sagen:ruebezahl43
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| + | ====== Wie Rübezahl endlich begraben wird ====== | ||
| + | Es war ein herrlicher Sommertag gewesen. Rübezahl hatte ihn einmal genossen und sich auf dem Hochgebirge einen Spaziergang gemacht. Nun prangten gerade die Natur in ihrem Nachtfeierkleid, | ||
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| + | »Ach«, seufzte eben das Mägdlein, »welch eine reizende herrliche Nacht!« Es schmiegte sich sanft an die Brust ihres sie begleitenden Freundes, der sie mit einem wehmütigen Seufzer an sein Herz drückte. | ||
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| + | »Ja«, antwortete der Bürger, »ja, es ist wahr. So einen Abend möchte ich mir nur einmal so recht bei Tage besehen.« | ||
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| + | Da trat Rübezahl unter die Gesellschaft und bot ihnen einen guten Abend. Die Leutchen dankten ihm gar freundlich. Der Bürgersmann schien erfreut über den neuen Zuwachs und war bald mit Rübezahl im traulichen Gespräch, während die Liebesleute – denn das waren sie – außer sich um die ganze Welt sich nicht bekümmerten. | ||
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| + | Indem nun der Bürgersmann mit Rübezahl sprach, erzählte er ihm denn auch, wer sie seien. | ||
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| + | »Das junge Volk tut mir leid«, sagte er, »sie ist doch einmal meiner einzigen Schwester Tochter. Ich habe sie so lieb wie mein eigenes Kind und gönnte ihr gern alles Liebe und Gute, aber der Vater.« Dabei machte er ein betrübtes Gesicht und schüttelte den Kopf. »Der Vater«, fuhr er fort, »ist in unsrer Familie der Einzige, welcher aus der Art geschlagen ist und weiß vor Geldgier nicht, wo aus und ein. Er ist der größte Erbschleicher weit umher um Hohenelbe und war doch vorher so arm wie eine Kirchenmaus. Nun ist er in Hohenelbe ein Gastwirt Zur güldenen Kanne und einer der reichsten Männer im Ort. Die dort sitzt, ist sein einziges Töchterlein, | ||
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| + | Rübezahl hörte aufmerksam zu und recht teilnehmend. Endlich fragte er: »Ist denn den armen Leuten gar nicht zu helfen?« | ||
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| + | »Dass ich nicht wüsste«, erwiderte der Mann, »bei so einem Vater ist nicht zu helfen. Hätte er das Mägdlein nicht nach Hirschberg hinübergeschickt, | ||
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| + | »Wann habt ihr denn euren Jahrmarkt«, | ||
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| + | »Nun, übermorgen«, | ||
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| + | Das sei schön, sagte Rübezahl, da werde er mit ihnen nach Hohenelbe gehen. Er sei auch ein Handelsmann und müsse sehen, ob in Hohenelbe für ihn etwas zu machen sei. Und in der Güldenen Kanne müsse er wohnen. | ||
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| + | Der günstige Leser merkt hier etwas, behält es aber für sich. | ||
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| + | So brachen die lieben Leute am anderen Morgen zusammen auf, und stiegen das Gebirge hinunter, bis sie nach St. Peters kamen. Hier mussten sich die Liebesleute trennen und vergingen fast in ihrem Schmerz. Und werden es die Hohenelber ihren ihrer alten Elbe nicht angesehen haben, wie viel davon Wasser und wie viel Tränen gewesen waren. Ja, wer weiß, wie es gekommen, wenn nicht Rübezahl zu den Liebesleuten hinzugetreten wäre und ihnen gesagt hätte, sie sollte nur getrost sein. Wenn die Not am größten, so sei auch die Hilfe am nächsten. Er wisse gewiss, sie würden sich bald fröhlich wiedersehen. | ||
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| + | Damit wandten sie dem Jägersmann den Rücken, der zu den Fuchsbauten wieder hinaufstieg, | ||
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| + | Wenn nur alle Leute hier hätten den Rübezahl sehen können, den sie immer für einen Teufel hielten, und dem man gut werden musste, wenn man hörte, wie heilsamen Trost er dem armen Mägdlein einsprach. So brachte er es auch richtig dahin, dass sie ruhig und gefasst ins elterliche Haus eintrat. | ||
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| + | Rübezahl bat den Wirt um ein eigenes Kämmerlein, | ||
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| + | Schon war der Jahrmarkt seit zwei Tagen vorüber und Rübezahl saß noch immer in Hohenelbe. Da ließ er gegen Abend den Wirt rufen und sagte ihm, er sei krank. Der Wirt wurde bestürzt und meinte, er wolle den Pankraz holen lassen, der sei ein geschickter Mann. Wenn man den habe, so könne der Tod nichts machen. Aber Rübezahl schüttelte den Kopf und wollte vom Arzt nichts wissen. Am anderen Tag fühlte er sich noch viel kränker, sodass der Wirt dachte: Der wird die Lerche auch nimmer singen hören. Er ließ also einen Geistlichen kommen, der ihm in seiner Not beistehen und Trost zusprechen sollte. Aber da kam er bei Rübezahl erst recht an, sodass der Geistliche unverrichteter Dinge wieder abzog. | ||
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| + | Nicht lange darauf ließ Rübezahl den Wirt und die Wirtin zu sich kommen, übergab ihnen den Schlüssel zu seinem Kasten und sagte ihnen, dass sie ihn öffnen und alles darin sich genau ansehen möchten. Denn, sagte er mit matter Stimme, er fühle, dass sein Ende nahe sei. Da er weder Kind noch Kegel hinterlasse, | ||
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| + | »Wollt Ihr jedoch mir einen bedeutenden Teil Eures Vermögens vermachen«, | ||
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| + | »Nun«, versetzte Rübezahl, »so sollt Ihr gar nichts haben. Ich will lieber meine ganze Habe dem Bräutigam Eurer Tochter geben, der gewiss dankbarer sein wird.« | ||
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| + | Der Wirt dachte: Auch gut. | ||
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| + | »Damit ich aber«, setzte Rübezahl hinzu, »sicher sein kann, dass auch mein Gut nicht in unrechte Hände komme, so müsst Ihr mir wenigstens ein schriftliches Versprechen geben, wem Ihr Eure Tochter geben wollt.« | ||
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| + | »Das will ich wohl tun«, versetzte der wird, »ihr bestimmter Bräutigam ist der alte Lohgerber Lunjak. Und innerlich dachte er: Der muss bluten. | ||
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| + | Also ließ er ein förmliches Eheversprechen vom Gerichtsschreiber aufsetzen, dass niemand anders seine Tochter haben sollen, als der Lohgerber Lunjak. | ||
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| + | »Und«, sagte der Gerichtsschreiber, | ||
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| + | Vergnügt unterzeichnete er also zu Hause das Eheversprechen und brachte es dem Rübezahl. | ||
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| + | Der aber sagte: »Freund, Ihr müsst das noch einmal abschreiben lassen und Euren Namen hier an meinem Lager daruntersetzen, | ||
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| + | Der Wirt musste es also noch einmal abschreiben lassen. Währenddessen vertauschte Rübezahl, der unsichtbar in der Kanzlei zugegen war, das Blatt mit einem nachgemachten, | ||
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| + | Als die Sache auf diese Art abgemacht war, sagte Rübezahl, nun wolle er gern sterben. Der Wirt möge die fünfzig Dukaten, die im Kasten oben auflägen, zu seinem Begräbnis herausnehmen. Kaum war der Kasten wieder verschlossen, | ||
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| + | Der Tote wurde nun auf das Stattlichste begraben. Bis auf den Kirchhof kamen sie glücklich. Aber als gerade die Totengräber in einsenken wollten, so sperrte der Tote auf einmal das Mal auf und sang: | ||
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| + | So lasset mich nun allhier schlafen, | ||
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| + | und geht heim eure Straßen. | ||
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| + | Vielleicht möcht ich noch eher aufsteh’n, | ||
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| + | als heim sind, die mit zu Grabe geh’n. | ||
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| + | In größter Bestürzung lief die ganze Leichenbegleitung davon und machte Anzeige bei der Obrigkeit. Der Sarg wurde hierauf geöffnet, aber er war leer. Der Wirt dachte: Du weißt, was du hast, und das ist das Beste. Aber dem war nicht so. Denn als er den Kasten öffnete, waren nur Knochen und Schweineborsten darin. Der Jägersmann aber, der das Eheversprechen vorzeigte, wurde dabei vor Gericht geschützt, da es die eigenhändige Unterschrift des Wirts hatte. Er führte sein Mägdlein heim. | ||
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| + | So hatte Rübezahl wieder einmal etwas Gutes gestiftet, und es heißt: | ||
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| + | Ende gut alles gut! | ||
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