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sagen:sagenbuchlausitzi-198

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-====== Das Abentener des Fähndrich's Sinclaire auf dem Beitscher Berge (Haupt) ======+====== Das Abentener des Fähndrich's Sinclaire auf dem Beitscher Berge ======
  
     Gräve, S. 180.     Gräve, S. 180.
  
-Es war im Jahre 1706. Karl XII. von Schweden hielt seinen siegreichen Durchzug durch [[land:Sachsen]] und seine Soldaten überschwemmten das ganze Land. Durch die [[region:Niederlausitz]] marschirte das Regiment Kronemann und eine Abtheilung rückte eines Tages in die Herrschaft [[geo:Pförten]] ein, um einen Rasttag zu halten. Bei dieser Abtheilung befand sich auch ein junger Fähndrich aus einer alten irischen Familie, dessen Väter schon seit Jahr hunderten den schwedischen Fahnen gefolgt waren. Sein Name war Malcolm Sinclaire. Als derselbe nun am Rasttage müßig die Gegend durchstreifte, da kam er auch an den [[geo:beitzsch|Beitzscher]] Berg, der ihm seiner schönen Aussicht wegen wohl gefiel, so daß er bald beschloß, die kommende Nacht, es war herrliches Septemberwetter, auf dem Berge zuzubringen. +Es war im Jahre 1706. [[vip:karlxiischweden|Karl XII. von Schweden]] hielt seinen siegreichen Durchzug durch [[land:Sachsen]] und seine Soldaten überschwemmten das ganze Land. Durch die [[region:Niederlausitz]] marschirte das Regiment Kronemann und eine Abtheilung rückte eines Tages in die Herrschaft [[geo:Pförten]] ein, um einen Rasttag zu halten. Bei dieser Abtheilung befand sich auch ein junger Fähndrich aus einer alten irischen Familie, dessen Väter schon seit Jahr hunderten den schwedischen Fahnen gefolgt waren. Sein Name war Malcolm Sinclaire. Als derselbe nun am Rasttage müßig die Gegend durchstreifte, da kam er auch an den [[geo:beitzsch|Beitzscher]] Berg, der ihm seiner schönen Aussicht wegen wohl gefiel, so daß er bald beschloß, die kommende Nacht, es war herrliches Septemberwetter, auf dem Berge zuzubringen. 
  
  Gesagt, gethan. Er läßt sich einige Lebensmittel, seinen Mantel, Degen und Pistolen bringen und besteigt in der zehnten Stunde den Berg. Der Mond warf sein magisches Licht auf die umliegenden Fluren und der Fähndrich, auf dem Rücken des Berges hin- und herwandelnd, ergötzte sich an dem einfachen Schauspiele und seinem selbstgewählten, einsamen Wachtposten. Es mochten Heimathserinnerungen durch seine jugendliche Seele ziehen. Denn Nordlands Krieger haben einen schwärmerischen Zug und lieben die Poesie des Mondes, und die Soldat gewesen sind, die wissen, wie ein einsam verlebter Rasttag im fremden Lande manchmal lange schlummernde Gefühle plötzlich aufweckt und unauslöschlich im Gedächtniß steht.  Gesagt, gethan. Er läßt sich einige Lebensmittel, seinen Mantel, Degen und Pistolen bringen und besteigt in der zehnten Stunde den Berg. Der Mond warf sein magisches Licht auf die umliegenden Fluren und der Fähndrich, auf dem Rücken des Berges hin- und herwandelnd, ergötzte sich an dem einfachen Schauspiele und seinem selbstgewählten, einsamen Wachtposten. Es mochten Heimathserinnerungen durch seine jugendliche Seele ziehen. Denn Nordlands Krieger haben einen schwärmerischen Zug und lieben die Poesie des Mondes, und die Soldat gewesen sind, die wissen, wie ein einsam verlebter Rasttag im fremden Lande manchmal lange schlummernde Gefühle plötzlich aufweckt und unauslöschlich im Gedächtniß steht.
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 Aber als er den Becher, der von reinem Silber und stark vergoldet war, näher untersucht, da findet er, daß derselbe das Sinclairesche Wappen trägt und liest mit Schrecken auf einem am Fuße des Bechers befindlichen Pergamentzettel die Worte: „Vaeh tibi, cruenta morte misere peribis 1739.“ Wehe Dir, Du wirst im Jahre 1739 elendiglich eines blutigen Todes sterben. Jetzt erkannte Sinclaire, daß der Geist eines Ahnen aus des großen Gustav Heere ihn, seinen Enkel, vor seinem traurigen Tode hatte warnen wollen.  Aber als er den Becher, der von reinem Silber und stark vergoldet war, näher untersucht, da findet er, daß derselbe das Sinclairesche Wappen trägt und liest mit Schrecken auf einem am Fuße des Bechers befindlichen Pergamentzettel die Worte: „Vaeh tibi, cruenta morte misere peribis 1739.“ Wehe Dir, Du wirst im Jahre 1739 elendiglich eines blutigen Todes sterben. Jetzt erkannte Sinclaire, daß der Geist eines Ahnen aus des großen Gustav Heere ihn, seinen Enkel, vor seinem traurigen Tode hatte warnen wollen. 
  
-Der Krieg war längst beendigt, Karl XII. hatte seinen Tod vor Friedrichshall gefunden und der nunmehr zum Major beförderte Malcolm Sinclaire lebte friedlich am Hofe zu Stockholm. Das Jahr 1739 kam heran. Da erhielt eines Tages Sinclaire von der schwedischen Regierung den Auftrag, einen Subsidientraktat mit der Pforte abzuschließen und die Schuldscheine des verstorbenen Königs in Empfang zu nehmen. Auf der Rückreise von Konstantinopel mußte er wiederum die [[region:Niederlausitz]] passiren, wo ihm einst jene unheimliche Prophezeihung geworden war. Da ward er am 17. Juni des Jahres 1739 zwischen [[geo:Naumburgbober|Naumburg]] und [[geo:Christianstadtbober|Christianstadt]] gräßlich ermordet gefunden.+Der Krieg war längst beendigt, Karl XII. hatte seinen Tod vor Friedrichshall gefunden und der nunmehr zum Major beförderte Malcolm Sinclaire lebte friedlich am Hofe zu Stockholm. Das Jahr 1739 kam heran. Da erhielt eines Tages Sinclaire von der schwedischen Regierung den Auftrag, einen Subsidientraktat mit der Pforte abzuschließen und die Schuldscheine des verstorbenen Königs in Empfang zu nehmen. Auf der Rückreise von Konstantinopel mußte er wiederum die Niederlausitz passiren, wo ihm einst jene unheimliche Prophezeihung geworden war. Da ward er am 17. Juni des Jahres 1739 zwischen [[geo:Naumburgbober|Naumburg]] und [[geo:Christianstadtbober|Christianstadt]] gräßlich ermordet gefunden.
  
 //Anmerkungen: Der Herzog Biron von Kurland, die Grafen Münnich und Ostermann waren Anstifter dieses Mordes. Die Vollstrecker desselben: Hauptmann Küttler, Lieutenant Lesawitzky und fünf Unteroffiziere. Man nahm ihm Alles ab, sendete es jedoch in einem Beutel versiegelt nach Stockholm. Siehe Briefe eines schwed. Offiziers, Görlitz bei Anton 1811 II. S. 233. Europ. Annalen 11 Stück v. J. 1806 No. 1.// //Anmerkungen: Der Herzog Biron von Kurland, die Grafen Münnich und Ostermann waren Anstifter dieses Mordes. Die Vollstrecker desselben: Hauptmann Küttler, Lieutenant Lesawitzky und fünf Unteroffiziere. Man nahm ihm Alles ab, sendete es jedoch in einem Beutel versiegelt nach Stockholm. Siehe Briefe eines schwed. Offiziers, Görlitz bei Anton 1811 II. S. 233. Europ. Annalen 11 Stück v. J. 1806 No. 1.//
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 //Quelle: [[autor:karlhaupt|Karl Haupt]], [[buch:sagenbuch_der_lausitz|Sagenbuch der Lausitz]], Leipzig, Verlag von Wilhelm Engelmann,1862// //Quelle: [[autor:karlhaupt|Karl Haupt]], [[buch:sagenbuch_der_lausitz|Sagenbuch der Lausitz]], Leipzig, Verlag von Wilhelm Engelmann,1862//
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