sagen:ruebezahl27
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| + | ====== Wie Rübezahl sich eines armen Studenten annimmt ====== | ||
| + | Rübezahl mag ohnehin ein Freund von Studenten gewesen sein. Aber zu der Zeit, als er auf den Bergen frei herrschte, war es freilich anders als jetzt, wo er sich nur selten zeigt. Gab es damals noch keine Pferde, die den Postmeistern die Orden verdienten, sondern es musste jeder, der kein Pferd war, erst etwas Tüchtiges lernen, dabei viel Geld aufwenden und wurde vielleicht am Ende doch nichts, obwohl er gelaufen war, so gut wie ein Wagen, und mühselig gezogen hatte, so gut wie ein Postpferd, geschweige denn, dass er einen Orden errungen hätte. Damals gab es meist arme Studenten. Diese hatten manchmal kaum das liebe Brot, und nur manche davon kamen endlich, wie ihr Bauern sagt, per aspera ad astra, und wenn nicht hier, doch nach dem Tod gewiss die meisten. | ||
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| + | Solchen armen Studenten half nun Rübezahl, wo er nur wusste und konnte. | ||
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| + | So ein Student, aus Trautenau gebürtig, war es, der auch einst übers Gebirge ging. Im Gehen dachte er an dieses und an jenes und wurde dabei immer schwermütiger, | ||
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| + | Der Fremde hörte ihn teilnehmend an, tröstete ihn, so gut er konnte, und fügte endlich noch hinzu, dass er zufällig das von ihm so sehnlich gewünschte Buch selbst besitze und es ihm eine Freude sei, ihm dasselbe verehren und seinen Kummer stillen zu können. Damit zog er das Buch aus seines Dieners Felleisen und überreichte es ihm als Geschenk. Der Student wusste nicht, wie er seine Dankbarkeit genug ausdrücken sollte, und hätte gern das Buch sogleich aufgemacht und darin gelesen, wenn sich das nur in Gegenwart des Reisenden geschickt hatte. | ||
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| + | Als aber bei einem Kreuzweg derselbe vom Studenten schied und seinen Weg allein fortsetzte, so holte dieser sein Buch hervor, um es zu durchblättern. Wie er es jedoch in der Hand hielt, verwandelte es sich auf einmal in ein Kistchen. Als er das öffnete, so fand er es mit Goldstücken angefüllt. Hexerei war das, so viel sah der Student. Er wusste freilich nicht, ob sich das alles nicht wieder verwandeln würde. In dieser Sorge kam er nach Landshut und dachte: Du willst doch versuchen, ob das Gold auch gilt. Er ging also zu einem Kaufmann, ein solches Goldstück zu einzutauschen. | ||
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| + | Der sagte: »So feines Gold ist mir noch nicht vorgekommen.« Und wechselte es dem Studenten aus. | ||
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| + | Da wurde denn dieser erst froh, dankte herzinniglich in einem stillen Gebete Gott und dem gütigen Geber, und machte seit der Zeit einen mäßigen Gebrauch von seinem Schatz zu seiner höheren Ausbildung, und war endlich sogar Doktor und ein berühmter Ictus geworden, von dessen Grundgelehrsamkeit noch viele Menschen zu erzählen wissen, obwohl er längst gestorben ist. | ||
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| + | Man mag nun Rübezahl sein oder nicht, so ist es immer schön, wenn man anderen Leuten in der Welt forthilft. | ||
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