sagen:ruebezahl23
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| + | ====== Wie Rübezahl einen mutwilligen Menschen vom Henkertod befreit ====== | ||
| + | In einem Städtlein unterm Gebirge war einmal ein Schuhknecht, | ||
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| + | Da dachte er nun freilich nicht an Rübezahl, sondern nur ans Unterkommen und ans liebe Brot, wie es auch bei dem schlimmsten Umtriebler ist, wenn der liebe Gott den Brotkorb hoch hängt, und braucht da ein verständiger und edler Mensch gar nicht erst zu strafen. | ||
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| + | Packte also der Mensch seine Siebensachen in sein Felleisen. Während er das aber tat, kam Rübezahl unsichtbar und steckte demselben einen silbernen Becher, etliche silberne Löffel und mehrere Schaumünzen und Raritäten in sein Felleisen noch mit hinein. Der Schuhknecht, | ||
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| + | Der Jüngling war wie vom Donner gerührt, beteuerte laut seine Unschuld und sagte, es müsse jemand ihm zum Possen die Sachen in sein Felleisen geschoben haben. Ja, da war aber nicht zu helfen. Der Schuster ließ die Ortsgerichte kommen, diese nahmen eine Verhandlung über den Hergang auf und schickten den Gesellen gefänglich zur Stadt zurück. | ||
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| + | Damals ging es nun bei solchen Gelegenheiten kurz her, und der arme Teufel, obwohln er seine Unschuld wiederholt beteuerte, wurde zum Galgen verurteilt, weil man die Sachen bei ihm gefunden hatte. Als er nun in der letzten Nacht vor seinem vermeintlichen Tod trostlos und ohne Schlaf in seinem Kerker saß, da öffnete sich die Tür. Rübezahl trat ins Gefängnis und fragte den armen Sünder, was er da mache. »Ach Gott«, wehklagte der Arme, »ich bin angeklagt, einen Diebstahl begangen zu haben und soll morgen gehenkt werden, so ich doch kein Dieb und so unschuldig bin, wie die Sonne am Himmel, so doch voller Flecken ist.« | ||
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| + | »Sieh, mein Freund«, sagte hierauf Rübezahl, »hieran bist du selbst schuld, denn hättest du in deinem Übermut nicht so oft mich übel behandelt und mit Schimpfworten überhäuft, | ||
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| + | Indessen wurde es Morgen, und in aller Frühe erschien schon ein Geistlicher, | ||
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| + | Rübezahl horchte hoch auf, drehte, wie es die Vögel machen, den Kopf bald auf die, bald auf jene Seite, schwieg eine Weile still, und sagte dann: »Papperlapapp.« | ||
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| + | Der Geistliche traute seinen Ohren kaum und entsetzte sich. Er fing aber doch seine Ermahnungen von Neuem an, wiewohl vergeblich, denn so oft er wieder begann, so oft erschallte auch das Papperlapapp. Als nun nichts weiter als Papperlapapp aus dem armen Sünder herauskommen wollte, so führte man ihn endlich zum Tor hinaus und hing ihn da unter lauter Papperlapapp-Geschrei an den hellen, lichten Galgen. | ||
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| + | Kaum war jedoch der Henker von der Leiter herunter, so verwandelte sich der Leichnam auf einmal in eine Schütte Stroh, die jedermann mit offenem Mund und unverkennbarem Entsetzen anstarrte. Die Weiber fassten sich zuerst und nahmen Reißaus, und die Männer liefen auch bald, wie sie es gewöhnlich machen, den Schürzen nach. | ||
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| + | So rächte sich Rübezahl doch immer noch auf eine billige Weise, aber schöner wäre es freilich gewesen, wenn er nicht so weit gegangen wäre. | ||
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| + | Merke: Man muss seinen Mutwillen niemals zu weit treiben; aber schön ist es dagegen, wenn man erfahrene Beleidigungen vergibt und vergisst. | ||
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