sagen:sagenbucherzgebirge378
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| + | ====== Der dürre Lindenstab ====== | ||
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| + | Wenisch, Sagen aus dem Joachimsthaler Bezirke, S. 52 | ||
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| + | Einstmals zog aus einem Städtchen, im Innern Böhmens gelegen, ein armer braver Jüngling mit Namen Georg, da der Kaiser die Kriegstrommel rühren ließ, ins Feld, um als treuer Soldat für das bedrohte Vaterland zu kämpfen. Er nahm von seinem lieben Mütterlein und von Maria, seiner Verlobten, herzlichen Abschied und gab letzterer das Versprechen, | ||
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| + | An einem trüben Septembertage schritt ein junger, kräftiger Wandersmann auf der Landstraße daher. Es war Georg, der voll Sehnsucht seiner Heimat zueilte. Derselbe war nach abgeschlossenem Frieden in der Fremde geblieben, um durch rastlose Arbeit und Sparsamkeit sich einiges Vermögen zu erwerben. Nachdem ihm sein Plan geglückt war, wollte er nun seiner alten Mutter, die ihm unter Mühen und Sorgen so viel Gutes erwiesen, das Alter versüßen und mit Marie einen eigenen Hausstand gründen. Mit wonnigen Gefühlen erreichte er beim Dunkelwerden sein heißersehntes Ziel, die ärmliche Hütte seiner Mutter, und schaute durch die Fensterscheiben ins traute, stille Stübchen, wo sein greises, gebücktes Mütterchen beim Spinnrocken saß und spann. Er klopfte leise an die Haustür, und beim Öffnen derselben fiel ihm seine Mutter mit tränenden Blicken um den Hals und drückte ihn an ihr Herz. Nach der Freude der ersten Umarmung erkundigte sich Georg nach seiner Braut. Da erzählte ihm die Mutter, wie Marie sieben Jahre vergebens auf ihn gewartet habe, und wie sie, ihn für tot haltend, Pauls Gattin geworden sei. Wie vom Schlage getroffen stand Georg da, dann fasste er Mut und sprach mit festem männlichen Ton: „Also für tot hielt mich Marie, wohlan denn, ich will es sein für sie und die Welt! Morgen in der Frühe verlasse ich diesen Ort für immer, um mich in die Einsamkeit zurückzuziehen.“ | ||
| + | Hierauf ging er zu dem Lindenbaume, | ||
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| + | Während der Fremdling, ein wahrer Samariter, bei der Leiche kniete und mutterseelenallein das Sterbegebet verrichtete, | ||
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| + | Georg beteuerte beim Verhöre seine Unschuld, allein seine Aussagen wurden als freche Lügen hingestellt. Eher hätte er von den Säulen, auf denen die Saaldecke ruhete, Gnade erflehen können, als von den hartherzigen Richtern, welche ihn der vollbrachten Mordtat schuldig erklärten und zum Tode durch Henkershand verurteilten. | ||
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| + | Des andern Tages ertönte das Armesünderglöcklein. Eine unzählige Volksmenge hatte sich auf dem Marktplatze versammelt, denn alles wollte den Mörder, der zum Galgen geführt wurde, sehen. Als die Versammelten aber einen jungen Mann mit mildem Angesichte erblickten, der einmal gen Himmel, das andre mal auf seinen Lindenstab seine Blicke richtete, blieb kein Auge tränenleer. - Auf dem im Osten der Stadt gelegenen Galgenberge, | ||
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