sagen:sagenbuchlausitzi-133
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| + | ====== Eines Advokaten Weib wird vom Teufel übel geplagt ====== | ||
| + | Frenzel, hist. natur. III. 1465. msc. Ein fliegendes Blatt: Historische Beschreibung von dem | ||
| + | Budissinischen Gespenst, was sich mit demselben anno 1684 begeben und # wobei Etlicher | ||
| + | schriftmäßige Bedenken, was von dieser Sache nach Gottes Wort zu halten, gedruckt im Jahr 1684. | ||
| + | Fängt an: „Im Namen Jesu Amen: Der Teufel ist ein Mörder und Lügner“ | ||
| + | u. s. w. Singul. Lus. I. 498. II. 821. | ||
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| + | Es hat in des Oberamts-Secretarius Simon Hoffmann' | ||
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| + | Gedachter Martin Kathmann aber ist der leibliche Bruder des damaligen Decani bei hiesigem päpstlichen Capitulo und vormals dieses Hauses Einwohner gewesen. Das Gespenst hat gefleht, man solle sie daselbst aufgraben und in einen Sarg legen und auf einem lutherischen Kirchhofe bestatten. Man würde dabei das Schwert finden, womit der Mord geschehen sei, und ein Kästlein mit Golde, das solle die Mühe reichlich belohnen; ihre Seele hätte ja sonst keine Ruhe. | ||
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| + | Das erste Mal hat die Keilpflugin ausgerufen: Alle guten Geister loben Gott den Herrn. Das Gespenst hat geantwortet: | ||
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| + | Einmal hat das Gespenst gedrohet, es solle der ganzen Stadt übel gehen, hat sich auch auf der Treppe mit einer feurigen Kugel in der Hand sehen lassen und einen großen Brand verkündigt. Im März ist es dann in einem deutschen Anzuge gekommen und hat ein rundes, feines, blasses Gesicht gezeigt, hat von Neuem geflehet und gedräuet, auch ein Buch nach dem andern aus dem Bücherschranke genommen und laut gelesen. Zu der Keilpflugin hat es gesagt: Ich bin eben ein solch fromm Mensch gewesen, als Du; aber es hat mir eine [[wesen: | ||
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| + | Einmal hat es der Keilpflugin mit großem Grimm in den Nacken gegriffen und gekneipt, daß man die blauen Flecke etliche Tage lang gesehen. Zu Nachts ist es ihr in der Schlafkammer wie ein lichter Blitz erschienen, hat sie im Bette bald in die Schenkel, bald in den Rücken, bald auf die Achseln schmerzlich gezwickt, ja es hat sich zu ihr ins Bette gelegt und sie bedräuet, ihren Eheherrn nicht zu wecken. Als es aber die Keilpflugin gethan, hat es sie entsetzlich gezwickt und ist verschwunden. | ||
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| + | Zu andern Malen hat es einen Gestank wie Knoblauch und garstigen Speck hinter sich gelassen; ist auch zu Zeiten mit feurigen Ketten um den Leib oder mit einem blutigen Maule, greulichen Klauen und einem langen Kuhschwanze, | ||
| + | Die geistlichen Lieder hat es mitgesungen, | ||
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| + | Vom Mai bis zum September hat man fast alle Morgen an den Thüren und Wänden, auf den Tischen, Kasten, Dielen Sprüche angeschrieben gefunden mit Kreide und Röthel, ja auch mit Feder und Dinte hat es dem Herrn Keilpflug viel Papier verdorben. Die Schrift ist aber allzeit sehr unrichtig und schlecht geschrieben gewesen. Das Gesinde hat trotz des geschehenen Verbotes abergläubische Mittel angewendet und zwei Besen kreuzweis vor die Thüre geleget, auf denen es auch einmal stehen geblieben ist und die Schwelle nicht überschritten hat. | ||
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| + | Im Mai hat es wieder von dem Kasten mit dem Gelde angefangen und denselben auch geholt und ihn der Keilpflugin gezeigt, die hat aber gesagt: ich begehre nichts Zeitliches und hat ihn nicht genommen, obgleich das Gespenst sie bei ihrer Seelen Seligkeit und Gottes Barmherzigkeit angeflehet. Darnach ist es gar ungeberdig geworden mit Tumultuiren, | ||
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| + | Dadurch ist das ganze Ereigniß, das man bis dahin auf Rath des Beichtvaters, | ||
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| + | Das päpstliche Capitulum aber hat die geistliche Gerichtsbarkeit über das Haus beansprucht und sich erboten, zwei Capitulares hinzuschicken, | ||
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| + | Nochmals hat es sich erdreistet, der Keilpflugin in Gegenwart ihres Gemahls zu erscheinen. Der hat dann sammt dem Amanuensis Degen genommen und haben nach der angezeigten Richtung hin gestochen und gehauen, daß das Gespenst in die Höhe gesprungen ist und sich geduckt hat, auch in Gestalt eines Vogels aufgeflogen und in Gestalt einer Kugel zur Erde gefallen ist. Andern Tages hat es aber ein Schwert mitgebracht und sich bei der Keilpflugin beklagt, wenn es Unglück haben werde, müßte ihr Mann es verantworten. Vom 15. Juli an hat es überall hingeschrieben: | ||
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| + | Unterdessen hatte der Rath und das geistliche Ministerium den ganzen erschrecklichen Vorfall nach [[geo: | ||
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| + | Nachdem nun auf Beschluß des Budissiner geistlichen Ministerii keine Schrift des Gespenstes mehr gelesen, sondern ungelesen ausgelöscht, | ||
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| + | //Quelle: [[autor: | ||
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sagen/sagenbuchlausitzi-133.1673260834.txt.gz · Zuletzt geändert: (Externe Bearbeitung)
