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 ====== Meister Gerhard von Rile, des Kölner Domes Baumeister ====== ====== Meister Gerhard von Rile, des Kölner Domes Baumeister ======
  
 In einem alten Gedichte, „Lobgesang auf den [[vip:annoii|heiligen Anno]]“, wird unter anderem erzählt: In einem alten Gedichte, „Lobgesang auf den [[vip:annoii|heiligen Anno]]“, wird unter anderem erzählt:
  
-„[[geo:trier|Trier]] war eine alte Burg, sie zierte der [[volk:römer|Römer]] Gewalt, von dannen man unter der Erde den Wein sandte ferne mit steinen Rinnen den Herren zu liebe, die zu [[geo:koeln|Köln]] waren seßhaft, gar mächtig war da ihre Kraft.“+„[[geo:Trier]] war eine alte Burg, sie zierte der [[volk:römer|Römer]] Gewalt, von dannen man unter der Erde den Wein sandte ferne mit steinen Rinnen den Herren zu liebe, die zu [[geo:Köln]] waren seßhaft, gar mächtig war da ihre Kraft.“
  
 Mit dieser Sage steht folgende Sage vom Kölner Dombau in Verbindung. Mit dieser Sage steht folgende Sage vom Kölner Dombau in Verbindung.
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 Mit einemmale hatte sich ein Fremder zu ihm gesellt. Ein feuerfarbener Mantel umgab ihn, und eine rote Hahnenfeder schwankte auf seinem schwarzen Barett. Er grüßte den Meister Gerhard, und auf dessen Befragen erklärte er ihm, daß er ein Baumeister aus welschem Lande sei, an dessen Kunstfertigkeit wohl die eines anderen nicht heranreichen werde.  Mit einemmale hatte sich ein Fremder zu ihm gesellt. Ein feuerfarbener Mantel umgab ihn, und eine rote Hahnenfeder schwankte auf seinem schwarzen Barett. Er grüßte den Meister Gerhard, und auf dessen Befragen erklärte er ihm, daß er ein Baumeister aus welschem Lande sei, an dessen Kunstfertigkeit wohl die eines anderen nicht heranreichen werde. 
  
-„Oho,“ meinte Meister Gerhard, „so rühmt sich mancher Pfuscher, deren es ja in allen Landen und in allen Künsten giebt.“ Des werde er ihn bald anders belehren, entgegnete der Fremde voll Zorns. Er wolle, wenn’s ihm genehm sei, darauf wetten, daß er ein [[typ:römerkanal|unterirdisch Bächlein]] von [[geo:Trier]] nach [[geo:Köln]] über Berg und Thal leiten werde, ehe der Meister Gerhard seinen Bau vollendet habe. „Um welchen Preis?“ fragte dieser voll guten Mutes. „Ich werde Deine Seele holen, wenn ich in Gestalt einer Ente auf dem Bächlein zu Dir geschwommen komme,“ sagte der Fremde, und hohnlachend verschwand er im Nu.+„Oho,“ meinte Meister Gerhard, „so rühmt sich mancher Pfuscher, deren es ja in allen Landen und in allen Künsten giebt.“ Des werde er ihn bald anders belehren, entgegnete der Fremde voll Zorns. Er wolle, wenn’s ihm genehm sei, darauf wetten, daß er ein [[haus:römerkanal|unterirdisch Bächlein]] von Trier nach Köln über Berg und Thal leiten werde, ehe der Meister Gerhard seinen Bau vollendet habe. „Um welchen Preis?“ fragte dieser voll guten Mutes. „Ich werde Deine Seele holen, wenn ich in Gestalt einer Ente auf dem Bächlein zu Dir geschwommen komme,“ sagte der Fremde, und hohnlachend verschwand er im Nu.
  
 Meister Gerhard war von dieser Stunde an immer traurig, wenn er auch emsiger als vorher noch auf die Förderung seines stolzen Baues sich bedacht zeigte. Seine Hausfrau forschte lange vergeblich dem Grunde seiner stillen Betrübnis nach, bis er endlich doch ihren Fragen nicht mehr widerstehen konnte. Als beide an einem stillen Abende nach des Tages Arbeit beisammen saßen, erzählte der Meister seiner Frau alles. Zugleich vertraute er ihr aber dabei an, daß er gar nicht bange zu sein brauche, weil unmöglich in dem Bächlein Wasser fließen könne, wenn nicht alle Viertelstunde ein Luftloch gelassen würde, und das würde dem Fremden wohl entgehen. Meister Gerhard war von dieser Stunde an immer traurig, wenn er auch emsiger als vorher noch auf die Förderung seines stolzen Baues sich bedacht zeigte. Seine Hausfrau forschte lange vergeblich dem Grunde seiner stillen Betrübnis nach, bis er endlich doch ihren Fragen nicht mehr widerstehen konnte. Als beide an einem stillen Abende nach des Tages Arbeit beisammen saßen, erzählte der Meister seiner Frau alles. Zugleich vertraute er ihr aber dabei an, daß er gar nicht bange zu sein brauche, weil unmöglich in dem Bächlein Wasser fließen könne, wenn nicht alle Viertelstunde ein Luftloch gelassen würde, und das würde dem Fremden wohl entgehen.
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 Nach diesem Berichte war mit einemmale der Magister von der Seite der Frau verschwunden, aber ein fürchterlicher Gestank verbreitete sich, und ihr war, als vernähme sie ein hämisches Gelächter. Nach diesem Berichte war mit einemmale der Magister von der Seite der Frau verschwunden, aber ein fürchterlicher Gestank verbreitete sich, und ihr war, als vernähme sie ein hämisches Gelächter.
  
-Da stand wieder eines Tages Meister Gerhard auf dem hohen Krahne seines Dombaues. Rastlos trieb er seine Werkleute zur Arbeit an. Plötzlich hörte er das laute Geschnatter einer [[typ:ente|Ente]]! Ohne sich zu besinnen, warf er sein Werkzeug zur Erde und stürzte sich von der Höhe des Baues herab in die Tiefe. Doch im Augenblicke fuhr der [[typ:teufel|Teufel]] in eines zottigen [[typ:hund|Pudelhundes]] Gestalt ihm nach, erwischte ihn und führte seine arme Seele der [[typ:hoelle|Hölle]] zu. An dem hohen Krahne des Domes soll noch heute diese Begebenheit in Stein ausgehauen zu sehen sein.+Da stand wieder eines Tages Meister Gerhard auf dem hohen Krahne seines Dombaues. Rastlos trieb er seine Werkleute zur Arbeit an. Plötzlich hörte er das laute Geschnatter einer Ente! Ohne sich zu besinnen, warf er sein Werkzeug zur Erde und stürzte sich von der Höhe des Baues herab in die Tiefe. Doch im Augenblicke fuhr der [[wesen:Teufel]] in eines zottigen Pudelhundes Gestalt ihm nach, erwischte ihn und führte seine arme Seele der Hölle zu. An dem hohen Krahne des Domes soll noch heute diese Begebenheit in Stein ausgehauen zu sehen sein.
  
 Kein Meister fand sich, der geschickt genug war, den Bau weiter zu führen. Meister Gerhards arme ruhelose Seele schwebt dort herum. Viele Werkleute sind seitdem schon dort herab gestürzt, denn Meister Gerhard treibt dort seinen Spuk und will es nicht leiden, daß ein Unberufener sich an sein angefangenes Werk wagt. Allnächtlich macht sein Geist die Runde um den Bau, der nun und nimmermehr vollendet werden wird. Kein Meister fand sich, der geschickt genug war, den Bau weiter zu führen. Meister Gerhards arme ruhelose Seele schwebt dort herum. Viele Werkleute sind seitdem schon dort herab gestürzt, denn Meister Gerhard treibt dort seinen Spuk und will es nicht leiden, daß ein Unberufener sich an sein angefangenes Werk wagt. Allnächtlich macht sein Geist die Runde um den Bau, der nun und nimmermehr vollendet werden wird.
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 So die Sage. [[vip:friedrich_wilhelm_iv|Friedrich Wilhelm IV.]] aber förderte mit hohem Eifer die Vollendung dieses Meisterwerkes der Baukunst, und unter [[vip:wilhelm_i._deutsches_reich|Kaiser Wilhelm I.]] ward der stolze Bau des Kölner Domes glücklich zu Ende geführt. Weihrauchdüfte und heilige Gesänge steigen längst dort zu Gott empor und die mächtigen Glocken verkündigen laut den Ruhm seiner Allmacht, seiner Barmherzigkeit.  So die Sage. [[vip:friedrich_wilhelm_iv|Friedrich Wilhelm IV.]] aber förderte mit hohem Eifer die Vollendung dieses Meisterwerkes der Baukunst, und unter [[vip:wilhelm_i._deutsches_reich|Kaiser Wilhelm I.]] ward der stolze Bau des Kölner Domes glücklich zu Ende geführt. Weihrauchdüfte und heilige Gesänge steigen längst dort zu Gott empor und die mächtigen Glocken verkündigen laut den Ruhm seiner Allmacht, seiner Barmherzigkeit. 
  
-//Quelle: [[autor:proehle|Heinrich Pröhle]], [[buch:rheinlandsschoenstesagen|Rheinlands schönste Sagen und Geschichten]], S. 214–216, 1886//+//Quellen:// 
 +  * //[[autor:proehle|Heinrich Pröhle]], [[buch:rheinlandsschoenstesagen|Rheinlands schönste Sagen und Geschichten]], 1886//
  
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