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sagen:otmarvolckssagen019

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 Er entdeckte bald eine nicht sehr hohe Mauer, auf der mehrere kleine Thürme standen, und nicht weit von dem Stalle, von einigen mächtigen Eichen überdeckt, ein eisernes Fallgatter, das den Eingang in den Burghof verschloß. Mit immer wachsendem Muth (denn vorbei war die Gespensterstunde, und der Mond leuchtete ihm) nahte er sich, mit leisem Tritt, dem Fallgatter, und sah hinein in den Burghof, sah am Ende desselben das Thürmlein, das hinauf zum Rittersaal führte. Er entdeckte bald eine nicht sehr hohe Mauer, auf der mehrere kleine Thürme standen, und nicht weit von dem Stalle, von einigen mächtigen Eichen überdeckt, ein eisernes Fallgatter, das den Eingang in den Burghof verschloß. Mit immer wachsendem Muth (denn vorbei war die Gespensterstunde, und der Mond leuchtete ihm) nahte er sich, mit leisem Tritt, dem Fallgatter, und sah hinein in den Burghof, sah am Ende desselben das Thürmlein, das hinauf zum Rittersaal führte.
  
-Auf der Mitte des Hofes stand eine Rug-Säule((Rug- oder Ruge-land [[ding:rolandsstatue|(Roland-) Säule]], war das Zeichen der peinlichen Gerichtsbarkeit, und stellte einen mit einem großen Schwerdt bewaffneten Mann dar.)), mit ausgespreiteten Armen. Mit einemmal zeigte sich hier dem Knecht ein wunderseltsames Abentheuer. Drei große Hähne stiegen majestätisch herab von dem runden Dach des Burgverließes, und wandelten langsam über den Hof, dem geharnischten Schwerdtträger zu. Dann hoben sie sich zugleich im Fluge. Der größte Hahn, höher und stärker befiedert, als ein Adler, setzte sich auf den Kopf der Rolands-Säule, die anderen nahmen Platz auf seinen Ellenbogen. Und nun krähten sie, alle drei zugleich dreimal, daß der Hof und der nahe Wald wiederhallten. Alles still. Dann erscholl es, wie aus dumpfer Ferne: „Wehe! Wehe! Wehe!“ – Siebenmal krähten nun noch lauter die Hähne, und das: „Wehe! Wehe! Wehe!“ erscholl zum zweitenmal. – Neunmal krähten noch lauter die Hähne; und nun erhob sich der große Hahn hoch in die Lüfte, und schrie: „Wehe! Wehe! Wehe! Heute noch versinkt die Raubburg!“+Auf der Mitte des Hofes stand eine Rug-Säule((Rug- oder Ruge-land [[ding:rolandstatue|(Roland-) Säule]], war das Zeichen der peinlichen Gerichtsbarkeit, und stellte einen mit einem großen Schwerdt bewaffneten Mann dar.)), mit ausgespreiteten Armen. Mit einemmal zeigte sich hier dem Knecht ein wunderseltsames Abentheuer. Drei große Hähne stiegen majestätisch herab von dem runden Dach des Burgverließes, und wandelten langsam über den Hof, dem geharnischten Schwerdtträger zu. Dann hoben sie sich zugleich im Fluge. Der größte Hahn, höher und stärker befiedert, als ein Adler, setzte sich auf den Kopf der Rolands-Säule, die anderen nahmen Platz auf seinen Ellenbogen. Und nun krähten sie, alle drei zugleich dreimal, daß der Hof und der nahe Wald wiederhallten. Alles still. Dann erscholl es, wie aus dumpfer Ferne: „Wehe! Wehe! Wehe!“ – Siebenmal krähten nun noch lauter die Hähne, und das: „Wehe! Wehe! Wehe!“ erscholl zum zweitenmal. – Neunmal krähten noch lauter die Hähne; und nun erhob sich der große Hahn hoch in die Lüfte, und schrie: „Wehe! Wehe! Wehe! Heute noch versinkt die Raubburg!“
  
 Taumelnd wankte der Knecht nach dem überwölbten Stall zurück, rüttelte zitternd seinen Herrn, der wie im Todesschlafe da lag, bis er endlich erwachte, und verkündete, bebend wie Espenlaub, ihm die unerhörte Mähre, während er die noch gesattelten Rosse zäumte. Kopfschüttelnd strafte der Ritter aus Welschland seinen Knecht Lügen, und glaubte dennoch die Erzählung, und schauderte daß zusammen, bei dem: „Wehe! Wehe! Wehe!“ – Und, ohne zu säumen, eilten beide von dannen, durch Gebüsch und Hecken, bis sie endlich die gebahnte Straße fanden. Taumelnd wankte der Knecht nach dem überwölbten Stall zurück, rüttelte zitternd seinen Herrn, der wie im Todesschlafe da lag, bis er endlich erwachte, und verkündete, bebend wie Espenlaub, ihm die unerhörte Mähre, während er die noch gesattelten Rosse zäumte. Kopfschüttelnd strafte der Ritter aus Welschland seinen Knecht Lügen, und glaubte dennoch die Erzählung, und schauderte daß zusammen, bei dem: „Wehe! Wehe! Wehe!“ – Und, ohne zu säumen, eilten beide von dannen, durch Gebüsch und Hecken, bis sie endlich die gebahnte Straße fanden.
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 //Quelle: [[autor:johann_karl_christoph_nachtigal|Johann Karl Christoph Nachtigal]]: [[buch:volckssagen|Volcks-Sagen]]. Wilmans, Bremen 1800, Seite 253// //Quelle: [[autor:johann_karl_christoph_nachtigal|Johann Karl Christoph Nachtigal]]: [[buch:volckssagen|Volcks-Sagen]]. Wilmans, Bremen 1800, Seite 253//
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sagen/otmarvolckssagen019.1707321467.txt.gz · Zuletzt geändert: (Externe Bearbeitung)