sagen:sagenbuchlausitzii-129
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| - | König Wenzel reiste ab, aber der junge Herzog blieb am Hofe zu Schweidnitz, | + | König Wenzel reiste ab, aber der junge Herzog blieb am Hofe zu Schweidnitz, |
| - | Desselben Tages aber waren drei vornehme Bürger aus [[geo: | + | Desselben Tages aber waren drei vornehme Bürger aus [[geo: |
| - | So verrieth sich bald das fürstliche Geblüt. Es vergingen neun Jahre. Herzog Boleslaus hatte unterdeß zu Brandeis mit seiner Gemahlin feierlich und öffentlich Beilager gehalten und diese ihm einen zweiten Sohn geboren, der in der Taufe den Namen Primislaus erhielt. Aber ihres ersten Kindes hatten sie nicht vergessen und dachten seiner oft mit heimlichem Schmerz und bitterer Reue. Endlich machen sie sich auf, reisen nach [[geo:Görlitz]] und werden dort bei Balthasar Oelsner, der in jenem Jahre gerade | + | So verrieth sich bald das fürstliche Geblüt. Es vergingen neun Jahre. Herzog Boleslaus hatte unterdeß zu Brandeis mit seiner Gemahlin feierlich und öffentlich Beilager gehalten und diese ihm einen zweiten Sohn geboren, der in der Taufe den Namen Primislaus erhielt. Aber ihres ersten Kindes hatten sie nicht vergessen und dachten seiner oft mit heimlichem Schmerz und bitterer Reue. Endlich machen sie sich auf, reisen nach Görlitz und werden dort bei Balthasar Oelsner, der in jenem Jahre gerade Bürgermeister gewesen, ehrenvoll empfangen und bewirthet. Als sie aber das Kind sahen und seine Geschichte hörten, fingen sie beide an laut zu weinen vor Freude und Rührung. Da war großer Jubel im Oelsner' |
| - | Papst Clemens IV. hat mit Ernst befohlen, dieses gefundene fürstliche Kind als fürstlich und ehelich zu halten, weil dessen Aeltern vor Gott allbereits ehelich gewesen. König Ottokar aber hat zur ewigen Erinnerung an diese Begebenheit die Stadt [[geo:Görlitz]] und insonderheit die dasige Tuchmacherinnung mit außerordentlichen und wichtigen Privilegien begabt, so daß sie [[typ:Bier]] brauen durften ohne jegliches Gefälle, | + | Papst Clemens IV. hat mit Ernst befohlen, dieses gefundene fürstliche Kind als fürstlich und ehelich zu halten, weil dessen Aeltern vor Gott allbereits ehelich gewesen. König Ottokar aber hat zur ewigen Erinnerung an diese Begebenheit die Stadt Görlitz und insonderheit die dasige Tuchmacherinnung mit außerordentlichen und wichtigen Privilegien begabt, so daß sie Bier brauen durften ohne jegliches Gefälle, Mehl mahlen ohne allen Zins und Handel treiben ohne Mauth, und jedem Görlitzer Tuchmacher erlaubt war, allezeit so viel Holz aus der Haide zu holen, als er bedürfen würde, wie in vielen alten Büchern ausführlich zu lesen ist. Daher stammt denn auch der große Reichthum der Görlitzer Tuchmacherzunft. |
| Das ist die Geschichte vom Koberprinzen und seiner Erziehung durch einen Görlitzer Tuchmacher, wie sie auch anno 1714, den 24. und 26. Januar, unter Leitung des berühmten Rektors Großer im Görlitzer Gymnasium von den Scholaren als Schauspiel aufgeführt worden ist. | Das ist die Geschichte vom Koberprinzen und seiner Erziehung durch einen Görlitzer Tuchmacher, wie sie auch anno 1714, den 24. und 26. Januar, unter Leitung des berühmten Rektors Großer im Görlitzer Gymnasium von den Scholaren als Schauspiel aufgeführt worden ist. | ||
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