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| + | ====== Burg Gutenfels bei Kaub ====== | ||
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| + | Graf Philipp von Kaub wohnte im dreizehnten Jahrhundert auf der Burg Falkenstein bei Kaub. Er war noch unvermählt, | ||
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| + | Einstmals fuhren die beiden Geschwister auf einem schönen Schiffe den Rhein hinab, um in Köln einem Turnier beizuwohnen. Unter den Rittern, welche dort ihr Rößlein tummelten, war auch ein Fremder, der sich durch das prächtige Aussehen seiner Waffen und seiner Rüstung hervorthat. Seine Heimat war England, und wenn ihn auch die Ritter noch nicht kannten, so wurde doch der Erzbischof von Köln, an dessen Hofe das Turnier abgehalten wurde, mit ihm oft in einer vertrauten Unterredung erblickt. | ||
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| + | Der Ritter zog bald auch Guta’s Blick auf sich und kaum hatte sie ihn mit der Aufmerksamkeit betrachtet, welche seine hohe Erscheinung beanspruchen konnte, so fühlte sie sich zum ersten male im Leben vom Strahle der Liebe getroffen. Auch der fremde Ritter hatte in dem nämlichen Augenblicke die schöne Guta angeschaut, und als diese nun vor Verlegenheit einen ihrer Handschuhe zur Erde fallen ließ, hob der tapfere Held ihn auf und befestigte ihn an seinem Helme. Fast unbeweglich und ungerührt stand er nun vor der Königin des Festes, welche ihm den ersten Siegespreis erteilen mußte: ihr Blick machte während dieser feierlichen Handlung keinen Eindruck auf ihn, da sein Herz an die Dame vergeben war, deren Handschuh er trug. | ||
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| + | Erst bei dem Bankett, welches der Verteilung der Kampfpreise folgte, konnte sich der fremde Ritter der Jungfrau, deren Handschuh er aufgehoben hatte, wieder nähern. Mehr als einmal forderte er sie zum Tanze auf, dann aber legten beide einander auch das Geständnis ihrer Liebe ab. | ||
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| + | Es war Guta von dem Ritter verboten worden, ihren Bruder von diesem allen in Kenntnis zu setzen. Als dieser aber auf dem Bankett den Ritter wiederholt mit seiner Schwester tanzen sah, näherte er sich ihm selbst, wie es jedenfalls für den Begleiter der schönen Guta schicklich war. Es befremdete den Grafen von Falkenstein, | ||
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| + | Nach einiger Zeit erschien der fremde Ritter mit einem Knappen auf der Burg Falkenstein. Er blieb drei Tage dort oben, und wenn er schon durch das Aufheben des Handschuhes, | ||
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| + | Im deutschen Reiche aber waren damals die traurigen Zeiten der Zwischenherrschaft. Nachdem Konradin der Hohenstaufe in Italien hingerichtet war, wollten nur noch fremde Fürsten die deutsche Kaiserwürde annehmen. In dieser schrecklichen Zeit, da die Raubritter in Deutschland schalteten, wurde auch Richard von Cornwallis zum deutschen Kaiser gewählt. Nach der Wahl ertönte ein Freudenschrei durch manche Gegenden unseres damals so unglücklichen Vaterlandes, | ||
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| + | Von dem, was der Kaiser zu ihr gesagt hatte, war dem Grafen von Falkenstein zwar bisher durch seine Schwester manches verschwiegen worden; doch da der Graf merkte, daß es sich um den Ritter handelte, der ihn auf seiner Burg besucht hatte und seit dessen Abreise Guta in Trauer versunken war, so wollte er denselben eiligst im Gefolge des Kaisers suchen. Richard von Cornwallis bemerkte diese Absicht, hielt den Grafen zurück und befahl ihm gebieterisch, | ||
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| + | Obgleich Guta sich nicht einmal bei der Nachricht von der Ankunft des Kaisers von ihrem Krankenlager erhoben hatte, so sprang sie doch wie ein Reh empor, als sie durch ihren Bruder die Bestellung erhielt, welche ihr Richard von Cornwallis machen ließ. Sie fand den Kaiser und sein Gefolge im Rittersaale. Ihr erster Blick überflog das Gefolge des Kaisers, welches auch der Graf, der mit ihr in der Saalthüre stehen blieb, mit dem Auge musterte, ehe er die Schwester zum Kaiser führte. Erst als ihr Auge ebensowenig als das ihres Bruders im Stande war, aus dieser Menge sogleich den älteren Besucher herauszufinden, | ||
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| + | Die Burg Falkenstein bei Kaub erhielt von der Kaiserin Guta zum Andenken an diese Begebenheit den Namen Gutenfels. | ||
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| + | Wenn wir auch Richard von Cornwallis nur als einen Fremdling ansehen und keineswegs zu den deutschen Kaisern rechnen, auf welche wir stolz sind, so kann es doch als eine Anerkennung für die guten persönlichen Eigenschaften dieses Gemahles der rheinischen Gräfin Guta durch seine deutschen Zeitgenossen angesehen werden, daß sie trotz seines geringen Ansehens im deutschen Reiche doch nicht vor Richard’s Tode Rudolf von Habsburg zu seinem Nachfolger erwählt haben. | ||
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