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sagen:sagenbuchlausitzi-107

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-In [[geo:Görlitz]] lebte einst ein Schmied]], der war sehr fleißig und geschickt, und deshalb geachtet und gesucht; nur stand er in dem Rufe, auf Kirche und Glauben nicht viel zu halten. Lange lebte derselbe unbescholten, bis einst ein Knecht zu ihm kam, baumstark, rothhaarig, einäugig und lahm, der aber durch Gehorsam, Genügsamkeit, Fleiß und Geschicklichkeit sich bei ihm einschmeichelte, so daß er ihn als seinen Gesellen annahm. Ja er wurde ihm bald unentbehrlich, indem er alle Arbeit ganz allein in unglaublich kurzer Zeit verrichtete. Da des Meisters Gegenwart in der Werkstätte überflüssig erschien, ergab er sich der Unthätigkeit, dem Spiele und dem Trunke. Zuletzt brachte die Arbeit des fleißigen Knechtes kaum so viel ein, als der Meister durchbrachte. +In [[geo:Görlitz]] lebte einst ein Schmied, der war sehr fleißig und geschickt, und deshalb geachtet und gesucht; nur stand er in dem Rufe, auf Kirche und Glauben nicht viel zu halten. Lange lebte derselbe unbescholten, bis einst ein Knecht zu ihm kam, baumstark, rothhaarig, einäugig und lahm, der aber durch Gehorsam, Genügsamkeit, Fleiß und Geschicklichkeit sich bei ihm einschmeichelte, so daß er ihn als seinen Gesellen annahm. Ja er wurde ihm bald unentbehrlich, indem er alle Arbeit ganz allein in unglaublich kurzer Zeit verrichtete. Da des Meisters Gegenwart in der Werkstätte überflüssig erschien, ergab er sich der Unthätigkeit, dem Spiele und dem Trunke. Zuletzt brachte die Arbeit des fleißigen Knechtes kaum so viel ein, als der Meister durchbrachte. 
  
-Eines Abends spät kam ein Junker in schwarzer Tracht, auf schwarzem Rosse, ein schwarzes Barett mit rother Hahnfeder auf dem Kopfe vor die Schmiede geritten. Derselbe bestellte ein eisernes Gitter um eine Gruft für einen sehr hohen Preis, verlangte aber, daß dasselbe unbedingt bis Mitternacht des dritten Tages fertig sein müßte, wogegen die Hälfte vorausbezahlt werden sollte. Halb trunken vom Gelage abgerufen lacht der Meister zuversichtlich: dafür wolle er wohl Leib und Seele verpfänden, daß zu der Zeit Alles fertig sein würde. Da dringt der Junker in ihn und spricht: So er das thäte, möchte ihm wohl der vierfache Preis zu Theil werden. Der Meister, von [[typ:Habsucht]] geblendet, unterschreibt mit seinem Blute die Bedingung und sieht mit Erstaunen zwar das Gold richtig bezahlt vor sich liegen, aber der Junker ist verschwunden. +Eines Abends spät kam ein Junker in schwarzer Tracht, auf schwarzem Rosse, ein schwarzes Barett mit rother Hahnfeder auf dem Kopfe vor die Schmiede geritten. Derselbe bestellte ein eisernes Gitter um eine Gruft für einen sehr hohen Preis, verlangte aber, daß dasselbe unbedingt bis Mitternacht des dritten Tages fertig sein müßte, wogegen die Hälfte vorausbezahlt werden sollte. Halb trunken vom Gelage abgerufen lacht der Meister zuversichtlich: dafür wolle er wohl Leib und Seele verpfänden, daß zu der Zeit Alles fertig sein würde. Da dringt der Junker in ihn und spricht: So er das thäte, möchte ihm wohl der vierfache Preis zu Theil werden. Der Meister, von Habsucht geblendet, unterschreibt mit seinem Blute die Bedingung und sieht mit Erstaunen zwar das Gold richtig bezahlt vor sich liegen, aber der Junker ist verschwunden. 
  
-Der Leichtsinnige vergißt aber bald was geschehen und kehrt zum Gelage zurück. Am Morgen erzählt er seinem Knechte die Sache und heißt ihn gleich ans Werk gehen. [[typ:hohn|Höhnisch]] lacht dieser: das hätte er getrost in einem Vormittage zu liefern sich verpflichten können. Völlig beruhigt geht der Meister weg und verjubelt das im Voraus empfangene [[typ:Geld]]. Erst am dritten Nachmittage fällt ihm ein, nach der Arbeit zu sehen. Er eilt in die Werkstatt; das Gitter ist bis auf einen einzigen [[typ:Ring]] fertig, aber der Knecht ist verschwunden. Eiligst geht er selbst an den Ambos, um das noch Fehlende zu ergänzen; aber vergeblich müht er sich. Alles Eisen, das der [[typ:Hammer]] berührt, springt unter seinen Händen entzwei. Die übernatürlichen Hindernisse seines Beginnens lassen ihn erkennen, daß der [[typ:Hölle]] Macht im Spiele ist. Entsetzen faßt ihn und treibt ihn bald von der trostlosen, hoffnungslosen Arbeit hinweg, bald mit verzweifelter Anstrengung wieder hin. Der [[typ:Knecht]] ist für immer verschwunden.+Der Leichtsinnige vergißt aber bald was geschehen und kehrt zum Gelage zurück. Am Morgen erzählt er seinem Knechte die Sache und heißt ihn gleich ans Werk gehen. Höhnisch lacht dieser: das hätte er getrost in einem Vormittage zu liefern sich verpflichten können. Völlig beruhigt geht der Meister weg und verjubelt das im Voraus empfangene Geld. Erst am dritten Nachmittage fällt ihm ein, nach der Arbeit zu sehen. Er eilt in die Werkstatt; das Gitter ist bis auf einen einzigen Ring fertig, aber der Knecht ist verschwunden. Eiligst geht er selbst an den Ambos, um das noch Fehlende zu ergänzen; aber vergeblich müht er sich. Alles Eisen, das der Hammer berührt, springt unter seinen Händen entzwei. Die übernatürlichen Hindernisse seines Beginnens lassen ihn erkennen, daß der Hölle Macht im Spiele ist. Entsetzen faßt ihn und treibt ihn bald von der trostlosen, hoffnungslosen Arbeit hinweg, bald mit verzweifelter Anstrengung wieder hin. Der Knecht ist für immer verschwunden.
  
-Endlich, unter der vergeblichen Arbeit, erscheint die Mitternacht. Mit dem ersten Glockenschlage derselben öffnet sich die Erde und verschlingt den dem [[typ:Teufel]] Verfallenen. Seitdem ist er verdammt so lange zu schmieden, bis die fehlenden Ringe am Gitter sein werden. Menschliche Macht aber kann ihn nicht erlösen, denn so oft Vorwitzige oder Fromme die fehlenden Ringe am Gitter ersetzten, verschwanden sie von selbst in der Nacht, oder seine Leute hatten keine Ruhe, bis die Ringe wieder abgenommen waren, wie es noch vor kurzer Zeit einem [[typ:geselle|Schmiedegesellen]], Namens Wende, ergangen ist.+Endlich, unter der vergeblichen Arbeit, erscheint die Mitternacht. Mit dem ersten Glockenschlage derselben öffnet sich die Erde und verschlingt den dem [[wesen:Teufel]] Verfallenen. Seitdem ist er verdammt so lange zu schmieden, bis die fehlenden Ringe am Gitter sein werden. Menschliche Macht aber kann ihn nicht erlösen, denn so oft Vorwitzige oder Fromme die fehlenden Ringe am Gitter ersetzten, verschwanden sie von selbst in der Nacht, oder seine Leute hatten keine Ruhe, bis die Ringe wieder abgenommen waren, wie es noch vor kurzer Zeit einem Schmiedegesellen, Namens Wende, ergangen ist.
  
-Darum muß der [[typ:Schmied]] unter der Erde schmieden, und allnächtlich hören die Bewohner des Obermarktes, besonders des Hauses in der nordwestlichen Ecke desselben, wo er gewohnt hat, sein Hämmern, bald in ruhigem abgemessenen Takte, bald wieder in raschen ungestümen Schlägen, wenn über der Arbeit die Verzweiflung ihn bemeistert. Zwar haben in neuerer Zeit Leute, die Alles besser wissen wollen, in unterirdischen Gewässern die Ursache des dumpfen, hämmernden Geräusches finden wollen, aber man weiß, was man von solchen Sachen zu halten hat. Der Name des Schmiedes soll Volprecht gewesen sein.+Darum muß der Schmied unter der Erde schmieden, und allnächtlich hören die Bewohner des Obermarktes, besonders des Hauses in der nordwestlichen Ecke desselben, wo er gewohnt hat, sein Hämmern, bald in ruhigem abgemessenen Takte, bald wieder in raschen ungestümen Schlägen, wenn über der Arbeit die Verzweiflung ihn bemeistert. Zwar haben in neuerer Zeit Leute, die Alles besser wissen wollen, in unterirdischen Gewässern die Ursache des dumpfen, hämmernden Geräusches finden wollen, aber man weiß, was man von solchen Sachen zu halten hat. Der Name des Schmiedes soll Volprecht gewesen sein.
  
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 //Quelle: [[autor:karlhaupt|Karl Haupt]], [[buch:sagenbuch_der_lausitz|Sagenbuch der Lausitz]], Leipzig, Verlag von Wilhelm Engelmann,1862// //Quelle: [[autor:karlhaupt|Karl Haupt]], [[buch:sagenbuch_der_lausitz|Sagenbuch der Lausitz]], Leipzig, Verlag von Wilhelm Engelmann,1862//
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