres Frevels an der Heiligkeit des Klosters, ein Theil eilte dorthin, um für seine Sünden Vergebung zu erlangen, ein anderer aber sann auf [[typ:Rache]]. Zu Letztern gehörte auch jener Brauerssohn, | + | Allein ein unglücklicher Zufall wollte es, daß, als nun die Gebräude aufgeschlagen wurden und hunderte von durstigen Kehlen nach diesem gesegneten Biere verlangten, es sich fand, daß das ganze Bier essigsauer war. Ueber diese ganz entgegengesetzte Wirkung geriethen nun die Stadtbrauherrn sehr in Schrecken und hielten sie für eine gerechte Strafe wegen ihres Frevels an der Heiligkeit des Klosters, ein Theil eilte dorthin, um für seine Sünden Vergebung zu erlangen, ein anderer aber sann auf Rache. Zu Letztern gehörte auch jener Brauerssohn, |
| - | Wie gedacht, so geschehen, der [[typ:Brauer]] versteckte sich mit seinem Mädchen in der Nähe des Kühlstocks im Klosterbrauhause, | + | Wie gedacht, so geschehen, der Brauer versteckte sich mit seinem Mädchen in der Nähe des Kühlstocks im Klosterbrauhause, |
| - | Als am nächsten Morgen die Brauknechte kamen, um das Gebräu zu probiren, wunderten sie sich nicht wenig, daß der Rosenholzbecher des Mönchs obenauf schwamm, allein sie dachten sich nichts dabei, sondern kosteten das [[typ:Bier]], und dasselbe schmeckte ihnen herrlicher denn je. Bald verbreitete sich der Ruf von diesem prächtigen Gebräu in der ganzen Stadt, Jedermann wollte davon haben und man konnte nicht genug ausschenken. Allein wie ward ihnen, als sie plötzlich in der Oeffnung die drei Leichname schwimmend erblickten. Freilich schüttete nun Jeder weg, was er noch im Kruge hatte, und Alles eilte bestürzt von dannen, allein fast alle, die von diesem Jungfernbiere getrunken, verfielen in eine schwere Krankheit, und das nannte man des Malzmönchs Biersegen, und wer daran starb, von dem sagte man, er sei an des Malzmönchs Nachttrunk gestorben. | + | Als am nächsten Morgen die Brauknechte kamen, um das Gebräu zu probiren, wunderten sie sich nicht wenig, daß der Rosenholzbecher des Mönchs obenauf schwamm, allein sie dachten sich nichts dabei, sondern kosteten das Bier, und dasselbe schmeckte ihnen herrlicher denn je. Bald verbreitete sich der Ruf von diesem prächtigen Gebräu in der ganzen Stadt, Jedermann wollte davon haben und man konnte nicht genug ausschenken. Allein wie ward ihnen, als sie plötzlich in der Oeffnung die drei Leichname schwimmend erblickten. Freilich schüttete nun Jeder weg, was er noch im Kruge hatte, und Alles eilte bestürzt von dannen, allein fast alle, die von diesem Jungfernbiere getrunken, verfielen in eine schwere Krankheit, und das nannte man des Malzmönchs Biersegen, und wer daran starb, von dem sagte man, er sei an des Malzmönchs Nachttrunk gestorben. |
| - | Von diesem Tage an aber holte kein Mensch mehr [[typ:Bier]] aus dem Klosterbrauhause, | + | Von diesem Tage an aber holte kein Mensch mehr Bier aus dem Klosterbrauhause, |
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