sagen:sagenbuchlausitzii-122
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| - | In der Fleischergasse zu [[geo: | + | In der Fleischergasse zu [[geo: |
| - | Eines Tages wanderte ein munterer | + | Eines Tages wanderte ein munterer Handwerksbursche frohes Muthes in die alte Sechsstadt [[geo: |
| - | Jetzt, als die [[zeit:Mitternacht]] herankam, erwachte er. Mit [[typ: | + | Jetzt, als die Mitternacht herankam, erwachte er. Mit Schrecken sieht er sich allein in der großen Kirche. Schaubernd erhebt er sich. Alles ist finster und stumm. Nur am Altare brennt das ewige Lämpchen. Er nähert sich dem Lichte und, sich in seinem schwachen Schimmer gleichsam für sicherer haltend, versucht er es von Neuem einzuschlafen. Allein das bange Gefühl, so mutterseelenallein zu sein zwischen den Chorstühlen und Grabmälern läßt ihn zu keinem ordentlichen Schlafe kommen. Plötzlich schreckt er zusammen, denn von fern her nähert sich ein Geräusch wie von schweren schleifenden Tritten. Es kommt ihm immer näher und bebend vor Angst verbirgt sich der Erschrockene in einem der großen gothischen Chorstühle des Altarplatzes. Da klirren Schlüssel und ihm gegenüber thut sich die eiserne Thüre auf, die die Kirche mit dem Kloster verbindet. |
| - | Eine [[typ: | + | Eine Mönchsgestalt erscheint im Glanze einer Blendlaterne, |
| - | In grausiger Todesangst verbrachte der Bursche den Rest der Nacht und dankte Gott, als die Morgenglocke zu seinen Häupten ertönte und der Pförtner die Thüre zur Frühmesse aufschloß. Von Niemand gesehen, schlich er aus der Kirche und fing an beim hellen Tagesscheine sich zu überreden, daß alles nur ein schrecklicher | + | In grausiger Todesangst verbrachte der Bursche den Rest der Nacht und dankte Gott, als die Morgenglocke zu seinen Häupten ertönte und der Pförtner die Thüre zur Frühmesse aufschloß. Von Niemand gesehen, schlich er aus der Kirche und fing an beim hellen Tagesscheine sich zu überreden, daß alles nur ein schrecklicher Traum gewesen sei. Auf der Herberge angegekommen, |
| - | Da ging ihm auf einmal ein Licht auf über die schreckliche Wirklichkeit dessen, was er für einen Traum gehalten hatte. Er ging sogleich zum [[typ:Bürgermeister]] und entdeckte ihm, was er gesehen. Augenblicklich wird das Kloster umstellt, der Altarplatz untersucht, der Leichnam gefunden. Der Handwerksbursche erkannte unter den Mönchen, die ihm vorgeführt wurden und alle ihre Unschuld beschworen hatten, auf der Stelle das Antlitz des Verbrechers. Da gestand derselbe endlich ein, [[typ:Raub]], Gewaltthat und [[typ:Mord]] an der [[typ:Jungfrau]] verübt zu haben und ward [[typ: | + | Da ging ihm auf einmal ein Licht auf über die schreckliche Wirklichkeit dessen, was er für einen Traum gehalten hatte. Er ging sogleich zum Bürgermeister und entdeckte ihm, was er gesehen. Augenblicklich wird das Kloster umstellt, der Altarplatz untersucht, der Leichnam gefunden. Der Handwerksbursche erkannte unter den Mönchen, die ihm vorgeführt wurden und alle ihre Unschuld beschworen hatten, auf der Stelle das Antlitz des Verbrechers. Da gestand derselbe endlich ein, Raub, Gewaltthat und Mord an der Jungfrau verübt zu haben und ward lebendig eingemauert. |
| - | Aber seine [[typ:Seele]] hatte [[typ: | + | Aber seine Seele hatte keine Ruhe. Sowohl im Kloster, als in den dazu gehörigen Gebäuden hörte man oft in der Mitternachtstunde den schleppenden Ton seiner Klötzelpantoffeln. Der Klötzelmönch spukt wieder einmal, hieß es da. |
| - | Noch in der Mitte des vorigen Jahrhunderts erschreckte seine Erscheinung in schwarzer | + | Noch in der Mitte des vorigen Jahrhunderts erschreckte seine [[wesen:spukmönch|Erscheinung]] in schwarzer Kutte mit der Blendlaterne und den Klötzelpantoffeln einen in den finstern Kreuzgängen verirrten Baderlehrling so gewaltig, daß er Tags darauf gestorben ist. Vor etwa fünfzig Jahren, als man das zu den „drei Eichen“ gehörige, mit dem Kloster verbundene Gebäude niederriß, fand man seine eingemauerten Gebeine und begrub sie in geweihter Erde, und seitdem hat das Gespenst Ruhe. Das Bild des Mönches aber und das der sehnsüchtig ausschauenden Mutter ließ ein ehrlicher Bürger von Görlitz zum ewigen Andenken an dieses Ereigniß an dem erwähnten Hause, wo die Mutter gewohnt hatte, anbringen. |
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