sagen:sagenbucherzgebirge361
Unterschiede
Hier werden die Unterschiede zwischen zwei Versionen angezeigt.
| Nächste Überarbeitung | Vorhergehende Überarbeitung | ||
| sagen:sagenbucherzgebirge361 [2024/04/03 22:14] – angelegt ewusch | sagen:sagenbucherzgebirge361 [2025/01/30 17:55] (aktuell) – Externe Bearbeitung 127.0.0.1 | ||
|---|---|---|---|
| Zeile 1: | Zeile 1: | ||
| [[sagen: | [[sagen: | ||
| + | ====== Der Basler und die Baslerin zu Joachimsthal ====== | ||
| + | |||
| + | Wenisch, Sagen aus dem Joachimsthaler Bezirke, 1882, S. 7 | ||
| + | |||
| + | Vor vielen Jahren lebte in der alten Bergstadt Joachimsthal ein gottesfürchtiger Gewerke, mit Namen Basler. Er besaß nebst Haus und Acker eine Grube, welche eine gute Ausbeute an Silber gab und sein Vermögen beträchtlich vermehrte. Plötzlich aber blieb das blinkende Silbererz in den harten Felsadern aus, und er traf auf lauter taubes Gestein. Basler, der ein sehr unternehmender Mann war, stellte jedoch seinen nunmehr kostspieligen Bau nicht ein, sondern ließ rühriger denn je mit Fäustel und Bohrer weiter arbeiten, da er in Bälde in eine silberhaltige Teufe zu kommen hoffte. Schon war aber Schrank und Beutel leer, Haus und Acker verpfändet, | ||
| + | |||
| + | Als eines Tages die Not aufs Höchste gestiegen war, und er sich weder zu raten noch zu helfen wusste, nahm seine Frau ihr teuerstes | ||
| + | Kleinod, einen feingestickten Schleier, der noch von all ihren Habseligkeiten übrig geblieben war, in die Hand. Ihn hatte am Hochzeitsfeste die gute Mutter ihr ins Haar geknüpft und gesegnet, darum war der Schleier ihr so lieb und wert. Sie betrachtete denselben unter tiefem Seufzen lange mit tränenfeuchten Blicken, denn zentnerschwer drückte ihr Herz der schreckliche Gedanke, ihr kostbarstes Pfand mütterlicher Liebe zu veräußern. Endlich entschloss sie sich, freilich schweren Herzens, zum Verkaufe des Brautschleiers. Aus dem gelösten Gelde kaufte Basler, nachdem er für das nötige Brot gesorgt hatte, Unschlitt ein, um sein Geleucht aufschütten zu können. Er wollte nämlich, um sein Glück zu versuchen, noch einmal anfahren, dann aber, falls auch dieser Versuch missglückte, | ||
| + | |||
| + | zu betreiben. Er ward gar bald ein reicher Mann, der aber auch als solcher seinem früheren einfachen und frommen Lebenswandel treu blieb. Sein Gelübde erfüllte er treulich. Er spendete für die Kirche zu Joachimsthal ein silbernes Kreuz und ließ überdies einen Predigtstuhl verfertigen, | ||
| + | |||
| + | Noch bis zum furchtbaren Brande des 31. März 1873 konnte man diese interessante Bergmannsfigur in der reichen und geschichtlich merkwürdigen Dekanatkirche zu Joachimsthal, | ||
| + | |||
| + | Baslers Frau, vom ungewöhnlichen Glücke berauscht, vergaß Tugend und Frömmigkeit und wurde über alle Maßen stolz und hochmutig. Als ihr Mann auf der Totenbahre lag und die Bergknappen beim Einsegnen vor dem Haustore standen und nach ortsüblicher Weise das Trauerlied mit den Worten beendigten: | ||
| + | |||
| + | „Du bist, Herr, stark in Deinem Arm, | ||
| + | |||
| + | Du machst bald reich und machst bald arm“, | ||
| + | |||
| + | Da sprang die Übermütige, | ||
| + | |||
| + | Noch in erhöhterem Grade gab sich Frau Basler von jetzt an der Verschwendung hin, sie lebte in Saus und Braus, so dass ganz unbemerkt die Silberschätze in ihren Kästen und Truhen gleich einer Seifenblase zerrannen. Eines Tages stand sie auf der Prager Brücke. Da zog die Prahlerin einen prächtigen Siegelring vom Finger, warf ihn in die Moldau und rief: | ||
| + | |||
| + | „So wahr, als mein Ring nicht kehrt nach Haus, | ||
| + | |||
| + | So wahr schöpf´ ich meine Schätze nicht aus!“ | ||
| + | |||
| + | Ein Fisch aber hörte die übermütigen Worte der frevelnden Baslerin und sah das kostbare, blitzende Ringlein, da dachte er bei sich: | ||
| + | |||
| + | „Ohnedies harrt der Tod mein, es soll auch für dich der Tod sein!“ Bald ließ der Lachs, der den Ring verschlungen hatte, sich fangen. Und siehe da! Des andern Tages brachte ein Fischer einen Fisch, in dessen Bauche sich der Ring befand, der zur Frau Baslerin heimgekehrt war, und wie der Ring kam zurückgeschwommen, | ||
| + | |||
| + | // | ||
| //Quelle:// | //Quelle:// | ||
| Zeile 6: | Zeile 38: | ||
| ---- | ---- | ||
| - | {{tag> | + | {{tag> |
sagen/sagenbucherzgebirge361.1712175289.txt.gz · Zuletzt geändert: (Externe Bearbeitung)
