sagen:sagenbucherzgebirge054
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| Dietrich und Textor, die romantischen Sagen des Erzgebirges I. 1822. S. 123 ec. | Dietrich und Textor, die romantischen Sagen des Erzgebirges I. 1822. S. 123 ec. | ||
| - | Am Hofe des [[vip: | + | Am Hofe des [[vip: |
| - | Das Mädchen erblühte nach und nach zur herrlichen | + | Das Mädchen erblühte nach und nach zur herrlichen Jungfrau und so geschah es, dass sie von dem Junker Werner, dem Sohne Ottos von Greifen, mit welchem sie auf der Burg erzogen worden war, herzlich geliebt wurde. Werners Eltern ahnten nichts von diesem Verhältnisse, |
| - | Als Ritter Otto von Greifen von dem heimlichen Verhältnisse seines Sohnes zu seiner Pflegeschwester hörte, zieh´ er dieselbe in seinem Stolze der Verführung und ließ sie in das [[typ: | + | Als Ritter Otto von Greifen von dem heimlichen Verhältnisse seines Sohnes zu seiner Pflegeschwester hörte, zieh´ er dieselbe in seinem Stolze der Verführung und ließ sie in das Verlies seiner Burg hinabstoßen. Hier genas das verlassene Mädchen eines Kindes und in einer sie befallenden Geistesstörung schlenderte sie dasselbe an die Mauer des Gefängnisses. Plötzlich aber stieg aus dem Boden eine Geistergestalt auf und sprach: „Heil mir, wehe dir! Seit langen Jahren bin ich wegen einer gleichen Tat zum ruhelosen Umherwandeln verurteilt worden. Jetzt bin ich durch dich erlöst und du wirst meine Stelle so lange einnehmen, bis einst ein keusches Weib, das niemals einen unreinen Gedanken in seiner Seele gehabt hat, in stiller Mitternacht deinen Namen dreimal ohne Furcht rufen wird!“ Die Gestalt verschwand, und das gefangene Mädchen sank zu Boden, um in fürchterlicher Raserei wieder zu erwachen, wobei sie sich endlich den Kopf wie den ihres Kindes an der Gefängnismauer zerschmetterte. |
| - | Ihr [[typ:Geist]] aber erschien in der Nacht dem hartherzigen Pflegevater und verkündete seinem Hause Verderben. Reuig eilte er in den Kerker, wo er den [[typ: | + | Ihr Geist aber erschien in der Nacht dem hartherzigen Pflegevater und verkündete seinem Hause Verderben. Reuig eilte er in den Kerker, wo er den Leichnam seiner unglücklichen und verstoßenen Pflegetochter neben dem ihres Kindes fand. Da ließ er beiden ein ehrendes Begräbnis bereiten, doch eben, als dies geschah, kehrte sein Sohn wieder zurück. Derselbe war voller Freude, denn durch ihn war der räuberische Rekko von Rauenstein gefallen, und in der Todesstunde hatte derselbe bekannt, dass Brunos von Scharfenstein geraubte Gemahlin eines Töchterchens sehr schwer genesen und an den Folgen der Entbindung gestorben sei. Das Kind aber habe er bei einem Köhler des großen Schellenberger Waldes zwei Jahre lang erziehen lassen und dann, als es ihm lästig geworden sei, weiter für dasselbe zu sorgen, im Freiwalde, ohnweit Ottos Burg aussetzen lassen. Dieses Kind war also kein anderes, als Werners unglückliche Pflegeschwester, |
| - | Als er nun alles erfuhr, was sich während seiner Abwesenheit zugetragen hatte, sank er in tiefe [[typ:Ohnmacht]]. Als er wieder erwachte, hatte stiller | + | Als er nun alles erfuhr, was sich während seiner Abwesenheit zugetragen hatte, sank er in tiefe Ohnmacht. Als er wieder erwachte, hatte stiller Wahnsinn seine Seele umnachtet, er endete sein Leben in einem Kloster der Ritter vom Hospital zu [[geo: |
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