Benutzer-Werkzeuge

Webseiten-Werkzeuge


sagen:sagenbuchlausitzi-220

Unterschiede

Hier werden die Unterschiede zwischen zwei Versionen angezeigt.

Link zu dieser Vergleichsansicht

Beide Seiten der vorigen RevisionVorhergehende Überarbeitung
Nächste Überarbeitung
Vorhergehende Überarbeitung
sagen:sagenbuchlausitzi-220 [2023/01/13 11:02] ewuschsagen:sagenbuchlausitzi-220 [2025/01/30 17:56] (aktuell) – Externe Bearbeitung 127.0.0.1
Zeile 1: Zeile 1:
 [[sagen:sagenbuchlausitzI-219|<<< vorherige Sage]] |  [[sagen:sagenbuchlausitzI-219|<<< vorherige Sage]] | 
-[[capitel:hauptzaubersagen|Fünfte Abtheilung: Zaubersagen]] | +**[[capitel:hauptzaubersagen|Fünfte Abtheilung: Zaubersagen]]** 
 [[sagen:sagenbuchlausitzI-221|nächste Sage >>>]] [[sagen:sagenbuchlausitzI-221|nächste Sage >>>]]
  
-====== Martin Pumphut (Haupt) ======+====== Martin Pumphut ======
  
-[[vip:martinpumphut|Martin Pumphut]], der wandernde Müllerbursch, ist so eine Art [[vip:tilleulenspiegel|Tyll Eulenspiegel]], von dem man sich nicht nur in der Lausitz, sondern auch im sächsischen [[region:vogtland|Voigtlande]] wunderbare Geschichten erzählt.+[[wesen:martinpumphut|Martin Pumphut]], der wandernde Müllerbursch, ist so eine Art [[vip:tilleulenspiegel|Tyll Eulenspiegel]], von dem man sich nicht nur in der Lausitz, sondern auch im sächsischen [[region:vogtland|Voigtlande]] wunderbare Geschichten erzählt.
  
 Sein Name rührt her von einem großen spitzen Hut, den er zu tragen pflegte und der ihn überall kenntlich machte. Manche nannten ihn auch Graumännchen, weil er immer einen grauen Kittel trug. Sein Name rührt her von einem großen spitzen Hut, den er zu tragen pflegte und der ihn überall kenntlich machte. Manche nannten ihn auch Graumännchen, weil er immer einen grauen Kittel trug.
Zeile 19: Zeile 19:
 Zu seinen übernatürlichen Künsten gehörte, daß er auf papiernen Kähnen die Flüsse passierte; [[region:elbe|Elbe]],  [[region:saale|Saale]] und [[region:mulde|Mulde]] hat er auf diese Weise überschritten. Zuweilen ritt er auf einer großen Heuschrecke durch die Luft. In [[geo:bautzen|Budissin]] zerschnitt er einen Mühlstein, was man noch heute daselbst in der großen Mühle abgebildet sehen kann. Zu seinen übernatürlichen Künsten gehörte, daß er auf papiernen Kähnen die Flüsse passierte; [[region:elbe|Elbe]],  [[region:saale|Saale]] und [[region:mulde|Mulde]] hat er auf diese Weise überschritten. Zuweilen ritt er auf einer großen Heuschrecke durch die Luft. In [[geo:bautzen|Budissin]] zerschnitt er einen Mühlstein, was man noch heute daselbst in der großen Mühle abgebildet sehen kann.
  
-Bei [[geo:dresden|Dresden]] setzte er einmal bei großer Windstille alle Windmühlen in Bewegung, indem er durch ein Nasenloch blies, während er das andere zuhielt.+Bei [[geo:Dresden]] setzte er einmal bei großer Windstille alle Windmühlen in Bewegung, indem er durch ein Nasenloch blies, während er das andere zuhielt.
  
-Als er durch [[geo:volkersdorf|Volkersdorf]] wanderte, zimmerte man eben eine Mühlwelle. Er bemerkte im Vorübergehen, daß sie ja viel zu kurz sei, aber man lachte ihn aus. Bald aber überzeugte man sich von der Wahrheit seiner Bemerkung, und als er wieder vorüberkam, bat ihn der Müller um Rath und Hülfe. Da dehnte mein Pumphut einfach die Mühlwelle aus, wie Brezelteig und setzte so die fehlende Elle zu.+Als er durch [[geo:Volkersdorf]] wanderte, zimmerte man eben eine Mühlwelle. Er bemerkte im Vorübergehen, daß sie ja viel zu kurz sei, aber man lachte ihn aus. Bald aber überzeugte man sich von der Wahrheit seiner Bemerkung, und als er wieder vorüberkam, bat ihn der Müller um Rath und Hülfe. Da dehnte mein Pumphut einfach die Mühlwelle aus, wie Brezelteig und setzte so die fehlende Elle zu.
  
 Zu Heiligenbeil schleuderte er seine Axt an den Kirchturm, wo sie noch heute zu sehen ist. Zu Heiligenbeil schleuderte er seine Axt an den Kirchturm, wo sie noch heute zu sehen ist.
  
-In [[geo:leipzig|Leipzig]] ließ er im Gasthofe zum goldenen Siebe am hellen Tage zur Meßzeit eine Menge Hasen aus dem Kacheltopfe heraus- und wieder hineinspazieren.+In [[geo:Leipzig]] ließ er im Gasthofe zum goldenen Siebe am hellen Tage zur Meßzeit eine Menge Hasen aus dem Kacheltopfe heraus- und wieder hineinspazieren.
  
 Den Müllern, die ihm das übliche Geschenk verkürzten oder verweigerten, leitete er das Wasser ab. So machte er es z. B. mit einigen Saalmüllern. Wer ihn freundlich aufgenommen hatte, dem fehlte es nie an Wasser auf der Mühle. Den Müllern, die ihm das übliche Geschenk verkürzten oder verweigerten, leitete er das Wasser ab. So machte er es z. B. mit einigen Saalmüllern. Wer ihn freundlich aufgenommen hatte, dem fehlte es nie an Wasser auf der Mühle.
  
-Zu [[geo:wallengruen|Wallengrün]] im [[region:vogtland|Voigtlande]] zauberte er alle Fliegen, die im Zimmer waren, in seinen Hut, um ungestört essen zu können.+Zu [[geo:Wallengrün]] im [[region:vogtland|Voigtlande]] zauberte er alle Fliegen, die im Zimmer waren, in seinen Hut, um ungestört essen zu können.
  
-Einst wandert er ermüdet auf der Landstraße einher. Da kommt ein Roßtäuscher mit Pferden geritten. Laß mich ein Stück mitreiten, Kamerad, bittet ihn Pumphut. Aber der große Kerl hört gar nicht auf die Bitte des Ermüdeten. Dafür fand er am nächsten Morgen im Stalle statt seiner Pferde - Strohwische.+Einst wandert er ermüdet auf der Landstraße einher. Da kommt ein [[lex:Roßtäuscher]] mit Pferden geritten. Laß mich ein Stück mitreiten, Kamerad, bittet ihn Pumphut. Aber der große Kerl hört gar nicht auf die Bitte des Ermüdeten. Dafür fand er am nächsten Morgen im Stalle statt seiner Pferde - Strohwische.
  
 Lange Zeit hielt er sich beim General [[vip:johann_paul_sybilski_von_wolfsberg|Sybilski]] auf. Dieser warf einst schwarze Haferkörner in den Kacheltopf, welche sich auf der Stelle in ein Fußvolk verwandelten, herauskletterten, sich auf dem Schloßhofe versammelten, manövrierten, sich wieder in ihre kupferne Kaserne begaben und als schwarze Haferkörner darin lagen. Pumphut langte aus einer am Fenster stehenden Mulde einige Erbsenkörner heraus und warf sie ebenfalls in den Kacheltopf, welchem sofort eine ganze Schwadron vollständig equipierte Reiter entstiegen. Allein da er Sybilski's Worte nicht wußte, vermochte er sie nicht wieder in den Kacheltopf zu bringen, vielmehr setzten sich ihre Klingen auf seinem Buckel in unangenehme Bewegung, bis ihm der General zu Hülfe kam, der sie sofort Kehrt machen ließ, dahin wo sie hergekommen waren. Lange Zeit hielt er sich beim General [[vip:johann_paul_sybilski_von_wolfsberg|Sybilski]] auf. Dieser warf einst schwarze Haferkörner in den Kacheltopf, welche sich auf der Stelle in ein Fußvolk verwandelten, herauskletterten, sich auf dem Schloßhofe versammelten, manövrierten, sich wieder in ihre kupferne Kaserne begaben und als schwarze Haferkörner darin lagen. Pumphut langte aus einer am Fenster stehenden Mulde einige Erbsenkörner heraus und warf sie ebenfalls in den Kacheltopf, welchem sofort eine ganze Schwadron vollständig equipierte Reiter entstiegen. Allein da er Sybilski's Worte nicht wußte, vermochte er sie nicht wieder in den Kacheltopf zu bringen, vielmehr setzten sich ihre Klingen auf seinem Buckel in unangenehme Bewegung, bis ihm der General zu Hülfe kam, der sie sofort Kehrt machen ließ, dahin wo sie hergekommen waren.
  
-Uebrignes soll Martin Pumphut auch früher schon zu [[geo:hildesheim|Hildesheim]] sich als der Geist Hütchen gezeigt, auch dem Herzog von Friedland, [[vip:albrecht_von_wallenstein|Albrecht von Wallenstein]], als graues Männchen wesentliche Dienste geleistet haben und endlich mit einem reizenden Frauenzimmer unter Hinterlassung jenes berüchtigten Hutes aus einem Gasthofe zu [[geo:paderborn|Paderborn]] zu Ende des siebenjährigen Krieges verschwunden sein.+Uebrignes soll Martin Pumphut auch früher schon zu [[geo:Hildesheim]] sich als der Geist Hütchen gezeigt, auch dem Herzog von Friedland, [[vip:albrechtvonwallenstein|Albrecht von Wallenstein]], als graues Männchen wesentliche Dienste geleistet haben und endlich mit einem reizenden Frauenzimmer unter Hinterlassung jenes berüchtigten Hutes aus einem Gasthofe zu [[geo:Paderborn]] zu Ende des [[zeit:7jährigerkrieg|siebenjährigen Krieges]] verschwunden sein.
  
 //Anmerkungen:// //Anmerkungen://
Zeile 46: Zeile 46:
 //Quelle: [[autor:karlhaupt|Karl Haupt]], [[buch:sagenbuch_der_lausitz|Sagenbuch der Lausitz]], Erster Theil: Das Geisterreich. Verlag von Wilhelm Engelmann, Leipzig, 1862, Nr. 220, S. 185-187.// //Quelle: [[autor:karlhaupt|Karl Haupt]], [[buch:sagenbuch_der_lausitz|Sagenbuch der Lausitz]], Erster Theil: Das Geisterreich. Verlag von Wilhelm Engelmann, Leipzig, 1862, Nr. 220, S. 185-187.//
 ---- ----
-{{tag>sagen karlhaupt sagenbuchderlausitz1 oberlausitz zaubersagen zigeuner sybilski martinpumphut hildesheim wallenstein schlange hoyerswerda elbe saale mulde wallengrün vogtland paderborn volkersdorf}} +{{tag>sagen karlhaupt sagenbuchderlausitz1 oberlausitz zaubersagen zigeuner sybilski martinpumphut bautzen paderborn warschau hildesheim albrechtvonwallenstein schlange dresden hoyerswerda heiligenbeil elbe saale mulde wallengrün vogtland paderborn volkersdorf spohla zauberer streich 7jährigerkrieg mühle müller hase wirtshaus rosstäuscher v2}}
sagen/sagenbuchlausitzi-220.1673604158.txt.gz · Zuletzt geändert: (Externe Bearbeitung)