sagen:sagenbuchlausitzi-212
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| + | ====== Der Krystallsarg im Kottmarsberge ====== | ||
| + | Nach Gräve S. 204. | ||
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| + | Es war einmal ein Graf und eine Gräfin, die waren unermeßlich reich und hatten nur ein einziges Töchterlein, | ||
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| + | Eines Tages aber kam eine alte Bettlerin vor das Schloß. Die stand vor der Thüre und bettelte. Das Fräulein eilte hinab, um ihr ein Almosen zu geben, und die Eltern sahen zum Fenster hinaus. Sie hatte aber ihr silbernes Kreuz in der Kammer liegen lassen. Da kam plötzlich ein goldener Wagen durch die Luft gefahren. Den zogen zwei fliegende Rosse und darinnen saß ein wunderschöner Knabe mit lichten Locken. Die Jungfrau wollte entfliehen, aber die Thüre war ins Schloß gefallen. Da ergriff sie der Knabe, hob sie auf den Wagen und führte sie weit hinweg über die Berge in das Schloß des Zauberers. Die Eltern jammerten und klagten Tag und Nacht, aber die Jungfrau kam nicht wieder. | ||
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| + | Nach vielen Jahren aber kam der Einsiedler zu den einsamen Eltern und sie flehten ihn an, ihnen ihr Töchterlein wieder zu verschaffen. Er war aber ein heiliger Mann und konnte Wunder thun. Er führte die Eltern auf einen nahe gelegenen Berg. Da war eine Thür im Felsen. Durch die kamen sie in eine große Höhle. Die war herrlich erleuchtet von vielen Tausend Lampen, und in der Mitte stand ein krystallner Sarg. Da lag das holde Töchterlein in all ihrer Schönheit und frisch und roth, als wenn sie lebte, aber regungslos und stumm. Täglich gingen die Eltern in die Höhle und schmückten den Sarg mit Blumen und pflegten ihrer wie einer Lebenden. Jedesmal aber, wenn sie fortgingen, legten sie einen Stein unter den Sarg. Als sie starben begrub man sie in das Gewölbe, aber der Sarg war verschwunden; | ||
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| + | Auf dem Kottmarsberge bei [[geo: | ||
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| + | //1. Vieles erinnert an Schneewittchen. Ohne die Erwähnung des Kottmarberges wäre es ein Märchen und keine Sage. Augenscheinlich ist der Zauberer verwandt mit dem Zwergenkönige der alten deutschen Heldensage, der als Laurin oder Goldemar die schöne Königstochter in seinen Berg entführt. (W. Grimm, Heldensage 174. J. Grimm, Mythol. S. 262.)// | ||
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| + | //2. Aber diese Sage enthält auch die Spuren eines noch höheren Alterthumes. Wem möchte es entgehen, daß der Raub der Grafentochter (oder Königstochter) große Aehnlichkeit hat mit dem Raube der Persephone? Der Zauberer spielt mit seinem Wagen die Rolle des Pluto, sein böhmisches Schloß ist die Unterwelt. Die Trauer der Aeltern erinnert an Demeter' | ||
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| + | //3. Dieses Mißverständniß erklärt sich aus der bis auf diesen Tag hier und da in der Lausitz üblichen Sitte, an der Stelle, wo Jemand gestorben oder begraben ist, aus Steinen (oder Reisern), zu denen jeder Vorübergehende einen Beitrag giebt, nach und nach einem Hügel zu bilden. Ein solcher Hügel heißt ein „todter Mann,“ die Sitte selbst das „Steine legen, Reiserlegen.“// | ||
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sagen/sagenbuchlausitzi-212.1673596643.txt.gz · Zuletzt geändert: (Externe Bearbeitung)
