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sagen:sagenbuchlausitzii-092

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     Abr. Frenzel, von den Völkern in der Lausitz. Msc.     Abr. Frenzel, von den Völkern in der Lausitz. Msc.
  
-Wie überall in der [[region:Lausitz]], so wurde auch in [[geo:bautzen|Budissin]] alljährlich zu [[zeit:frühling|Frühlingsanfang]], und zwar schon am Abende Petri Stuhlfeier, ein allgemeines Fest gefeiert, bei welchem der [[zeit:Winter]] als eine Strohpuppe, auf's Abenteuerlichste mit Bändern, Lappen, Kränzen und einer Flachsperrücke an geputzt, auf einer Stange durch alle Straßen getragen und schließlich auf dem Protschenberge verbrannt wurde. Am Abende aber wurden etliche [[typ:fass|Fässer]] auf dem [[typ:markt|Markte]] zusammengetragen und ein [[typ:Feuer]] gemacht. Darnach ist der Rector scholae mit allen Schülern die Gassen durchgangen und hat das Responsorium: „Petre, amas me?" gesungen. Der [[typ:richter|Stadtrichter]] mit dem [[typ:Baumeister]] nebst dem Stadtdiener sind mit Lichtern in Händen nachgefolgt. Die Bürger haben Lichter in die [[typ:Fenster]] gesteckt und den Schülern [[typ:Bier]] zu trinken gegeben. Und wenn dann der Zug von der wendischen Gasse durch's Fuchsgässel zu der Reichengasse eingegangen, hat der [[typ:Rektor]] aus dem Responsorium das Wort: „Simon“ das ganze Gässel durch langsam gedehnt und am Ende des Gässels die Worte Johanne diligis me? angehoben. Wenn sie auf dem Markte zum Feuer gekommen, hat der Schulmeister figurirt und gesungen: jam ver oritur (jetzt kommt der Frühling). Viel Volk lief zu und dabei fanden sich von den Schülern welche in Bauerkleidern oder sonst vermummt.+Wie überall in der [[region:Lausitz]], so wurde auch in [[geo:bautzen|Budissin]] alljährlich zu Frühlingsanfang, und zwar schon am Abende Petri Stuhlfeier, ein allgemeines Fest gefeiert, bei welchem der Winter als eine Strohpuppe, auf's Abenteuerlichste mit Bändern, Lappen, Kränzen und einer Flachsperrücke an geputzt, auf einer Stange durch alle Straßen getragen und schließlich auf dem Protschenberge verbrannt wurde. Am Abende aber wurden etliche Fässer auf dem Markte zusammengetragen und ein Feuer gemacht. Darnach ist der Rector scholae mit allen Schülern die Gassen durchgangen und hat das Responsorium: „Petre, amas me?" gesungen. Der Stadtrichter mit dem Baumeister nebst dem Stadtdiener sind mit Lichtern in Händen nachgefolgt. Die Bürger haben Lichter in die Fenster gesteckt und den Schülern Bier zu trinken gegeben. Und wenn dann der Zug von der wendischen Gasse durch's Fuchsgässel zu der Reichengasse eingegangen, hat der Rektor aus dem Responsorium das Wort: „Simon“ das ganze Gässel durch langsam gedehnt und am Ende des Gässels die Worte Johanne diligis me? angehoben. Wenn sie auf dem Markte zum Feuer gekommen, hat der Schulmeister figurirt und gesungen: jam ver oritur (jetzt kommt der Frühling). Viel Volk lief zu und dabei fanden sich von den Schülern welche in Bauerkleidern oder sonst vermummt.
  
-Als Anno 1522, da schon [[vip:martinluther|Luther's]] Lehre gar sehr im Schwange ging und sonderlich in der [[region:Oberlausitz]] viele Freunde hatte, unter dem Regimente des [[typ:bürgermeister|Bürgermeisters]] Balthasar Lausnitz diese Ceremonie gehalten wurde, trugen ihrer zwei von den Verkleideten eine Stange, daran viel [[typ:ablassbrief|Ablaß]]- und Butterbriefe gehangen. Solche boten sie gegen Jedermann feil, und da sie Niemand kaufen noch annehmen wollte, warfen sie die Stange sammt den [[typ:brief|Briefen]] in's Feuer, nahmen ihre Flegel und schlugen tapfer darauf, daß die Funken stoben. Sind darauf zum Lauenthore hinausgegangen und Niemand redete etwas dawider.+Als Anno 1522, da schon [[vip:martinluther|Luther's]] Lehre gar sehr im Schwange ging und sonderlich in der [[region:Oberlausitz]] viele Freunde hatte, unter dem Regimente des Bürgermeisters Balthasar Lausnitz diese Ceremonie gehalten wurde, trugen ihrer zwei von den Verkleideten eine Stange, daran viel Ablaß- und Butterbriefe gehangen. Solche boten sie gegen Jedermann feil, und da sie Niemand kaufen noch annehmen wollte, warfen sie die Stange sammt den [[typ:brief|Briefen]] in's Feuer, nahmen ihre Flegel und schlugen tapfer darauf, daß die Funken stoben. Sind darauf zum Lauenthore hinausgegangen und Niemand redete etwas dawider.
  
-Des folgenden Jahres 1523, bei der Regierung des Bürgermeisters Hieronymi Ruperti, ward abermals der [[zeit:Sommer]] wie sonst empfangen. Da geschah es, daß ihrer zwei sich als [[typ:mönch|Mönche]] verkleidet, einen [[typ:Papst]] von Papier gemacht, auf einer Tragbahre zur Reichengasse herausgeschleppt und auf dem Markte in'[[typ:Feuer]] geworfen haben.+Des folgenden Jahres 1523, bei der Regierung des Bürgermeisters Hieronymi Ruperti, ward abermals der Sommer wie sonst empfangen. Da geschah es, daß ihrer zwei sich als Mönche verkleidet, einen Papst von Papier gemacht, auf einer Tragbahre zur Reichengasse herausgeschleppt und auf dem Markte in's Feuer geworfen haben.
  
 Weil sie sich aber nicht zeitig genug davon gemacht, wurden sie erwischt und in den Lauenthurm gefangen gesetzt, bis der junge Herzog, des Landvoigts Herzog Caroli Sohn, sie losgebeten und befreit. Die beiden Träger hießen Weiß und Taschenberg und waren Baccalaurei an der Schule. Da sich über solchen Vorfall die Päpstler beschwert, hat man Veranlassung genommen die ganze Ceremonie abzuschaffen. Weil sie sich aber nicht zeitig genug davon gemacht, wurden sie erwischt und in den Lauenthurm gefangen gesetzt, bis der junge Herzog, des Landvoigts Herzog Caroli Sohn, sie losgebeten und befreit. Die beiden Träger hießen Weiß und Taschenberg und waren Baccalaurei an der Schule. Da sich über solchen Vorfall die Päpstler beschwert, hat man Veranlassung genommen die ganze Ceremonie abzuschaffen.
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 b ) Merkwürdig ist auch, daß der Rektor gerade den an sich in diesem Falle doch ganz bedeutungslosen Namen Simon beim Durchzuge durch das Fuchsgäßchen in feierlicher Weise ausdehnt, und dies bringt mich auf den Verdacht, daß dieses Wort bloß wegen seiner Klangähnlichkeit mit dem wendischen Worte Zyma, der Winter, dem doch das Fest gilt, gewählt worden sei.// b ) Merkwürdig ist auch, daß der Rektor gerade den an sich in diesem Falle doch ganz bedeutungslosen Namen Simon beim Durchzuge durch das Fuchsgäßchen in feierlicher Weise ausdehnt, und dies bringt mich auf den Verdacht, daß dieses Wort bloß wegen seiner Klangähnlichkeit mit dem wendischen Worte Zyma, der Winter, dem doch das Fest gilt, gewählt worden sei.//
  
-//11. Schließlich und hauptsächlich ist darauf hinzuweisen, daß das Kinderfest zu Welze mit dem Wagen, das der Wallfahrer heißt, unwillführlich an Hertha's Wagen und dessen Zug durch die Lande erinnert. Hertha's Wagen wurde in den heiligen See bei Budissin (Semperlaufen) versenkt, der Wagen in Welze wird verbrannt. Quod idem. Man wird einwenden, daß dies ein echt germanisches Fest der Sueven war. Ich erwiedere, daß ja die Sueven die Urbewohner der Lausitz sind, von denen diese Form des Frühlingsfestes sehr leicht auf die nachfolgenden Slaven übergegangen sein kann, und kann mich dabei auf den auffallenden Umstand beziehen, daß Hertha ein sehr gewöhnlicher Taufname bei unsern lausitzischen Wenden ist.//+//11. Schließlich und hauptsächlich ist darauf hinzuweisen, daß das Kinderfest zu Welze mit dem Wagen, das der Wallfahrer heißt, unwillführlich an [[gott:Hertha]]'s Wagen und dessen Zug durch die Lande erinnert. Hertha's Wagen wurde in den heiligen See bei Budissin (Semperlaufen) versenkt, der Wagen in Welze wird verbrannt. Quod idem. Man wird einwenden, daß dies ein echt germanisches Fest der Sueven war. Ich erwiedere, daß ja die Sueven die Urbewohner der Lausitz sind, von denen diese Form des Frühlingsfestes sehr leicht auf die nachfolgenden Slaven übergegangen sein kann, und kann mich dabei auf den auffallenden Umstand beziehen, daß Hertha ein sehr gewöhnlicher Taufname bei unsern lausitzischen Wenden ist.//
  
 //Quelle: [[autor:karlhaupt|Karl Haupt]], [[buch:sagenbuch_der_lausitz|Sagenbuch der Lausitz]], Leipzig, Verlag von Wilhelm Engelmann,1862// //Quelle: [[autor:karlhaupt|Karl Haupt]], [[buch:sagenbuch_der_lausitz|Sagenbuch der Lausitz]], Leipzig, Verlag von Wilhelm Engelmann,1862//
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-{{tag>sagen karlhaupt sagenbuchderlausitz2 oberlausitz bautzen frühling sommer winter puppe ortssagen hertha sueven sorben papst verbrennen fest brauch reformation 1523 ablass brief feuer papier}}+{{tag>sagen karlhaupt sagenbuchderlausitz2 oberlausitz bautzen frühling sommer winter puppe ortssagen hertha mara sueven sorben papst verbrennen fest brauch reformation 1523 ablassbrief feuer papier v2}}
sagen/sagenbuchlausitzii-092.1681827021.txt.gz · Zuletzt geändert: (Externe Bearbeitung)