sagen:ruebezahl42
Unterschiede
Hier werden die Unterschiede zwischen zwei Versionen angezeigt.
| Beide Seiten der vorigen RevisionVorhergehende ÜberarbeitungNächste Überarbeitung | Vorhergehende Überarbeitung | ||
| sagen:ruebezahl42 [2024/03/28 15:14] – ewusch | sagen:ruebezahl42 [2025/01/30 17:54] (aktuell) – Externe Bearbeitung 127.0.0.1 | ||
|---|---|---|---|
| Zeile 3: | Zeile 3: | ||
| [[sagen: | [[sagen: | ||
| + | ====== Wie Rübezahl das Stück aufführt: Wurst wider Wurst ====== | ||
| + | Es ist eine gar schöne Sache um ein Mägdlein, sind aber gar ihrer mehrere beisammen, so möchte manchmal einer ganz aus der Haut fahren, zumal wenn sie hübsch und freundlich sind. | ||
| + | |||
| + | Nun, hübsch und freundlich waren allerdings diedrei, welche einmal beschlossen, | ||
| + | |||
| + | Unsere drei Mägdlein richteten ihren Vorsatz auch bald ins Werk. Als eines Tages das Wetter schön war, so brachen sie zusammen auf. Unterwegs, wie es nun die Mägdlein machen, wenn sie unter sich sind, so sprachen sie bald von dem, bald von jenem, waren sehr bald bei ihrer Lieblingssache, | ||
| + | |||
| + | Eben waren sie im Begriff aufzubrechen, | ||
| + | |||
| + | Nun, so etwas ist immer ehrenwert, und die Schönen nahmen auch sein Anerbieten an. Aber heimlich beredeten sie sich, sie wollten den jungen Mann in sich verliebt machen und dann mit einer langen Nase abziehen lassen. | ||
| + | |||
| + | Rübezahl, denn dieser war der junge Mann, kannte die Mägdlein gut und wusste im Voraus, dass sie ihn zum Narren haben würden. Darauf war bei ihm alles berechnet. Er stellte sich unterwegs etwas einfältig. Diese losen Mägdlein waren nun um so unverblümter in ihrer Neckerei und stellten sich, als ob sie alle drei in ihn verliebt wären. | ||
| + | |||
| + | Mit der Liebe ist es eine ganz eigene Sache, wie jeder Praktikus weiß. Die erste Liebe ist stumm, denn da wagt sich einer gar nicht heraus und liegt vor dem Gegenstand seiner Liebe wie der Türke vor Neuhäusel; die zweite ist dumm, denn da geht einer blind drauf los wie Paulus auf die Korinther, und die dritte ist schon krumm, da kommt einer schon mit Finten per ampages wie die Schlange im Paradies. Dann ist jeder bereits dicke durch. | ||
| + | |||
| + | Rübezahl berücksichtigte die Erfahrung der Mägdlein und fing mit der ersten Liebe an. Da sie ihm aber hinlänglich Muth machten, so dachte er: Immer drauf. Er balzte und girrte, dass es eine Lust war. Endlich bat er die eine um einen Kuss. Nun, ein Kuss, wer es weiß, ist ein gefährliches Ding, zumal wegen der Nachkommenschaft, | ||
| + | |||
| + | Also den Weg hatten sie verloren und suchten nun überall danach herum, wiewohl vergebens. Als nun endlich die Dunkelheit hereinbrach und sie nicht mehr um sich sehen konnten, da mussten sie sich schon bequemen, mitten im Wald unter einem großen Baum die Nacht zu verbringen. Rübezahl machte sich fein und bat, bei ihnen wachen zu dürfen, obwohl sie ihn nicht fortgelassen haben würden, wenn er auch gewollt hätte. Das nahmen denn die Mägdlein auch an und schliefen ermüdet von der Reise auch bald unter dem Baum ein. | ||
| + | |||
| + | Kaum hatte Rübezahl bemerkt, dass sie fest eingeschlafen wären, so machte er sich unsichtbar, eilte zu den Schneegruben, | ||
| + | |||
| + | Es war ein gar schöner Morgen, der auf diese Tal anbrach. Der geneigte Leser gäbe noch heute etwas drum, wenn er die hübschen Magdlein da schlafend gesehen hätte, denn er hätte da manches bemerkt, was er am Tag noch nicht entdeckt hatte. Die Sonne vergoldete schon die Wipfel der Bäume, die Vöglein pfiffen und trillerten gar anmutig in den Wald hinein und auf die Schlafenden los, als endlich die eine derselben erwachte und, indem sie die Augen aufschlug, gerade über sich den alten, baumelnden Juden erblickte. Sie schrie laut auf und weckte dadurch die anderen, die ihr Geschrei mit dem der ersten vereinigten. Zitternd und bebend sprangen sie auf wollten die Flucht ergreifen und riefen laut nach ihrem Begleiter. Der war jedoch nirgends zu sehen. Das Schlimmste war aber, dass sie nun ihre Kleidungsstücke vermissten, die in den Armen des Juden hingen. Denn wer da weiß, was Jungfern auf ihre Fähnlein halten, der wird ihren Schmerz begreifen und ihren herben Verlust betrauern. | ||
| + | |||
| + | So weit lassen wir, der geneigte Leser und der Kräuterklauber, | ||
| + | |||
| + | Die armen Dinger flohen nun voller Entsetzen in den Wald hinein und auf dem ersten besten Weg das Gebirge hinunter barfuß und barhaupt oder barschultrig, | ||
| + | |||
| + | Als sie aus dem Wald heraus waren, rief ihnen jemand nach. Als sie sich umsahen, erblickten sie ihren gestrigen Begleiter, wie er auf einem Felsen stand und sie schadenfroh mit Lachen und Händeklatschen verspottete. Da ging ihnen freilich ein Licht auf. Sie mögen wohl auf dem Weg daran gedacht haben, dass sie sich die Sache zur Lehre nehmen könnten. Recht klar wurde es ihnen aber, als sie nach Hause zu den ihren kamen und ihr Unglück mit Tränen im Auge erzählten. Denn diese lasen ihnen den Text und sagten: | ||
| + | |||
| + | Merkt: Wer anderen eine Grube gräbt, fällt selbst hinein! | ||
| + | |||
| + | // | ||
| + | * // | ||
| + | |||
| + | ---- | ||
| + | {{tag> | ||
sagen/ruebezahl42.1711635259.txt.gz · Zuletzt geändert: (Externe Bearbeitung)
