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sagen:otmarvolckssagen022

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 Als sie an dem [[kirche:klosterhuysburg|Kloster Huyseburg]] vorbei ging, hoffte sie, ein [[wesen:Engel]] sollte ihr einen Priester entgegen führen, der sie, ohne daß sie ihm das Geheimniß vorher entdeckte, von ihrem Eide entbände. Aber, kein Priester erschien. Dämmerung und Schlaf deckte noch das Kloster und seine Bewohner. – Sie ging weiter, stand jetzt vor dem Walde, und sahe die Stadt noch im Nebel gehüllt vor sich liegen. Die Stille um sie her war ihr graunvoll; sie fühlte sich einsam und von der ganzen Welt verlassen. – Jetzt ging die Sonne auf, und die ganze schöne Landschaft lag frei vor ihr. Aber, ihre Brust war beklommen; es war ihr, als wenn die Morgenluft auf dem freien Berge, die sie sich so oft nur einmal einathmen zu können gewünscht hatte, ihr das Herz zerdrücken wollte. Die Angst beflügelte ihre Schritte; sie kam, ohne einem menschlichen Wesen zu begegnen, zur Stadt, fand die Häuser der Juden, die nahe am Thor wohnten, von denen sie die Kleider kaufen wollte, noch verschlossen, und wollte wieder zu ihrem Kerker zurückkehren. Als sie an dem [[kirche:klosterhuysburg|Kloster Huyseburg]] vorbei ging, hoffte sie, ein [[wesen:Engel]] sollte ihr einen Priester entgegen führen, der sie, ohne daß sie ihm das Geheimniß vorher entdeckte, von ihrem Eide entbände. Aber, kein Priester erschien. Dämmerung und Schlaf deckte noch das Kloster und seine Bewohner. – Sie ging weiter, stand jetzt vor dem Walde, und sahe die Stadt noch im Nebel gehüllt vor sich liegen. Die Stille um sie her war ihr graunvoll; sie fühlte sich einsam und von der ganzen Welt verlassen. – Jetzt ging die Sonne auf, und die ganze schöne Landschaft lag frei vor ihr. Aber, ihre Brust war beklommen; es war ihr, als wenn die Morgenluft auf dem freien Berge, die sie sich so oft nur einmal einathmen zu können gewünscht hatte, ihr das Herz zerdrücken wollte. Die Angst beflügelte ihre Schritte; sie kam, ohne einem menschlichen Wesen zu begegnen, zur Stadt, fand die Häuser der Juden, die nahe am Thor wohnten, von denen sie die Kleider kaufen wollte, noch verschlossen, und wollte wieder zu ihrem Kerker zurückkehren.
  
-Aber, der Taumel ihrer Gedanken machte sie schwindeln. Sie verfehlte den Weg in der Stadt, und, halb besinnungslos stand sie mit einemmal auf dem Marktplatz in der Mitte derselben. Es war noch so früh am Tage, daß sie auch hier keinen Menschen sah. Sie richtete ihren niedergesenkten Blick in die Höhe, und sahe die [[ding:rolandsstatue|Rolands-Säule]] an der Ecke des Rathhauses. Ueberwältigt von ihrem Jammer und von dem Drang ihrem vollen Herzen Luft zu machen, warf sie sich vor dem steinernen Bilde auf die Knie, und erzählte diesem, unter Strömen von Thränen und lautschluchzend ihre Leiden, und die Abscheulichkeiten, die sie in der Raubhöle gesehen und gehört hatte.+Aber, der Taumel ihrer Gedanken machte sie schwindeln. Sie verfehlte den Weg in der Stadt, und, halb besinnungslos stand sie mit einemmal auf dem Marktplatz in der Mitte derselben. Es war noch so früh am Tage, daß sie auch hier keinen Menschen sah. Sie richtete ihren niedergesenkten Blick in die Höhe, und sahe die [[ding:rolandstatue|Rolands-Säule]] an der Ecke des Rathhauses. Ueberwältigt von ihrem Jammer und von dem Drang ihrem vollen Herzen Luft zu machen, warf sie sich vor dem steinernen Bilde auf die Knie, und erzählte diesem, unter Strömen von Thränen und lautschluchzend ihre Leiden, und die Abscheulichkeiten, die sie in der Raubhöle gesehen und gehört hatte.
  
 Ein vorbeigehender Gerichtsdiener hörte einen Theil ihrer Beichte, und nötigte sie, mit ihm zu dem Schöffen zu gehen. Hier, da sie ihr Geheimniß schon verrathen sahe, und von drei Priestern feierlich ihres Eides entbunden wurde, erzählte sie ohne Rückhalt, was sie wußte, und versprach auch, den listigen Räuber den Richtern zu überliefern. Dann eilte sie, so schnell sie konnte, nach der Höle zurück, und bestreute den Pfad, der durch das Gebüsch sich zu derselben hinauf wand, mit einzelnen Erbsen, welche ihr die Richter zu dem Behuf mitgegeben hatten. Ein vorbeigehender Gerichtsdiener hörte einen Theil ihrer Beichte, und nötigte sie, mit ihm zu dem Schöffen zu gehen. Hier, da sie ihr Geheimniß schon verrathen sahe, und von drei Priestern feierlich ihres Eides entbunden wurde, erzählte sie ohne Rückhalt, was sie wußte, und versprach auch, den listigen Räuber den Richtern zu überliefern. Dann eilte sie, so schnell sie konnte, nach der Höle zurück, und bestreute den Pfad, der durch das Gebüsch sich zu derselben hinauf wand, mit einzelnen Erbsen, welche ihr die Richter zu dem Behuf mitgegeben hatten.
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-{{tag>sagen otmar volckssagen harz klosterhuysburg höhle räuber braupfanne eid schweigen kerker geburt kindesmord belagerung richter haselnuss hufeisen list schwur rolandsstatue unhold v2}}+{{tag>sagen otmar volckssagen harz klosterhuysburg höhle räuber braupfanne eid schweigen kerker geburt kindesmord belagerung richter haselnuss hufeisen list schwur rolandstatue unhold v2}}
  
  
sagen/otmarvolckssagen022.1707320556.txt.gz · Zuletzt geändert: (Externe Bearbeitung)