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sagen:sachsensvolkssagenziehnert226

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-====== Der feurige Hund von Budissin (Ziehnert) ======+====== Der feurige Hund von Budissin ======
  
 Nachstehende Erzählung fällt den 1. und 2. Mai 1634, und ist vollkommen geschichtlich glaubwürdig, den Schlußvers ausgenommen, der deutlich zeigt, wie gern sich die Volkssage an die Geschichte knüpft, und den Faden derselben, wo ihn die Chroniken abschneiden, abergläubisch weiter spinnt. Nachstehende Erzählung fällt den 1. und 2. Mai 1634, und ist vollkommen geschichtlich glaubwürdig, den Schlußvers ausgenommen, der deutlich zeigt, wie gern sich die Volkssage an die Geschichte knüpft, und den Faden derselben, wo ihn die Chroniken abschneiden, abergläubisch weiter spinnt.
  
 Der Wallensteiner [[vip:MartinvonderGoltz|Hauptmann Golz]]\\ Der Wallensteiner [[vip:MartinvonderGoltz|Hauptmann Golz]]\\
-voll Tygergrimm und bösem [[typ:Stolz]]\\+voll Tygergrimm und bösem Stolz]\\
 lag schon ein halbes Jahr\\ lag schon ein halbes Jahr\\
 in Budissin,\\ in Budissin,\\
 und seine Schaar\\ und seine Schaar\\
 verübte drin\\ verübte drin\\
-unsägliche Greuel, [[typ:Raub]] und [[typ:Mord]];\\+unsägliche Greuel, Raub und Mord;\\
 gern flöhe der Bürger, doch kann er nicht fort,\\ gern flöhe der Bürger, doch kann er nicht fort,\\
 denn die Thore bei Tag und Nacht\\ denn die Thore bei Tag und Nacht\\
-waren streng bewacht.((Die Chronik erzählt: Anno 1633, den 30. Oktober, Sonntags Nachmittags um 2 Uhr sind die Kaiserlich Wallensteinischen Völker, 70,000 Mann, gekommen, und haben die Stadt [[typ:belagerung|belagert]] und beschossen, und Dienstags mit Accord übereingekommen, worauf der kaiserliche General Golz mit seinem Regiment zu Fuß und einer großen Esquadron zu Roß nebst etlichen Panduren hereingekommen, welche 27 Wochen bis auf den andern Mai nach Misericordias domini 1634 in der Stadt gelegen und Alles verzehrt, und stahlen noch dazu Alles denen Leuten, u. s. w.))\\+waren streng bewacht.((Die Chronik erzählt: Anno 1633, den 30. Oktober, Sonntags Nachmittags um 2 Uhr sind die Kaiserlich Wallensteinischen Völker, 70,000 Mann, gekommen, und haben die Stadt belagert und beschossen, und Dienstags mit Accord übereingekommen, worauf der kaiserliche General Golz mit seinem Regiment zu Fuß und einer großen Esquadron zu Roß nebst etlichen Panduren hereingekommen, welche 27 Wochen bis auf den andern Mai nach Misericordias domini 1634 in der Stadt gelegen und Alles verzehrt, und stahlen noch dazu Alles denen Leuten, u. s. w.))\\
  
 Da rückt mit vierzigtausend Mann\\ Da rückt mit vierzigtausend Mann\\
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 Er lachte teuflisch auf, und schlug\\ Er lachte teuflisch auf, und schlug\\
-das Fenster zu mit argem [[typ:Fluch]].\\+das Fenster zu mit argem Fluch.\\
 Die armen Bürger sah’n\\ Die armen Bürger sah’n\\
 ob solchem Wort\\ ob solchem Wort\\
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 Der Mond zieht über [[geo:bautzen|Budissin]],\\ Der Mond zieht über [[geo:bautzen|Budissin]],\\
 der letzte! bleich und blutig hin;\\ der letzte! bleich und blutig hin;\\
-die [[typ:glocke|Glocken]] schlagen drei,\\+die Glocken schlagen drei,\\
 so dumpf und bang,\\ so dumpf und bang,\\
 als ob es sey\\ als ob es sey\\
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 und wimmert in heulenden Schlägen Sturm,\\ und wimmert in heulenden Schlägen Sturm,\\
 und weckt die Bürger, und zerrt\\ und weckt die Bürger, und zerrt\\
-aus der Flamm’ in’s [[typ:Schwert]].\\+aus der Flamm’ in’s Schwert.\\
  
-Allseitig bricht das [[typ:Feuer]] aus,\\+Allseitig bricht das Feuer aus,\\
 und wälzt sich rasch von Haus zu Haus,\\ und wälzt sich rasch von Haus zu Haus,\\
 von Feindeshand genährt,\\ von Feindeshand genährt,\\
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 weithin grausenvoll.((Die Chronik erzählt: Heute den 2. Mai 1634 hat der Obrist Golz befohlen, jeder Soldat soll früh 3 Uhr sein Haus anzünden, was auch geschehen. Auf der Seidau, in der Fischergasse und den Ueberresten der Vorstadt brach das Feuer aus, flog in die innere Stadt, steckte zuerst die Juden- (jetzt Herings-) Gasse an, und legte alle Privathäuser, Kirchen (die Peterskirche, in die sich 300 Personen geflüchtet hatten, zündeten die Panduren mit Pechkränzen an) und alle andern öffentliche Gebäude, ja selbst einen Theil des nahen Dorfes Teichnitz, in Asche. Nur die [[kirche:sanktnikolaikirchebautzen|St. Nicolaikirche]] war noch zum Gottesdienste brauchbar. Gräßliche Mordthaten, Raub, Unzucht u. a. Greuel machten diese Schreckensnacht den Bürgern von Budissin noch schrecklicher.))\\ weithin grausenvoll.((Die Chronik erzählt: Heute den 2. Mai 1634 hat der Obrist Golz befohlen, jeder Soldat soll früh 3 Uhr sein Haus anzünden, was auch geschehen. Auf der Seidau, in der Fischergasse und den Ueberresten der Vorstadt brach das Feuer aus, flog in die innere Stadt, steckte zuerst die Juden- (jetzt Herings-) Gasse an, und legte alle Privathäuser, Kirchen (die Peterskirche, in die sich 300 Personen geflüchtet hatten, zündeten die Panduren mit Pechkränzen an) und alle andern öffentliche Gebäude, ja selbst einen Theil des nahen Dorfes Teichnitz, in Asche. Nur die [[kirche:sanktnikolaikirchebautzen|St. Nicolaikirche]] war noch zum Gottesdienste brauchbar. Gräßliche Mordthaten, Raub, Unzucht u. a. Greuel machten diese Schreckensnacht den Bürgern von Budissin noch schrecklicher.))\\
  
-Hohnlachend, wie sich [[typ:Teufel]] freu’n,\\+Hohnlachend, wie sich [[wesen:Teufel]] freu’n,\\
 schaut Golz in all den Greul hinein:\\ schaut Golz in all den Greul hinein:\\
 „Ha, wie das lustig brennt!\\ „Ha, wie das lustig brennt!\\
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 Fortzieht die Schaar mit Hörnerklang,\\ Fortzieht die Schaar mit Hörnerklang,\\
-mit teuflisch lust’gem [[typ:spott|Spottgesang]]\\+mit teuflisch lust’gem Spottgesang\\
 und stolzem Siegerschritt.\\ und stolzem Siegerschritt.\\
 Voran dem Troß\\ Voran dem Troß\\
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 Im Lauenthor, da schaut’ er zurück\\ Im Lauenthor, da schaut’ er zurück\\
 in sein gräßliches Werk mit höhnischem Blick:\\ in sein gräßliches Werk mit höhnischem Blick:\\
-„Hört, wie die [[typ:hund|Hunde]] von [[geo:bautzen|Budissin]],\\+„Hört, wie die Hunde von [[geo:bautzen|Budissin]],\\
 hört, wie sie heulen drin!“\\ hört, wie sie heulen drin!“\\
  
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 sich ohne Kraft\\ sich ohne Kraft\\
 zum Falle, und schmettert auf’s Pflaster hin,\\ zum Falle, und schmettert auf’s Pflaster hin,\\
-nicht mehr hört er die [[typ:hund|Hunde]] von [[geo:bautzen|Budissin]]!\\+nicht mehr hört er die Hunde von Budissin!\\
  
 es knackte sein Wirbelbein. –\\ es knackte sein Wirbelbein. –\\
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 fern von Budissin.\\ fern von Budissin.\\
  
-//Quelle: [[autor:ziehnert|Widar Ziehnert]]: [[buch:sachsensvolkssagen|Sachsen’s Volkssagen: Balladen, Romanzen und Legenden.]] II. Band. Rudolph & Dieterici, Annaberg 1838, Seite 233; [[https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Ziehnert_Sachsens_Volkssagen_II_233.jpg&oldid=-|Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource (Version vom 1.8.2018)]]//+//Quelle: [[autor:ziehnert|Widar Ziehnert]]: [[buch:sachsensvolkssagen|Sachsen’s Volkssagen: Balladen, Romanzen und Legenden.]] II. Band. Rudolph & Dieterici, Annaberg 1838, Seite 233//
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