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sagen:sagenbuchlausitzii-264

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 +
 +====== Unwürde, Wuher ======
 +
 +    Wendische Lieder I. 40.
 +
 +Die Herren von Unwürde waren ein altes adeliges Geschlecht, aber in der Vorzeit übel berüchtigt. Davon singen noch heutigen Tages die [[volk:sorben|Wenden]] in der [[region:Oberlausitz]] ein beliebtes Lied.
 +
 +In dem Land' Unwürde\\
 +Ist gar große [[lex:Fehde]],\\
 +Konnte dort nicht bleiben\\
 +Reine reine Fräule,\\
 +Reine reine Fräule,\\
 +Reines Bauern Tochter\\
 +Konnte dort nicht wohnen,\\
 +Keine blühende Jungfrau,\\
 +Als die einzige eine,\\
 +Als des Schänken Tochter,\\
 +Dort in [[geo:Niedergurig]],\\
 +Namens Katharinchen.\\
 +
 +Als dies hat erfahren\\
 +Der Herr von Unwürde,\\
 +ließ er gleich sich fahren\\
 +Auf den Markt zu [[geo:Görlitz]];\\
 +Hat sich lassen kaufen\\
 +Eine Rolle Leinwand,\\
 +hundert [[lex:elle|Ellen]] Sammet\\
 +Und auch weiße Seide;\\
 +Hat sich lassen nähen\\
 +Eine Frauenkleidung,\\
 +Hat sich lassen Kleiden\\
 +In die Frauenkleidung;\\
 +Hat sich lassen fahren\\
 +Als ein ehrbar Fräulein\\
 +Hin nach Niedergurig,\\
 +Auf den Hof des Schänken.\\
 +
 +"Grüß dich Gott, mein Schänke!\\
 +Wolltest du berbergen\\
 +Nur ein einziges Nächtchen\\
 +Mich und meine Pferde?"\\
 +
 +"Will dich wohl herbergen,\\
 +Doch ich hab' kein Bette,\\
 +Hab' für dich kein Bette,\\
 +Stall nicht für die Pferde."\\
 +
 +"Laß doch, laß das Bette!\\
 +Laß doch, laß die Pferde!\\
 +Mögen steh'n die Pferde\\
 +Mitten auf dem Hofe.\\
 +Aber ich will liegen\\
 +In der dunkeln Kammer,\\
 +In der dunkeln Rammer,\\
 +Auf dem harten Bänkchen.\\
 +Nur verbirg mich sicher,\\
 +Dem Herrn von [[geo:Unwürde]],\\
 +Dem Herrn von Unwürde,\\
 +Diesem bösen [[wesen:Teufel]]."\\
 +
 +"Sollt' ich dich herbergen\\
 +Heute Nacht im Hause,\\
 +Sollt ich dich verbergen,\\
 +Müßt ich dich verschließen.\\
 +Hinter die neun Schlöfser,\\
 +or win das zehnte Stübchen,\\
 +Dort zu Katharinchen,\\
 +Meiner schönen Tochter."\\
 +
 +Als dort war gekommen\\
 +Mitternachts um zwölfe,\\
 +Mitternachts um zwölfe,\\
 +Fing sie an zu schreien:\\
 +
 +"Sei es Gott geklaget\\
 +Ueber meinen Vater,\\
 +Ueber meinen Vater\\
 +Und den von Unwürde.\\
 +Und den von Unwürde,\\
 +Diesen bösen Teufel,\\
 +Der mir stahl die Unschuld\\
 +Und mein grünes Kränzchen."\\
 +
 +"Warum weinst du, Mädchen?\\
 +hast ja hier drei Schlösser,\\
 +Schlösser wohlgemauert,\\
 +Und gar große Güter."\\
 +
 +"Laß doch, laß die Schlösser,\\
 +Schlösser wohlgemauert,\\
 +Laß doch, laß die Güter,\\
 +Deine großen Güter.\\
 +Kauf um Gold mir Schlösser,\\
 +Kauf um Silber Güter,\\
 +Aber Unschuld kauf ich\\
 +Nicht um Gold und Silber.\\
 +Kam ich sonst fahren,\\
 +Riefen alle Leute:\\
 +Seht, hier kommt die Jungfrau,\\
 +Des Schänkwirthes Tochter.\\
 +Komm ich jetzt gefahren,\\
 +Werden alle rufen:\\
 +Seht! hier kommt die Buhle\\
 +Des Herrn von Unwürde."\\
 +
 +//Quelle: [[autor:karlhaupt|Karl Haupt]], [[buch:sagenbuch_der_lausitz|Sagenbuch der Lausitz]], Leipzig, Verlag von Wilhelm Engelmann,1862//
 +----
 +{{tag>sagen karlhaupt sagenbuchderlausitz2 oberlausitz unwürde ortssagen lied ballade jungfrau niedergurig leinwand elle v2}}
sagen/sagenbuchlausitzii-264.1681755147.txt.gz · Zuletzt geändert: (Externe Bearbeitung)