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sagen:sagenbuchlausitzi-168

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 Am ersten [[zeit:weihnachten|Weihnachtsfeiertage]] 1834 ging gegen Morgen ein Bäckerlehrling aus [[geo:Marklissa]] des Weges, um seine Eltern in dem nahe gelegenen Städtchen [[geo:Wigandsthal]] zu besuchen. Am [[region:zangenberg|Zangenberge]] angekommen sieht er plötzlich in einiger Entfernung eine Frau in einem schwarzseidenen, mit Schmelz gestickten Gewande von alterthümlichem Schnitt und mit einer langen Schleppe. Ihr Haupt bedeckte eine schwarze Haube mit einem in kleine Falten gelegten Streifen, von der ein langer Crepschleier herabwallte. Ihr Antlitz war fahl und blaßgelb. Der Knabe betrachtet diese Erscheinung mit neugierigen Blicken, doch als er bemerkt, daß sie ihm winkt, geht er erschrocken und schnell vorwärts. Siehe, da steht auf einmal die Frau, die doch vier hundert Schritt von ihm entfernt war, dicht vor ihm. Wieder winkt sie ihm und ruft ihm zu: Folge mir. Der Knabe sagte hierauf ängstlich: „Sie mögen ein gutes Frauenzimmer sein, doch ich bin auch ein guter Junge“, und nun lief er athemlos ohne sich umzusehen, bis er das nächste Dorf erreichte. Zu Hause angekommen erzählte er seinen Eltern, was er gesehen, und weder Bitten noch Vorstellungen vermochten ihn zu beruhigen und zu bewegen, wieder am Zangenberge vorüber zu gehen. Der Geistliche des Orts und der Richter wurden zu Rathe gezogen, aber er beharrte bei seiner Aussage und empfand solche Furcht, daß er bei Tag und Nacht keinen Augenblick allein bleiben wollte. Der Knabe hatte weder viel gelesen noch gesehen und gehörte keines wegs zu den phantasiereichen Menschen. Noch jetzt scheuen sich Viele in der Dämmerung bei dem Berge vorbei zu gehen. Andere gehen absichtlich hin, um das Abenteuer zu bestehen und den Schatz zu heben. Die Jungfrau hat sich aber nicht wieder sehen lassen.  Am ersten [[zeit:weihnachten|Weihnachtsfeiertage]] 1834 ging gegen Morgen ein Bäckerlehrling aus [[geo:Marklissa]] des Weges, um seine Eltern in dem nahe gelegenen Städtchen [[geo:Wigandsthal]] zu besuchen. Am [[region:zangenberg|Zangenberge]] angekommen sieht er plötzlich in einiger Entfernung eine Frau in einem schwarzseidenen, mit Schmelz gestickten Gewande von alterthümlichem Schnitt und mit einer langen Schleppe. Ihr Haupt bedeckte eine schwarze Haube mit einem in kleine Falten gelegten Streifen, von der ein langer Crepschleier herabwallte. Ihr Antlitz war fahl und blaßgelb. Der Knabe betrachtet diese Erscheinung mit neugierigen Blicken, doch als er bemerkt, daß sie ihm winkt, geht er erschrocken und schnell vorwärts. Siehe, da steht auf einmal die Frau, die doch vier hundert Schritt von ihm entfernt war, dicht vor ihm. Wieder winkt sie ihm und ruft ihm zu: Folge mir. Der Knabe sagte hierauf ängstlich: „Sie mögen ein gutes Frauenzimmer sein, doch ich bin auch ein guter Junge“, und nun lief er athemlos ohne sich umzusehen, bis er das nächste Dorf erreichte. Zu Hause angekommen erzählte er seinen Eltern, was er gesehen, und weder Bitten noch Vorstellungen vermochten ihn zu beruhigen und zu bewegen, wieder am Zangenberge vorüber zu gehen. Der Geistliche des Orts und der Richter wurden zu Rathe gezogen, aber er beharrte bei seiner Aussage und empfand solche Furcht, daß er bei Tag und Nacht keinen Augenblick allein bleiben wollte. Der Knabe hatte weder viel gelesen noch gesehen und gehörte keines wegs zu den phantasiereichen Menschen. Noch jetzt scheuen sich Viele in der Dämmerung bei dem Berge vorbei zu gehen. Andere gehen absichtlich hin, um das Abenteuer zu bestehen und den Schatz zu heben. Die Jungfrau hat sich aber nicht wieder sehen lassen. 
  
-//Anmerkungen: Zur Weihnachtszeit zeigt sich Hulda, [[vip:frauholle|Frau Holle]] (Grimm S. 182). Das Wäschebleichen und Gefäßehinstellen erinnert an die Wassermannsfrau und an die Zwerge. Die verschiedene Stimmung, angedeutet durch schwarze und weiße Kleidung, ist sehr charakteristisch für die polarische Natur weiblicher Gottheiten.//+//Anmerkungen: Zur Weihnachtszeit zeigt sich Hulda, [[wesen:frauholle|Frau Holle]] (Grimm S. 182). Das Wäschebleichen und Gefäßehinstellen erinnert an die Wassermannsfrau und an die Zwerge. Die verschiedene Stimmung, angedeutet durch schwarze und weiße Kleidung, ist sehr charakteristisch für die polarische Natur weiblicher Gottheiten.//
  
 //Wie Hulda in den Berg gebannt ist, so sind es vorzüglich weiße Frauen, auf welche der Begriff der Berg verwünschung Anwendung leidet. „Göttliche, halbgöttliche Wesen des Heidenthums, die den Blicken der Sterblichen noch zu bestimmter Zeit sichtbar werden, am liebsten bei warmer Sonne erscheinen sie armen Schäfern und Hirtenknaben“ (Grimm, Mythol. S. 541). Die Geschichte von dem Kopfabschlagen spielt noch einmal in der Schatzsage vom Krischaer Raubschlosse.// //Wie Hulda in den Berg gebannt ist, so sind es vorzüglich weiße Frauen, auf welche der Begriff der Berg verwünschung Anwendung leidet. „Göttliche, halbgöttliche Wesen des Heidenthums, die den Blicken der Sterblichen noch zu bestimmter Zeit sichtbar werden, am liebsten bei warmer Sonne erscheinen sie armen Schäfern und Hirtenknaben“ (Grimm, Mythol. S. 541). Die Geschichte von dem Kopfabschlagen spielt noch einmal in der Schatzsage vom Krischaer Raubschlosse.//
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 //Quelle: [[autor:karlhaupt|Karl Haupt]], [[buch:sagenbuch_der_lausitz|Sagenbuch der Lausitz]], Leipzig, Verlag von Wilhelm Engelmann,1862// //Quelle: [[autor:karlhaupt|Karl Haupt]], [[buch:sagenbuch_der_lausitz|Sagenbuch der Lausitz]], Leipzig, Verlag von Wilhelm Engelmann,1862//
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