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| ====== Das Sankt Rochusfest ====== | ====== Das Sankt Rochusfest ====== | ||
| - | Sankt Rochus war aus Montpellier gebürtig, und hieß sein Vater Johann, die Mutter aber Libera, und zwar hatte dieser Johann nicht nur Montpellier, | + | Sankt Rochus war aus Montpellier gebürtig, und hieß sein Vater Johann, die Mutter aber Libera, und zwar hatte dieser Johann nicht nur Montpellier, |
| - | Er war noch nicht zwanzig Jahre alt, als seine Eltern starben, da er dann all sein ererbtes Vermögen unter die Armen austeilte, das Regiment über das Land niederlegte, | + | Er war noch nicht zwanzig Jahre alt, als seine Eltern starben, da er dann all sein ererbtes Vermögen unter die Armen austeilte, das Regiment über das Land niederlegte, |
| Als nun Rochus wieder ein wenig zu Kräften kam, begab er sich vollends nach Florenz, heilte daselbst viele von der Pest und wurde selbst durch eine Stimme vom Himmel völlig wiederhergestellt. Er beredete auch Gotthardus dahin, daß dieser sich entschloß, mit ihm seine Wohnung in dem Walde aufzuschlagen und Gott ohne Unterlaß zu dienen, welches auch Gotthardus versprach, wenn er nur bei ihm bleiben wollte; da sie sich denn eine geraume Zeit mit einander in einer alten Hütte aufhielten, und nachdem endlich Rochus den Gotthardus zu solchem Eremitenleben genugsam eingeweiht, machte er sich abermals auf den Weg und kam nach einer beschwerlichen Reise glücklich wieder nach Hause und zwar in seine Stadt, die ihm ehemals zugehört und die er seinem Vetter geschenkt hatte. Allda nun wurde er, weil es Kriegszeit war, für einen Kundschafter gehalten und vor den Landesherrn geführt, der ihn wegen der großen Veränderung und armseligen Kleidung nicht mehr kannte, sondern in ein hart Gefängnis setzen ließ. Er aber dankte seinem Gott, daß er ihn allerlei Unglück erfahren ließ und brachte fünf ganze Jahre im Kerker zu; wollte es auch nicht einmal annehmen, wenn man ihm etwas Gekochtes zu essen brachte, sondern kreuzigte noch dazu seinen Leib mit Wachen und Fasten. Als er merkte, daß sein Ende nahe sei, bat er die Bedienten des Kerkermeisters, | Als nun Rochus wieder ein wenig zu Kräften kam, begab er sich vollends nach Florenz, heilte daselbst viele von der Pest und wurde selbst durch eine Stimme vom Himmel völlig wiederhergestellt. Er beredete auch Gotthardus dahin, daß dieser sich entschloß, mit ihm seine Wohnung in dem Walde aufzuschlagen und Gott ohne Unterlaß zu dienen, welches auch Gotthardus versprach, wenn er nur bei ihm bleiben wollte; da sie sich denn eine geraume Zeit mit einander in einer alten Hütte aufhielten, und nachdem endlich Rochus den Gotthardus zu solchem Eremitenleben genugsam eingeweiht, machte er sich abermals auf den Weg und kam nach einer beschwerlichen Reise glücklich wieder nach Hause und zwar in seine Stadt, die ihm ehemals zugehört und die er seinem Vetter geschenkt hatte. Allda nun wurde er, weil es Kriegszeit war, für einen Kundschafter gehalten und vor den Landesherrn geführt, der ihn wegen der großen Veränderung und armseligen Kleidung nicht mehr kannte, sondern in ein hart Gefängnis setzen ließ. Er aber dankte seinem Gott, daß er ihn allerlei Unglück erfahren ließ und brachte fünf ganze Jahre im Kerker zu; wollte es auch nicht einmal annehmen, wenn man ihm etwas Gekochtes zu essen brachte, sondern kreuzigte noch dazu seinen Leib mit Wachen und Fasten. Als er merkte, daß sein Ende nahe sei, bat er die Bedienten des Kerkermeisters, | ||
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| Noch jetzt wird das St. Rochusfest gefeiert. Wenn die erste Traube reift, die dann den Altar des Heiligen schmückt, welchen das Volk, wie es heißt, auch als Schutzheiligen der Rebe verehrt, so gewinnt die kahle Höhe ein anderes Ansehen. Eine Stadt von Zelten entsteht, die für des Leibes Bedürfnis reiche Erquickungen darbietet, und die gewerbliche Thätigkeit entfaltet sich schon mehrere Tage vorher, Alles zu ordnen und zu bereiten, was dem müden Wallfahrer Labe gewähren kann. Endlich bricht der Morgen des Festes an. Das harmonische Geläute von Bingen und allen naheliegenden Orten des Rheingaues grüßt ihn, und der köstliche „Resonanzboden des Rheines“ trägt die ergreifenden, | Noch jetzt wird das St. Rochusfest gefeiert. Wenn die erste Traube reift, die dann den Altar des Heiligen schmückt, welchen das Volk, wie es heißt, auch als Schutzheiligen der Rebe verehrt, so gewinnt die kahle Höhe ein anderes Ansehen. Eine Stadt von Zelten entsteht, die für des Leibes Bedürfnis reiche Erquickungen darbietet, und die gewerbliche Thätigkeit entfaltet sich schon mehrere Tage vorher, Alles zu ordnen und zu bereiten, was dem müden Wallfahrer Labe gewähren kann. Endlich bricht der Morgen des Festes an. Das harmonische Geläute von Bingen und allen naheliegenden Orten des Rheingaues grüßt ihn, und der köstliche „Resonanzboden des Rheines“ trägt die ergreifenden, | ||
| - | Der Dichter Goethe zog im Jahre 1814 mit der ruhigen und ernsten Binger Prozession nach Bingen hinab. In dem herrlich gelegenen Bingen angelangt, fand er jedoch daselbst keine Ruhe. Er wünschte vielmehr, wie er sagt, nach so viel wunderbaren, | + | Der Dichter |
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