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| + | ====== Der Eber von der Ebernburg bei Kreuznach ====== | ||
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| + | Auf der Ebernburg im Nahethale, sagte Ulrich von Hutten, seien Streitroß und Waffengewerbe, | ||
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| + | Der Eber, welcher in dem Namen der Ebernburg vorkommt, war auch an der Burg abgebildet. Den Namen und das Bild erklären zwei Sagen, die beide nebeneinander erzählt zu werden verdienen. Möge denn der freundliche Leser selbst sich darüber entscheiden, | ||
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| + | In alter Zeit war der Gaugraf Rupert von Altenbaumburg auch im Besitze dieser Feste. In seiner Jugend hatte er der Absicht, sich zu vermählen entsagt, doch war er seinem Entschlusse nicht treu geblieben und hatte noch im Alter ein Auge auf ein Edelfräulein geworfen, welches bei der heiligen Hildegard auf dem Rupertsberge bei Bingen erzogen wurde. | ||
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| + | Das Edelfräulein, | ||
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| + | Als Jutta’s Verwandte sahen, daß diese Bedenken trug, den Schleier zu nehmen, ja selbst als Novize eine Probezeit einzugehen, verbanden sie sich mit dem alten Ritter Rupert, um diesem alten Freunde und keinem Andern zu einer Verbindung behilflich zu sein. Die beiden Verlobten aber blieben ihrer Absicht getreu, und mit immer steigender Wut überzeugte sich Rupert, daß er darauf werde verzichten müssen, Jutta heimzuführen. | ||
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| + | Anstatt nun aber allmählig sich wieder zu beruhigen, schwur Rupert, daß Heinrich von Stein mit ihm kämpfen solle um Jutta, sobald er ihn in den Waldungen träfe, in denen das große und das kleine Jagdgebiet Ruperts und Heinrichs aneinander grenzten. Alle, die solche Reden hörten, mußten darüber lachen, denn Heinrich war zwar viel ärmer an Besitzungen als Rupert, aber durch seine Kräfte ihm weit überlegen. Dies hinderte indessen nicht, daß der ältere Herr, nachdem er den Jüngling lange vergeblich in den Forsten gesucht hatte, ihn einen Feigling schalt. Wirklich vermied Heinrich von Stein, welcher eine Art von Herausforderung von Rupert erhalten hatte, die Begegnung mit dem älteren Ritter, jedoch nicht aus Feigheit, sondern teils um seinen ehrenwerten Nachbar zu schonen, teils um die Verwandten seiner Braut, welche ihm ohnehin zürnten, nicht noch mehr zu reizen. | ||
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| + | Statt seinem jugendlichen Nachbar zu begegnen, stieß Ritter Rupert eines Tages im Walde auf einen ungeheuren Eber. Mit seinem gewaltigen Hauzahne fuhr derselbe in Herrn Ruperts Lanze, daß sie wie ein Strohhalm zersplitterte. Wie es in solchen und ähnlichen Fällen auf der Wildschweinsjagd zu geschehen pflegt, so war nun Herr Rupert in der größten Gefahr, durch den Eber eine tödliche Wunde zu empfangen. | ||
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| + | Da wurden die Zweige im Gebüsche dicht neben Herrn Rupert plötzlich auseinandergebogen, | ||
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| + | Bei der Ankunft befahl Rupert, seinen Gast aufs beste zu bewirten. Er verließ ihn dann auf einige Stunden, schrieb Briefe, sandte Boten aus mit vielen Einladungen für den nächsten Morgen und nahm noch mit Heinrich von Stein die Abendmahlzeit ein. Nach dem Schlaftrunke sagte er seinem neuen Freunde, daß er selbst sehr ermüdet sei und ihn am andern Tage erst spät zum Morgenimbiß werde rufen lassen. | ||
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| + | Indessen war Rupert am andern Morgen schon früh bei der Hand, um neue Gäste zu empfangen, die er am Tage vorher eingeladen hatte. Heinrich von Stein dagegen, von den Anstrengungen des vorigen Tages so ermüdet, schlief fest, bis er gegen zehn Uhr, als alle neuen Gäste versammelt waren, zum Frühtrunke gerufen wurde. | ||
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| + | Als Heinrich von Stein in den Rittersaal eintrat, erblickte er Jutta und ihre Verwandten nebst anderen Rittern und Edelfrauen. Herr Rupert bat zu Aller Erstaunen bei Jutta’s Verwandten um Jutta’s Hand, aber nicht für sich, sondern für Heinrich von Stein. Damit Heinrich aber nicht mehr zu arm schiene, um in ihre Familie eintreten zu können, so setzte er ihn zu seinem Erben ein für die Burg, auf welcher man sich befand. Der Burgkaplan konnte bereits eine von ihm aufgesetzte Urkunde über die Schenkung vorlesen. Gern willigten Jutta’s Verwandte nun in die Heirat mit Heinrich von Stein, Rupert’s Verwandte aber unterschrieben die Schenkung, da sie auch ohne die Ebernburg nach dem Tode des reichen Rupert immer noch eine große Erbschaft zu erwarten hatten. Den Namen aber soll die Burg an diesem Tage gleichfalls empfangen haben wegen der lebhaften Schilderung des Kampfes mit dem Eber, die Rupert, froh, mit dem Leben noch einmal davongekommen zu sein, beim Frühtrunke machte. | ||
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| + | Noch lustiger ist die andere Erzählung, nach welcher die Ebernburg gleichfalls früher einen anderen Namen gehabt haben muß. | ||
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| + | Als die ältere Ebernburg einst belagert wurde, wehrten sich ihre Bewohner so tapfer, daß der Feind nur zum Ziele zu kommen glaubte, wenn er sie vollständig aushungerte. Es dauerte auch gar nicht lange, so waren auf der Ebernburg die wenigen Hühner und Gänse, Tauben und Enten, Kühe und Schafe verzehrt, die sich dort oben auf dem steilen Berge befanden. Mit großer Besorgnis sahen die Burgbewohner auch, wie sich die Früchte, welche sie im vorigen Jahre gesammelt hatten, verminderten; | ||
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| + | Nachdem die Bewohner der Ebernburg das Spiel vierzehn Tage lang getrieben hatten, verzweifelte der Feind daran, sie auszuhungern und gab die Belagerung auf. Der Burgherr beschloß nun, ein Fest für seine Leute anzustellen, | ||
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