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sagen:sagenbuchlausitzi-212

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-Es war einmal ein Graf und eine Gräfin, die waren unermeßlich reich und hatten nur ein einziges Töchterlein, das sie unbeschreiblich lieb hatten, und die Tochter liebte wieder ihre Eltern, so daß sie sagte, sie wolle nie heirathen und bei ihren Eltern bleiben, bis sie stürben. Dann aber wollte sie nach [[geo:Rom]] gehen und sich [[typ:taufe|taufen]] lassen, denn es war noch zu den Zeiten des Heidenthums. Die [[typ:Jungfrau]] war aber so wunderschön, daß sie sich vor ihren Freiern gar keinen Rath wußte. Es kam immer einer nach dem andern, obgleich sie alle den Entschluß der Jungfrau kannten; aber sie mußten alle traurig abziehen und das Land war voll Trauer, daß die Schönste im Lande nicht [[typ:hochzeit|heirathen]] wollte. Der schönste von den Freiern war aber ein böser [[typ:Zauberer]]. Der hatte ein großes Schloß über den Bergen im Böhmerwalde. Aber er konnte ihr nichts anhaben, denn sie trug ein silbernes [[typ:Kreuz]] auf der Brust. Das hatte ihr einmal ein alter [[typ:Einsiedler]] geschenkt.+Es war einmal ein Graf und eine Gräfin, die waren unermeßlich reich und hatten nur ein einziges Töchterlein, das sie unbeschreiblich lieb hatten, und die Tochter liebte wieder ihre Eltern, so daß sie sagte, sie wolle nie heirathen und bei ihren Eltern bleiben, bis sie stürben. Dann aber wollte sie nach [[geo:Rom]] gehen und sich taufen lassen, denn es war noch zu den Zeiten des Heidenthums. Die Jungfrau war aber so wunderschön, daß sie sich vor ihren Freiern gar keinen Rath wußte. Es kam immer einer nach dem andern, obgleich sie alle den Entschluß der Jungfrau kannten; aber sie mußten alle traurig abziehen und das Land war voll Trauer, daß die Schönste im Lande nicht heirathen wollte. Der schönste von den Freiern war aber ein böser [[wesen:Zauberer]]. Der hatte ein großes Schloß über den Bergen im Böhmerwalde. Aber er konnte ihr nichts anhaben, denn sie trug ein silbernes Kreuz auf der Brust. Das hatte ihr einmal ein alter Einsiedler geschenkt.
  
-Eines Tages aber kam eine alte [[typ:bettler|Bettlerin]] vor das Schloß. Die stand vor der Thüre und bettelte. Das Fräulein eilte hinab, um ihr ein [[typ:Almosen]] zu geben, und die Eltern sahen zum Fenster hinaus. Sie hatte aber ihr silbernes Kreuz in der Kammer liegen lassen. Da kam plötzlich ein goldener [[typ:Wagen]] durch die Luft gefahren. Den zogen zwei fliegende Rosse und darinnen saß ein wunderschöner Knabe mit lichten Locken. Die Jungfrau wollte entfliehen, aber die Thüre war ins Schloß gefallen. Da ergriff sie der Knabe, hob sie auf den Wagen und führte sie weit hinweg über die Berge in das Schloß des Zauberers. Die Eltern jammerten und klagten Tag und Nacht, aber die Jungfrau kam nicht wieder.+Eines Tages aber kam eine alte Bettlerin vor das Schloß. Die stand vor der Thüre und bettelte. Das Fräulein eilte hinab, um ihr ein Almosen zu geben, und die Eltern sahen zum Fenster hinaus. Sie hatte aber ihr silbernes Kreuz in der Kammer liegen lassen. Da kam plötzlich ein goldener Wagen durch die Luft gefahren. Den zogen zwei fliegende Rosse und darinnen saß ein wunderschöner Knabe mit lichten Locken. Die Jungfrau wollte entfliehen, aber die Thüre war ins Schloß gefallen. Da ergriff sie der Knabe, hob sie auf den Wagen und führte sie weit hinweg über die Berge in das Schloß des Zauberers. Die Eltern jammerten und klagten Tag und Nacht, aber die Jungfrau kam nicht wieder.
  
-Nach vielen Jahren aber kam der [[typ:Einsiedler]] zu den einsamen Eltern und sie flehten ihn an, ihnen ihr Töchterlein wieder zu verschaffen. Er war aber ein heiliger Mann und konnte [[typ:Wunder]] thun. Er führte die Eltern auf einen nahe gelegenen Berg. Da war eine Thür im Felsen. Durch die kamen sie in eine große [[typ:Höhle]]. Die war herrlich erleuchtet von vielen Tausend Lampen, und in der Mitte stand ein krystallner [[typ:Sarg]]. Da lag das holde Töchterlein in all ihrer Schönheit und frisch und roth, als wenn sie lebte, aber regungslos und stumm. Täglich gingen die Eltern in die Höhle und schmückten den Sarg mit Blumen und pflegten ihrer wie einer Lebenden. Jedesmal aber, wenn sie fortgingen, legten sie einen [[typ:Stein]] unter den Sarg. Als sie starben begrub man sie in das Gewölbe, aber der Sarg war verschwunden; nur die Steine waren noch da.+Nach vielen Jahren aber kam der Einsiedler zu den einsamen Eltern und sie flehten ihn an, ihnen ihr Töchterlein wieder zu verschaffen. Er war aber ein heiliger Mann und konnte Wunder thun. Er führte die Eltern auf einen nahe gelegenen Berg. Da war eine Thür im Felsen. Durch die kamen sie in eine große Höhle. Die war herrlich erleuchtet von vielen Tausend Lampen, und in der Mitte stand ein krystallner Sarg. Da lag das holde Töchterlein in all ihrer Schönheit und frisch und roth, als wenn sie lebte, aber regungslos und stumm. Täglich gingen die Eltern in die Höhle und schmückten den Sarg mit Blumen und pflegten ihrer wie einer Lebenden. Jedesmal aber, wenn sie fortgingen, legten sie einen Stein unter den Sarg. Als sie starben begrub man sie in das Gewölbe, aber der Sarg war verschwunden; nur die Steine waren noch da.
  
-Auf dem Kottmarsberge bei [[geo:Kottmarsdorf]] zeigt man noch heute einen Einbug im Felsen, der einer Thüre nicht unähnlich ist. Dort, sagt man, sei die [[typ:Höhle]] und Viele haben an jener Stelle drei blaue Flämmchen hin und her hüpfen gesehen.+Auf dem Kottmarsberge bei [[geo:Kottmarsdorf]] zeigt man noch heute einen Einbug im Felsen, der einer Thüre nicht unähnlich ist. Dort, sagt man, sei die Höhle und Viele haben an jener Stelle drei blaue Flämmchen hin und her hüpfen gesehen.
  
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 //Quelle: [[autor:karlhaupt|Karl Haupt]], [[buch:sagenbuch_der_lausitz|Sagenbuch der Lausitz]], Leipzig, Verlag von Wilhelm Engelmann,1862// //Quelle: [[autor:karlhaupt|Karl Haupt]], [[buch:sagenbuch_der_lausitz|Sagenbuch der Lausitz]], Leipzig, Verlag von Wilhelm Engelmann,1862//
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sagen/sagenbuchlausitzi-212.1673603902.txt.gz · Zuletzt geändert: (Externe Bearbeitung)