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| + | ====== Das Sankt Rochusfest ====== | ||
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| + | Sankt Rochus war aus Montpellier gebürtig, und hieß sein Vater Johann, die Mutter aber Libera, und zwar hatte dieser Johann nicht nur Montpellier, | ||
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| + | Er war noch nicht zwanzig Jahre alt, als seine Eltern starben, da er dann all sein ererbtes Vermögen unter die Armen austeilte, das Regiment über das Land niederlegte, | ||
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| + | Als nun Rochus wieder ein wenig zu Kräften kam, begab er sich vollends nach Florenz, heilte daselbst viele von der Pest und wurde selbst durch eine Stimme vom Himmel völlig wiederhergestellt. Er beredete auch Gotthardus dahin, daß dieser sich entschloß, mit ihm seine Wohnung in dem Walde aufzuschlagen und Gott ohne Unterlaß zu dienen, welches auch Gotthardus versprach, wenn er nur bei ihm bleiben wollte; da sie sich denn eine geraume Zeit mit einander in einer alten Hütte aufhielten, und nachdem endlich Rochus den Gotthardus zu solchem Eremitenleben genugsam eingeweiht, machte er sich abermals auf den Weg und kam nach einer beschwerlichen Reise glücklich wieder nach Hause und zwar in seine Stadt, die ihm ehemals zugehört und die er seinem Vetter geschenkt hatte. Allda nun wurde er, weil es Kriegszeit war, für einen Kundschafter gehalten und vor den Landesherrn geführt, der ihn wegen der großen Veränderung und armseligen Kleidung nicht mehr kannte, sondern in ein hart Gefängnis setzen ließ. Er aber dankte seinem Gott, daß er ihn allerlei Unglück erfahren ließ und brachte fünf ganze Jahre im Kerker zu; wollte es auch nicht einmal annehmen, wenn man ihm etwas Gekochtes zu essen brachte, sondern kreuzigte noch dazu seinen Leib mit Wachen und Fasten. Als er merkte, daß sein Ende nahe sei, bat er die Bedienten des Kerkermeisters, | ||
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| + | Als nun im Jahre 1414 zu Konstanz ein Konzilium gehalten wurde und die Pest allda entstand, auch nirgends Hülfe vorhanden war, ließ die Pest alsobald nach, sobald man diesen Heiligen anrief und ihm zu Ehren Prozessionen anstellte. Bei Bingen wurde ihm die Rochuskapelle im Jahre 1666 zum Andenken an das Aufhören einer furchtbar wütenden Pest erbaut; sie wurde ein Wallfahrtsort. Aber zu großer Betrübnis der Gegend war dieses Gotteshaus während der Freiheitskriege verwüstet worden, wenn auch nicht aus Willkür und Mutwillen, so doch, weil hier ein Posten die ganze Gegend überschauen und einen Teil derselben beherrschen konnte. So war das Gebäude denn aller gottesdienstlichen Erfordernisse, | ||
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| + | Deswegen aber war der Glaube an den Heiligen nicht gesunken, welcher auf Gelübde hört und Pest und ansteckende Krankheiten abwendet. Freilich war an Wallfahrten hierher nicht zu denken gewesen, denn vorsichtig und argwöhnisch verbot der Feind alle frommen Auf- und Umzüge als gefährliche Zusammenkünfte. Beförderten sie doch Gemeinsinn und begünstigten Verschwörungen. Von 1789 bis 1813 konnte daher kein Fest bei der St. Rochuskapelle gefeiert werden. Doch wurden benachbarte Gläubige, welche von dem Vorteile örtlicher Wallfahrt sich überzeugt fühlten, durch große Not gedrängt, das Äußerste zu versuchen. Hiervon erzählen die Rüdesheimer folgendes merkwürdige Beispiel. In tiefer Winternacht erblickten sie einen Fackelzug, der sich ganz unerwartet von Bingen aus den Hügel hinauf bewegte, endlich um die Kapelle versammelte und dort, wie man vermuten mußte, seine Andacht verrichtete. Inwiefern die damaligen französischen Behörden dem Drange dieser Gelobenden nachgesehen, | ||
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| + | Eine Gesellschaft aus Wiesbaden, in welcher sich der Dichter Goethe als Kurgast befand, wollte dem Feste gleichfalls beiwohnen. Man hielt die letzte Rast im Gasthofe zur Krone zu Rüdesheim. Er war an einem alten Turme angebaut und ließ aus den vorderen Fenstern rheinabwärts, | ||
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| + | Von Bingen heraufwärts erstreckt sich nahe am Strome ein Hügel gegen das obere flache Land. An seinem östlichen Ende sieht man die dem heiligen Rochus gewidmete Kapelle. | ||
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| + | Die Gesellschaft aus Wiesbaden besuchte an diesem Tage das weit sich erstreckende Rüdesheim hinabgehend das alte römische Kastell, welches sich durch seine treffliche Mauerung dort erhalten hat. Man trat daselbst in einen brunnenartigen Hof. Der Raum ist eng, hohe schwarze Mauern steigen wohlgefügt in die Höhe, rauh anzusehen, denn die Steine sind äußerlich unbehauen, eine kunstlose Rustica. Die steilen Wände sind durch neuangelegte Treppen ersteiglich; | ||
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| + | Als die Gesellschaft am Abend in den Gasthof zurückkehrte, | ||
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| + | Ein kluger Gast versetzte darauf: bei einzelnen Fällen komme es hauptsächlich darauf an, daß man sich an den eigentlichen Heiligen wende, in dessen Fach die Angelegenheit gehöre. Der Feuersbrunst zu wehren, sei St. Florian beauftragt; den Wunden verschaffe St. Sebastian Heilung; was den dritten Punkt betreffe, so wisse man nicht ob St. Hubertus vielleicht Hülfe geschafft hätte. Im übrigen sei den Gläubigen genugsamer Spielraum gegeben, da im ganzen vierzehn heilige Nothelfer aufgestellt worden wären. Man ging die Tugenden derselben durch und fand, daß es nicht Nothelfer genug geben könne. | ||
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| + | Um dergleichen selbst in heiterer Stimmung immer bedenkliche Betrachtungen loszuwerden, | ||
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| + | Schon jetzt waren die Schiffer sämmtlich rege und beschäftigt. Die Segel wurden bereitet; man feuerte von oben, den Tag anzufangen, wie man ihn abends angekündigt hatte. Schon zeigten sich einzelne sogar gesellig verbundene Figuren als Schattenbilder am klaren Himmel um die Kapelle und auf dem Bergrücken, | ||
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| + | Nun war es Zeit! Auch die Gesellschaft aus der Krone zu Rüdesheim befand sich mitten auf dem Flusse. Segel und Ruder von ihrem Schifflein wetteiferten mit Segel und Ruder von hundert anderen Schiffen. Dann stiegen die Fremden aus. Den steilsten, im Zickzack über Felsen springenden Stieg erklommen sie mit Hundert und aber Hunderten, langsam, öfters rastend und scherzend. | ||
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| + | Oben um die Kapelle fand man Drang und Bewegung. Man gelangte selbst mit hinein. Der innere Raum bildete ein beinahe gleiches Viereck, jede Seite von etwa dreißig Fuß, das Chor im Grunde vielleicht zwanzig. Hier stand der Hauptaltar, nicht modern, aber im wohlhäbigen katholischen Kirchengeschmacke. Er stieg hoch in die Höhe, und die Kapelle überhaupt hatte ein recht freies Ansehen. Zwei ähnliche Altäre in den nächsten Ecken des Hauptvierecks waren nicht beschädigt, | ||
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| + | Diese Gesellschaft wurde von einem in der Gegend sehr angesehenen nassauischen Beamten geführt. Zu demselben traten einige ältere Männer aus Bingen. Sie rühmten ihn als einen guten und hülfreichen Nachbar, ja, als den Mann, der ihnen das damalige Fest mit Anstand zu feiern erst möglich gemacht habe. Bei dieser Gelegenheit erfuhr die Gesellschaft, | ||
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| + | Der damalige Zustand des Gotteshauses war den Reisenden um so erbaulicher, | ||
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| + | In jenem Kloster war auch die Verehrung der Gebeine des heiligen Ruprecht üblich gewesen. Diese Überreste des heiligen Ruprechts, die man sonst zu Eilingen gläubig berührt und als hülfreich gepriesen hatte, fand man nun hier wieder. Und so manchen belebte ein freudiges Gefühl, einem längst erprobten Gönner wieder in die Nähe zu treten. Hierbei bemerkte man wohl, daß es sich nicht geziemt hätte, diese Heiligtümer in den Kauf mit einzuschließen oder zu irgend einem Preis anzuschlagen; | ||
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| + | Bald wurden auch unsere Reisenden vom Gewühl ergriffen; tausend Gestalten stritten sich um ihre Aufmerksamkeit. Diese Völkerschaften waren an Kleidung und Tracht nicht von einander verschieden, | ||
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| + | Eine Reihe von Buden, wie sie ein Kirchweihfest erfordert, stand unfern der Kapelle. Voran geordnet sah man Kerzen, gelbe, weiße, gemalte, dem verschiedenen Vermögen der Weihenden angemessen. Gebetbücher folgten, Officien zu Ehren des Gefeierten. Rosenkränze aller Art fanden sich häufig. Sodann aber war auch für Wecken, Semmeln, Pfeffernüsse und mancherlei Buttergebackenes gesorgt. Durch Galanteriewaaren und Spielsachen sollten Kinder verschiedenen Alters angelockt werden. | ||
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| + | Die Prozessionen dauerten fort. Dörfer unterschieden sich von Dörfern. Die Kinder waren schön, die reifere Jugend nicht. Die alten Gesichter erschienen sehr ausgearbeitet; | ||
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| + | Eine große Bewegung aber verkündete, | ||
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| + | Die Prozession kam herauf, gereiht und geordnet wie die übrigen: vorweg die kleinsten Knaben, Jünglinge und Männer hinterdrein. Dazu der heilige Rochus getragen, im schwarzsammetnen Pilgerkleide und einem langen Königsmantel von gleichem Stoff, unter welchem ein kleiner Hund, das Brot zwischen den Zähnen haltend, hervorschaute. Sogleich folgten mittlere Knaben in kurzen schwarzen Pilgerkutten, | ||
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| + | Ein rotseidener Baldachin wankte herauf. Unter ihm verehrte man das Hochwürdigste, | ||
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| + | Nun aber ward von diesem edlen und vielfach würdigen Vorfall der Betrachter in unschicklicher Weise abgezogen durch einen Lärm im Rücken, durch ein wunderliches, | ||
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| + | An dem Hügel rückwärts entstand ein seltsames Rufen. Es waren nicht Töne des Haders, des Schreckens, der Wut, aber doch wild genug. Zwischen Gestein und Busch und Gestrüpp lief eine aufgeregte Menge hin und wieder. Halt! – Hier! – Da! – Dort! – Nun! – Hier! – Nun heran! – so schallte es mit allerlei Tönen. Hunderte beschäftigten sich mit hastigem Ungestüm durch Laufen und Springen, Jagen und Verfolgen. Erst in dem Augenblicke als der Bischof mit dem hochehrwürdigen Zuge die Höhe erreichte, ward das Rätsel gelöst. | ||
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| + | Ein flinker derber Bursche lief hervor, einen blutenden Dachs behaglich vorzuweisen. Das arme schuldlose Tier, durch die Bewegung der andringenden fremden Menge aufgeschreckt, | ||
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| + | Alles drängte sich nun gegen die Kapelle. Unsere Reisenden, durch die Menge seitwärts geschoben, verweilten im Freien, um an der Rückseite des Hügels die weite Aussicht zu genießen, die sich in das Thal eröffnet, in welchem die Nahe ungesehen heranschleicht. Hier beherrscht ein gesundes Auge die fruchtbare mannigfaltige Gegend bis zu dem Fuße des Donnersberges, | ||
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| + | An dieser für die Aussicht so günstigen Stelle standen Gezelte, Buden, Bänke und Schirme aller Art aufgereiht. Ein willkommener Geruch gebratenen Fettes drang den Fremden entgegen. Sie fanden eine thätige junge Wirtin, eines Metzgers Tochter, die damit umging, in einem weiten glühenden Aschenhaufen frische Würste zu braten. Durch eigenes Handreichen und die unablässige Bemühung flinker Diener wußte sie einer solchen Masse zuströmender Gäste genug zu thun. Auch die Reisenden aus Wiesbaden, mit fetter dampfender Speise, mit frischem Brote reichlich versehen, bemühten sich, an einem geschirmten langen und schon besetzten Tische Platz zu finden. | ||
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| + | Freundliche Leute rückten zusammen, und man erfreute sich einer angenehmen, ja liebenswürdigen Gesellschaft, | ||
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| + | So konnte es denn nicht fehlen, daß ein Hauptgegenstand des Gespräches der Wein blieb. Da erhob sich denn sogleich ein Streit über den Vorzug der verschiedenen Gewächse. Hier war es erfreulich zu sehen, daß die Magnaten unter den Weinen keinen Rangstreit hatten. Hochheimer, Johannisberger, | ||
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| + | Nun rühmte dagegen die Gesellschaft von der Nahe einen in ihrer Gegend wachsenden Wein, der Montzinger genannt. Er soll sich leicht und angenehm wegtrinken, aber doch, ehe man sich’s versieht, zu Kopfe steigen. | ||
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| + | An dem Tische, wo sich die Reisenden befanden, wurde über die Zahl der anwesenden Besucher und Wallfahrer gestritten. Nach Einiger Meinung sollten 10 000, nach Anderer mehr und dann noch mehr an jenem Tage auf dem Hügelrücken durcheinander wimmeln. Ein österreichischer Offizier mit militärischem Blicke bekannte sich zu dem höchsten Gebot. Noch mehrere Gespräche kreuzten sich. | ||
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| + | Verschiedene Bauernregeln und sprichwörtliche Wetterprophezeiungen, | ||
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| + | Ein Bergbewohner, | ||
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| + | Morgens rund,\\ | ||
| + | Mittags gestampft, | ||
| + | Abends in Scheiben;\\ | ||
| + | Dabei soll’s bleiben\\ | ||
| + | Es ist gesund.\\ | ||
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| + | Es sollen sich diese Reime auf die allzu häufige Kartoffelnahrung beziehen. Indessen freuten sich die Anderen über diese glückliche Genügsamkeit und manche versicherten, | ||
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| + | Nun stand manche Gesellschaft gleichgültig auf und verließ den fast unübersehbaren Tisch. Andere grüßten und wurden gegrüßt. So verlor sich die Menge nach und nach. Nur die sich besonders liebgewonnen hatten, zauderten. Man verließ sich ungern, ja, man kehrte einigemal gegen einander zurück, das angenehme Weh eines solchen Abschiedes zu genießen, und versprach sich endlich zu einiger Beruhigung ein unmögliches Wiedersehen. | ||
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| + | Außer den Zelten und Buden empfand man damals dort in der hohen Sonne sogleich den Mangel an Schatten, welchen jedoch bereits eine große neue Anpflanzung junger Nußbäume auf dem Hügelrücken dem heutzutage lebenden Geschlechte reichlich zusagte. | ||
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| + | Eine neue Bewegung deutete auf ein neues Ereignis; man eilte zur Predigt, alles Volk drängte sich nach der Ostseite. Dort war das Gebäude noch nicht vollendet, hier standen noch Rüststangen, | ||
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| + | Diejenigen, welche der Predigt zuhörten, schauten zu dem reinen Gewölbe des Himmels hinauf. Das klarste Blau war von leicht hin schwebenden Wolken belebt. Alle standen auf hoher Stelle. Die Aussicht rheinaufwärts war licht, deutlich und frei. Den Prediger hatte die zahlreiche Gemeinde zur Linken über sich. Er sah sie vor sich rheinabwärts. Der Raum für die Zuhörer war eine große unvollendete Terrasse, ungleich und hinterwärts abhängig. Der Redner überschaute von oben eine wundersame stillschwankende Woge von Menschen. Der Platz, wo der Bischof der Predigt zuhörte, war nur durch den hervorragenden Baldachin bezeichnet, er selbst in der Menge verborgen und verschlungen. Die steinerne Kanzel, außen an der Kirchmauer von Kragsteinen getragen, war nur von innen zugänglich. | ||
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| + | Der Prediger trat hervor, ein Geistlicher in den besten Jahren. Die Sonne stand hoch, daher ihm ein Knabe den Schirm überhielt. Er sprach mit klarer, verständlicher Stimme einen rein verständigen Vortrag. Seine Rede zeigte einen milden, Thätigkeit fordernden Geist und ist später von dem Dichter Goethe folgendermaßen aufgezeichnet worden: | ||
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| + | „Andächtige, | ||
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| + | Er ist dieser Gnade würdig geworden, so dürfen wir mit Zutrauen erwidern, gleich allen denen, die wir als Heilige verehren, weil er die vorzüglichste Eigenschaft besaß, die alles übrige Gute in sich schließt, eine unbedingte Ergebenheit in Gottes Willen. | ||
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| + | Denn obgleich kein sterblicher Mensch sich anmaßen dürfte, Gott gleich, oder demselben auch nur ähnlich zu werden, so bewirkt doch schon eine unbegrenzte Hingebung in seinen heiligen Willen die erste und sicherste Annäherung an das höchste Wesen. | ||
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| + | Sehen wir doch ein Beispiel an Vätern und Müttern, die, mit vielen Kindern gesegnet, liebreiche Sorge für alle tragen. Zeichnet sich aber das eine oder das andere darunter durch Folgsamkeit und Gehorsam besonders aus, befolgt ohne Zaudern und Fragen die elterlichen Gebote, vollzieht es die Befehle sofort und beträgt sich dergestalt, als lebte es nur in und für die Erzeuger, so erwirbt es sich große Vorrechte. Auf dessen Bitte und Fürbitte hören die Eltern und lassen oft Zorn und Unmut, durch freundliche Liebkosungen besänftigt, | ||
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| + | Aber auch diese wichtige und schwere Handlung wäre von keinen seligen Folgen gewesen, wenn St. Rochus für so große Aufopferungen einen irdischen Lohn erwartet hätte. Solche gottseligen Thaten kann nur Gott belohnen und zwar in Ewigkeit. Die Spanne der Zeit ist zu kurz für grenzenlose Vergeltung. Und so hat auch der Ewige unsern heiligen Mann für alle Zeiten begnadigt und ihm die höchste Seligkeit gewährt, nämlich anderen, wie er schon hienieden im Leben gethan, auch von oben herab für und für hülfreich zu sein. | ||
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| + | Wir dürfen ihn daher in jedem Sinne als ein Muster betrachten, an welchem wir die Stufen unseres geistlichen Wachstums abmessen. Habt ihr nun in traurigen Tagen euch an ihn gewendet, und glückliche erlebt durch göttliche Huld, so beseitiget allen Übermut und anmaßliches Hochfahren; aber fragt euch demütig und wolgemut: haben wir denn seine Eigenschaften vor Augen gehabt? haben wir uns beeifert ihm nachzustreben? | ||
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| + | Ergaben wir uns zur schrecklichsten Zeit, unter kaum erträglichen Lasten, in den Willen Gottes? Unterdrückten ein aufkeimendes Murren? Lebten wir einer getrosten Hoffnung, um zu verdienen, daß sie uns nun so unerwartet als gnädig gewährt sei? Haben wir in den gräßlichsten Tagen pestartig wütender Krankheiten nicht nur gebetet und um Rettung gefleht? Haben wir den Unserigen näher oder entfernter Verwandten und Bekannten, ja Fremden und Widersachern in dieser Not beigestanden um Gottes und des Heiligen willen unser Leben dran gewagt? Könnt ihr nun diese Fragen im stillen Herzen mit Ja beantworten, | ||
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| + | Dürft ihr sodann, wie ich nicht zweifle, noch hinzufügen: | ||
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| + | Die Aufmerksamkeit auf jedes Wort war groß. Alle einzeln herangekommenen Wallfahrer und alle vereinigten Gemeindeprocessionen standen hier versammelt, nachdem sie vorher ihre Standarten und Fahnen an die Kirche zur linken Hand des Predigers angelehnt hatten zu nicht geringer Zierde des Ortes. Erfreulich war es aber, nebenan in einem kleinen Höfchen sämmtliche herangetragene Bilder auf Gerüsten erhöht zu sehen. Drei Muttergottesbilder von verschiedener Größe standen neu und frisch im Sonnenschein. Die langen rosenfarbenen Schleifenbänder flatterten munter und lustig im lebhaftesten Zugwinde. Das Christuskind im Goldstoffe blieb immer freundlich. Der heilige Rochus schaute seinem eigenen Feste ruhig zu. Er war jetzt mehr als einmal vorhanden, doch stand die Gestalt im schwarzen Sammetkleide wie billig voran. | ||
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| + | Die Predigt hatte gewiß für alle heilsam geendigt. Jeder hatte die deutlichen Worte vernommen und jeder die verständigen praktischen Lehren beherzigt. Der Bischof, der bisher im Freien unter seinem Baldachin geweilt hatte, kehrte zur Kirche zurück. Man vernahm aus derselben den Wiederhall des Te Deum. Das Ein- und Ausströmen der Menge war höchst bewegt, das Fest neigte sich zu seiner Auflösung. Die Processionen reihten sich um abzuziehen; die Lidenheimer, | ||
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| + | Noch jetzt wird das St. Rochusfest gefeiert. Wenn die erste Traube reift, die dann den Altar des Heiligen schmückt, welchen das Volk, wie es heißt, auch als Schutzheiligen der Rebe verehrt, so gewinnt die kahle Höhe ein anderes Ansehen. Eine Stadt von Zelten entsteht, die für des Leibes Bedürfnis reiche Erquickungen darbietet, und die gewerbliche Thätigkeit entfaltet sich schon mehrere Tage vorher, Alles zu ordnen und zu bereiten, was dem müden Wallfahrer Labe gewähren kann. Endlich bricht der Morgen des Festes an. Das harmonische Geläute von Bingen und allen naheliegenden Orten des Rheingaues grüßt ihn, und der köstliche „Resonanzboden des Rheines“ trägt die ergreifenden, | ||
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| + | Der Dichter [[vip: | ||
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