sagen:otto_mit_dem_bart
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| - | Otto mit dem Bart. | ||
| - | Latein. Verse bei Gottfr. v. Witerbo (Pistorius II. 326. 327.) | ||
| - | altd. Gedicht von Conrad Wurzburg | ||
| - | (Cod. pal. 341. fol. 241b - 246a. und Cod. 395. fol 92d - 98b.) | ||
| - | Crusius ann. dod. II. 130. 131. | ||
| - | Königshofen, | ||
| - | Cöln. Chronik v. 1499. Bl. 129. | ||
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| - | Kaiser Otto der Große wurde in allen Landen gefürchtet, | ||
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| - | Unterdessen hatten die Herren Gotte gedient und gesungen, und kehrten zurück; da sah der Kaiser den blutigen Estrich, fragte und vernahm, was sich zugetragen hatte. Heinrich von Kempten wurde auf der Stelle vorgefordert, | ||
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| - | Heinrich, sobald er diese Gewißheit hatte, ließ er den rothen Bart aus seiner Hand und den Kaiser aufstehen. Dieser setzte sich aber ungezögert auf den königlichen Stuhl, strich sich den Bart, und redete in diesen Worten: „Ritter, Leib und Leben hab ich euch zugesagt; damit fahrt eurer Wege, hütet euch aber vor meinen Augen, daß sie euch nimmer wieder sehn, und raumet mir Hof und Land! ihr seyd mir zu schwer zum Hofgesind, und mein Bart müsse immerdar euer Scheermesser meiden!“ Da nahm Heinrich von allen Rittern und Bekannten Urlob, und zog gen Schwaben auf sein Land und Feld, das er vom Stifte zu Lehen trug; lebte einsam und in Ehren. | ||
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| - | Danach über zehn Jahre begab es sich, daß Kaiser Otto einen schweren Krieg führte, jenseit des Gebirges, und vor einer festen Stadt lag. Da wurde er nothhaft an Leuten und Mannen, und sandte heraus [159] nach deutschen Landen: wer ein Lehn von dem Reiche trage, solle ihm schnell zu Hülfe eilen, bei Verlust des Lehens und seines Dienstes. Nun kam auch ein Bote zu dem Abt nach Kempten, ihn auf die Fahrt zu mahnen. Der Abt besandte wiederum seine Dienstleute, | ||
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| - | Hiermit rüstete sich Heinrich zu dem Heerzug, und kam bald nach Wälschland zu der Stadt, wo die Deutschen lagen; jedoch barg er sich vor des Kaisers Antlitz und floh ihn. Sein Zelt ließ er ein wenig seitwärts vom Heere schlagen. Eines Tages lag er da und badete, in einem Zuber, und konnte aus dem Bad in die Gegend schauen. Da sah er einen Haufen Bürger aus der belagerten Stadt kommen, und den Kaiser dagegen reiten zu einem Gespräch, das zwischen beiden Theilen verabredet worden war. Die treulosen Bürger, hatten aber diese List ersonnen; denn als [160] der Kaiser ohne Waffen und arglos zu ihnen ritt, hielten sie gerüstete Mannschaft im Hinterhalte, | ||
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| - | Nun wußten wohl einige, daß es Heinrich von Kempten gewesen war; doch fürchteten sie den Namen dessen auszusprechen, | ||
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| - | Als Heinrich von Kempten hereingeführt war, gebürdete der Kaiser sich zornig und sprach „wie getrauet ihr, mir unter Augen zu treten? ihr wißt doch wohl, warum ich euer Feind bin, der ihr meinen Bart gerauft und ohne Scheermesser geschoren habt, daß er noch ohne Locke steht. Welch hochfärtiger Uebermuth hat euch jetzt daher geführt? | ||
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| - | Autor: Brüder Grimm | ||
| - | Titel: Otto mit dem Bart | ||
| - | aus: Deutsche Sagen, Band 2, S. 156-161 | ||
| - | Auflage: 1. Auflage | ||
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sagen/otto_mit_dem_bart.1578783982.txt.gz · Zuletzt geändert: (Externe Bearbeitung)
