sagen:sagenbuchlausitzii-127
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| Novelle von Sintenis, die verhängnißvolle Frühpredigt. Auch für die Görlitzer Bühne bearbeitet. | Novelle von Sintenis, die verhängnißvolle Frühpredigt. Auch für die Görlitzer Bühne bearbeitet. | ||
| - | Ein [[typ:Schlosser]] in [[geo: | + | Ein Schlosser in [[geo: |
| Und die beiden Freunde packten ihre Sachen und ihr Handwerkszeug zusammen, nahmen ihr Ränzel auf die Schultern und heisa! fort gings, immer dem schönen [[region: | Und die beiden Freunde packten ihre Sachen und ihr Handwerkszeug zusammen, nahmen ihr Ränzel auf die Schultern und heisa! fort gings, immer dem schönen [[region: | ||
| - | Die Zeit wurde Beiden nicht lang. Fritz arbeitete fleißig bei verschiedenen Meistern, verdiente sich ein hübsches | + | Die Zeit wurde Beiden nicht lang. Fritz arbeitete fleißig bei verschiedenen Meistern, verdiente sich ein hübsches Geld und dachte dabei alle Tage an die hübsche Marie in seines Vaters Hause. Auch Robert ließ sie nicht aus seinen Gedanken, aber, weil ihm der Wein in [[land: |
| - | Aber Robert litt bei diesen Erklärungen seines Jugendbruders große Herzensqual und als sie nahe an die Stadt gekommen waren, nicht weit von den Weinbergen die Seiger in [[geo:Görlitz]] schlugen eben zwölf Uhr in der Nacht - da erwachte in ihm der böse Geist der [[typ:Eifersucht]], des Neides und Eigennutzes - er hieb den in der frohen Erwartung des Wiedersehens schwelgenden Gefährten mit seinem | + | Aber Robert litt bei diesen Erklärungen seines Jugendbruders große Herzensqual und als sie nahe an die Stadt gekommen waren, nicht weit von den Weinbergen die Seiger in Görlitz schlugen eben zwölf Uhr in der Nacht - da erwachte in ihm der böse Geist der Eifersucht, des Neides und Eigennutzes - er hieb den in der frohen Erwartung des Wiedersehens schwelgenden Gefährten mit seinem Knotenstocke von hinten über den Kopf, daß er betäubt zur Erde sank, schlug ihn vollends todt und verscharrte den Leichnam sammt dem Felleisen in eine tiefe Grube, die er mit Steinen voll füllte. Hierauf ging er des Morgens zu dem alten Meister, den er seines Sohnes auf eine so schändliche Weise beraubt hatte, und trat bei ihm in Arbeit. Nach mehreren Jahren, da Fritz verschollen blieb, ward er Meister, übernahm des Alten Werkstätte und heirathete dessen Pflegetochter. |
| - | Dreißig Jahre waren vergangen, er hatte Söhne und Töchter gezeugt, war ein begüterter und geachteter Mann geworden und Niemand ahnete in ihm den [[typ:Mörder]]. Seinem düstern, unfreundlichen Wesen und seiner Menschenscheu legte man andere Beweggründe unter, da er sich stets als ein wackerer Bürger benahm und wie es einem frommen Christen geziemt, zwar nie den [[typ: | + | Dreißig Jahre waren vergangen, er hatte Söhne und Töchter gezeugt, war ein begüterter und geachteter Mann geworden und Niemand ahnete in ihm den Mörder. Seinem düstern, unfreundlichen Wesen und seiner Menschenscheu legte man andere Beweggründe unter, da er sich stets als ein wackerer Bürger benahm und wie es einem frommen Christen geziemt, zwar nie den Hauptgottesdienst, |
| - | Aber wie ward ihm, als plötzlich in ihm die Erinnerung erwachte, daß vor dreißig Jahren gerade an diesem Tage und zu derselben Stunde er seinen Freund, den Sohn seines Wohlthäters erschlagen. Wie vom [[typ:Donner]] betäubt, kehrte er um und wankte nach Hause in sein Bette. Als aber nun die sechste Stunde des Morgens kam, erschienen bei ihm die Gerichtsdiener des Rathes, fesselten ihn und führten ihn vor den regierenden | + | Aber wie ward ihm, als plötzlich in ihm die Erinnerung erwachte, daß vor dreißig Jahren gerade an diesem Tage und zu derselben Stunde er seinen Freund, den Sohn seines Wohlthäters erschlagen. Wie vom Donner betäubt, kehrte er um und wankte nach Hause in sein Bette. Als aber nun die sechste Stunde des Morgens kam, erschienen bei ihm die Gerichtsdiener des Rathes, fesselten ihn und führten ihn vor den regierenden Bürgermeister. In derselben Nacht waren alle Gotteskasten in der Peterskirche erbrochen und beraubt worden und man hatte die Spur bis in das Haus des Meisters verfolgt. Nein, sagte dieser, als ihm der Diebstahl Schuld gegeben wurde, — nein! ein Dieb bin ich nicht, aber ein Mörder! |
| - | Nachdem er dem Gerichte Alles gestanden und dieses die Gebeine des Erschlagenen hatte ausgraben lassen und die Thatsache feststand, ward der [[typ:Mörder]] auf dem Markte | + | Nachdem er dem Gerichte Alles gestanden und dieses die Gebeine des Erschlagenen hatte ausgraben lassen und die Thatsache feststand, ward der Mörder auf dem Markte enthauptet. Der Denkstein aber, welchen man dort errichtete, wo die That geschehen war, ist bei dem Bau der Kunststraße nach Leschwitz entfernt worden und nicht mehr aufzufinden. Der Stoff dieser Sage ist zu einer hübschen Novelle verarbeitet. |
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