sagen:ruebezahl30
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| + | ====== Wie Rübezahl einem Förster einen Zopf macht ====== | ||
| + | In Nasendrehungssachen sind überhaupt manche Leute gar sehr zu Hause, besonders die Jäger, und ist nur zu loben, dass sie meist einander selbst belügen und jeder das mit Beifall aufnimmt und denkt: Prügelst du meinen, so prügele ich deinen. | ||
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| + | Zu solchen Leuten gehörte vor Zeiten auch ein Förster vom Brückenberg und war einer der ersten Dreher seiner Zeit, und kam niemand ohne Nase von ihm weg. Rübezahl wusste das zwar längst, hatte ihm aber doch immer Nachsicht bewiesen, weil der Förster eine gute Haut und ein spaßhafter Mann war, den die Leute gern hatten. Aber, dachte er, wenn er es einmal zu bunt macht, bedarfs einer Lehre. | ||
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| + | Einstmals hatte er seinen Gevatter, den evangelischen Pfarrherrn in Seydorf, besucht und trat gegen Abend hin seinen Rückweg wieder an. Der Pfarrer gab ihm das Geleit. Sie gingen also ganz vergnügt, ihre Hündlein bei sich, im Dorf hinauf und führten dabei manch lustige Rede. Die Hündlein waren auch vergnügt. Wenn ein anderer Hund bärbeißig aus einem Haus herauskam und tat, als ob er sie verschlingen wollte, so gingen sie doch bald vorsichtig um einander herum und berochen sich. Dann schritt einer nach dem anderen beruhigt hin zum erstbesten Baum oder Stein und rauchten allda miteinander die Friedenspfeife. | ||
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| + | Bei jeder Unterredung kam der Förster gewöhnlich auf die Jagd zurück und erzählte da Dinge, die ihm oder anderen dabei vor die Augen gekommen sein sollten, dass es zum Erstaunen und wirklich recht wunderhaft war. | ||
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| + | »Ihr könnt es mir glauben, Herr Gevatter«, sagte er, als sie eben den Berg hinaufstiegen. »Ihr könnt es mir glauben, es ist mir vieles passiert, was andere nicht erlebt haben, und gäben viel Geld darum, wenn sie es erlebt hätten. Ihr werdet Euch selbst wundern, wie es mir einmal ergangen ist, als ich noch in Polen war, an dem ungeheuren Schlawer See, wo die Seeräuber manchmal Grausamkeiten verüben, wenn sie etwa landen, dass einem die Haut schauert. Komme da also einmal hinaus in den Wald. Es war schon etwas dämmerig. Ich gehe an einem Schlag hinauf; da wedelt etwas vor mir in der Schonung und sieht braun aus. Halt, denke ich, das ist eine Kuh, so im Gras liegt, halte mit meinem Rohre hin und schieße. Wie ich hinkomme, denkt euch mein Erstaunen, habe ich einen Frosch geschossen, aber einen Riesenfrosch, | ||
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| + | »Gevatter«, | ||
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| + | »Wie ich Euch sage, so groß als ein Ochse«, versetzte der Förster. »Ich nehme also den Frosch, ziehe ihm die Haut ab, lasse sie gerben und mir daraus ein paar Hosen, eine Weste und einen Pelzrock machen. Da geht kein Wasser durch und wenn man Tage lang im Weltmeer herumschwämme.« | ||
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| + | »Gevatter«, | ||
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| + | »Nicht wahr?«, fuhr der Förster auf, »das haben schon viele Menschen gesagt. Ich kann Euch aber da noch eine ganz andere Geschichte erzählen, die ich selbst erlebt habe. Ich hatte nämlich einmal einen Vorstehhund, | ||
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| + | Nun aber, Herr Gevatter, passt auf, was geschieht! Das Jahr darauf, es war gerade um dieselbe Zeit, gehe ich wieder in den Wald, und eben am Waldrande in einen Kanicht hinauf. Da sehe ich auf einem kleinen Rasenfleck mitten im Kanicht etwas Weißes und gehe darauf zu. Aber, denkt Euch mein Erstaunen, wie ich herankomme, sehe ich auf einem Fleck zwölf Vogelgerippe. Davor liegt das Gerippe meines Hundes, denn ich erkannte ihn an den doppelten Wolfsklauen. Hatte also der Hund hier eine Kitte Rebhühner gestellt. Da die Rebhühner aus Furcht vor dem Hund nicht aufzufliegen gewagt hatten, so war der pflichttreue Hund vor und mit ihnen verendet.« | ||
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| + | Der Pfarrer machte hier ein kurioses Gesicht, schüttelte mit dem Kopf und lachte. | ||
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| + | »Ja«, fuhr der Förster fort, »ist das nicht wunderbar? Und, er war einmal im Zuge, ein junger Hund, den ich von diesem gezogen hatte, war gerade von der Natur seines Vaters. Diese Natur war so in alle seine Teile hineingedrungen, | ||
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| + | »Na, Gevatter«, sagte der Pfarrer, » jetzt lügt nimmer, sonst passiert mir was.« | ||
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| + | Der Förster entrüstete sich über diesen Unglauben und blieb dabei, es sei alles wahr was er erzählte, und er könne hundert Zeugen stellen und drüber. Sie wären aber schwer zusammenzubringen. | ||
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| + | Indem, sie stiegen eben zu der Brotbaude hinauf, blieb der Pfarrherr, der voranging, etwas stehen und blickte zurück. | ||
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| + | »Gevatter«, | ||
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| + | Der Förster blickte hinter sich und sah ein langes haariges Ding sich auf der Erde hinschlängeln. | ||
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| + | »Es ist euch angewachsen, | ||
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| + | »Ja, es ist ein Zopf«, sprach eine Stimme neben ihnen, »und den wirst du tragen, mein Förster, bis du dir das Lügen abgewöhnt hast.« | ||
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| + | Es war Rübezahl, der das sagte, sich umdrehte und in den Wald hineinging. | ||
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| + | Der Pfarrherr und der Förster standen wie versteinert, | ||
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| + | Vergeblich versuchte zu Hause der Förster, er dachte, Zöpfe werden ja in allen Ländern gemacht und abgeschnitten, | ||
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sagen/ruebezahl30.1711635066.txt.gz · Zuletzt geändert: (Externe Bearbeitung)
