Benutzer-Werkzeuge

Webseiten-Werkzeuge


sagen:otmarvolckssagen019

Unterschiede

Hier werden die Unterschiede zwischen zwei Versionen angezeigt.

Link zu dieser Vergleichsansicht

Beide Seiten der vorigen RevisionVorhergehende Überarbeitung
Nächste Überarbeitung
Vorhergehende Überarbeitung
sagen:otmarvolckssagen019 [2024/02/07 16:56] – ewuschsagen:otmarvolckssagen019 [2025/01/30 17:54] (aktuell) – Externe Bearbeitung 127.0.0.1
Zeile 11: Zeile 11:
 Hier schwelgten, und lärmten und tanzten die fahrenden Ritter lange Tage und Nächte hindurch. Und mit Schrecken hörte der ferne Wanderer oft, zwischen dem Lärm der Bunge((Die ältere Pauke.)) und der Drometen, das dumpfe Jammergeschrei derer, die in unterirdischen Hölen gemordet wurden. Menschliche Hülfe war hier umsonst; denn, mächtige verbündete Ritter schützten die Burg mit ihren Reisigen. Aber, zum Himmel stieg auf das Geschrei der Gewaltthat. Und, es nahte der Tag der Rache! Hier schwelgten, und lärmten und tanzten die fahrenden Ritter lange Tage und Nächte hindurch. Und mit Schrecken hörte der ferne Wanderer oft, zwischen dem Lärm der Bunge((Die ältere Pauke.)) und der Drometen, das dumpfe Jammergeschrei derer, die in unterirdischen Hölen gemordet wurden. Menschliche Hülfe war hier umsonst; denn, mächtige verbündete Ritter schützten die Burg mit ihren Reisigen. Aber, zum Himmel stieg auf das Geschrei der Gewaltthat. Und, es nahte der Tag der Rache!
  
-Einst verirrte sich an einem neblichten Herbsttage, ein fern her kommender Ritter aus [[land:italien|Welschland]] mit seinem Knechte, im [[region:harz|Harzgebirg]], und kam zu dieser Burg, welche, abwärts von der Straße, welche Reisende zu ziehen pflegten, im dichten Walde versteckt lag. Schon war die Nacht eingebrochen, und rings um die Burgmauer her war weder Mensch zu sehen noch Thier. Doch hörten sie drinnen ein wildes Gekreisch wie von betrunkenen, lärmenden Männern, und Hörnern und Drometen, begleitet vom Geheul großer Hunde. Die Reisenden pochten und riefen an einer Hinterpforte im Dickicht. Aber zu ihrem Glück hörte niemand ihr Klopfen noch Rufen; denn, es tobte der Sturm in der Nacht, und der Regen rasselte auf den Dächern.+Einst verirrte sich an einem neblichten Herbsttage, ein fern her kommender Ritter aus [[lex:Welschland]] mit seinem Knechte, im [[region:harz|Harzgebirg]], und kam zu dieser Burg, welche, abwärts von der Straße, welche Reisende zu ziehen pflegten, im dichten Walde versteckt lag. Schon war die Nacht eingebrochen, und rings um die Burgmauer her war weder Mensch zu sehen noch Thier. Doch hörten sie drinnen ein wildes Gekreisch wie von betrunkenen, lärmenden Männern, und Hörnern und Drometen, begleitet vom Geheul großer Hunde. Die Reisenden pochten und riefen an einer Hinterpforte im Dickicht. Aber zu ihrem Glück hörte niemand ihr Klopfen noch Rufen; denn, es tobte der Sturm in der Nacht, und der Regen rasselte auf den Dächern.
  
 Der Knecht, des Rufens müde, suchte ein Obdach. Und endlich fand er tappend, und durch das Gebüsch sich drängend, unfern dem Eingange zur Burg, eine gewölbte Vertiefung, und in ihr eine Pferdekrippe, woran ein fressender Klepper stand. Froh über diese Entdeckung brachte er seinen Herrn und die Pferde hieher, und ließ sie an dem Futter sich laben, womit die Krippe angefüllt war. Der Knecht, des Rufens müde, suchte ein Obdach. Und endlich fand er tappend, und durch das Gebüsch sich drängend, unfern dem Eingange zur Burg, eine gewölbte Vertiefung, und in ihr eine Pferdekrippe, woran ein fressender Klepper stand. Froh über diese Entdeckung brachte er seinen Herrn und die Pferde hieher, und ließ sie an dem Futter sich laben, womit die Krippe angefüllt war.
Zeile 31: Zeile 31:
 Er entdeckte bald eine nicht sehr hohe Mauer, auf der mehrere kleine Thürme standen, und nicht weit von dem Stalle, von einigen mächtigen Eichen überdeckt, ein eisernes Fallgatter, das den Eingang in den Burghof verschloß. Mit immer wachsendem Muth (denn vorbei war die Gespensterstunde, und der Mond leuchtete ihm) nahte er sich, mit leisem Tritt, dem Fallgatter, und sah hinein in den Burghof, sah am Ende desselben das Thürmlein, das hinauf zum Rittersaal führte. Er entdeckte bald eine nicht sehr hohe Mauer, auf der mehrere kleine Thürme standen, und nicht weit von dem Stalle, von einigen mächtigen Eichen überdeckt, ein eisernes Fallgatter, das den Eingang in den Burghof verschloß. Mit immer wachsendem Muth (denn vorbei war die Gespensterstunde, und der Mond leuchtete ihm) nahte er sich, mit leisem Tritt, dem Fallgatter, und sah hinein in den Burghof, sah am Ende desselben das Thürmlein, das hinauf zum Rittersaal führte.
  
-Auf der Mitte des Hofes stand eine Rug-Säule((Rug- oder Ruge-land [[ding:rolandsstatue|(Roland-) Säule]], war das Zeichen der peinlichen Gerichtsbarkeit, und stellte einen mit einem großen Schwerdt bewaffneten Mann dar.)), mit ausgespreiteten Armen. Mit einemmal zeigte sich hier dem Knecht ein wunderseltsames Abentheuer. Drei große Hähne stiegen majestätisch herab von dem runden Dach des Burgverließes, und wandelten langsam über den Hof, dem geharnischten Schwerdtträger zu. Dann hoben sie sich zugleich im Fluge. Der größte Hahn, höher und stärker befiedert, als ein Adler, setzte sich auf den Kopf der Rolands-Säule, die anderen nahmen Platz auf seinen Ellenbogen. Und nun krähten sie, alle drei zugleich dreimal, daß der Hof und der nahe Wald wiederhallten. Alles still. Dann erscholl es, wie aus dumpfer Ferne: „Wehe! Wehe! Wehe!“ – Siebenmal krähten nun noch lauter die Hähne, und das: „Wehe! Wehe! Wehe!“ erscholl zum zweitenmal. – Neunmal krähten noch lauter die Hähne; und nun erhob sich der große Hahn hoch in die Lüfte, und schrie: „Wehe! Wehe! Wehe! Heute noch versinkt die Raubburg!“+Auf der Mitte des Hofes stand eine Rug-Säule((Rug- oder Ruge-land [[ding:rolandstatue|(Roland-) Säule]], war das Zeichen der peinlichen Gerichtsbarkeit, und stellte einen mit einem großen Schwerdt bewaffneten Mann dar.)), mit ausgespreiteten Armen. Mit einemmal zeigte sich hier dem Knecht ein wunderseltsames Abentheuer. Drei große Hähne stiegen majestätisch herab von dem runden Dach des Burgverließes, und wandelten langsam über den Hof, dem geharnischten Schwerdtträger zu. Dann hoben sie sich zugleich im Fluge. Der größte Hahn, höher und stärker befiedert, als ein Adler, setzte sich auf den Kopf der Rolands-Säule, die anderen nahmen Platz auf seinen Ellenbogen. Und nun krähten sie, alle drei zugleich dreimal, daß der Hof und der nahe Wald wiederhallten. Alles still. Dann erscholl es, wie aus dumpfer Ferne: „Wehe! Wehe! Wehe!“ – Siebenmal krähten nun noch lauter die Hähne, und das: „Wehe! Wehe! Wehe!“ erscholl zum zweitenmal. – Neunmal krähten noch lauter die Hähne; und nun erhob sich der große Hahn hoch in die Lüfte, und schrie: „Wehe! Wehe! Wehe! Heute noch versinkt die Raubburg!“
  
-Taumelnd wankte der Knecht nach dem überwölbten Stall zurück, rüttelte zitternd seinen Herrn, der wie im Todesschlafe da lag, bis er endlich erwachte, und verkündete, bebend wie Espenlaub, ihm die unerhörte Mähre, während er die noch gesattelten Rosse zäumte. Kopfschüttelnd strafte der Ritter aus [[lex:Welschland]] seinen Knecht Lügen, und glaubte dennoch die Erzählung, und schauderte daß zusammen, bei dem: „Wehe! Wehe! Wehe!“ – Und, ohne zu säumen, eilten beide von dannen, durch Gebüsch und Hecken, bis sie endlich die gebahnte Straße fanden.+Taumelnd wankte der Knecht nach dem überwölbten Stall zurück, rüttelte zitternd seinen Herrn, der wie im Todesschlafe da lag, bis er endlich erwachte, und verkündete, bebend wie Espenlaub, ihm die unerhörte Mähre, während er die noch gesattelten Rosse zäumte. Kopfschüttelnd strafte der Ritter aus Welschland seinen Knecht Lügen, und glaubte dennoch die Erzählung, und schauderte daß zusammen, bei dem: „Wehe! Wehe! Wehe!“ – Und, ohne zu säumen, eilten beide von dannen, durch Gebüsch und Hecken, bis sie endlich die gebahnte Straße fanden.
  
-Jetzt ging ihnen lang’ erwünscht die Sonne auf, aber halbverfinstert, und wie mit einem Trauerflor umschleiert. Schon sahen sie von weitem die beglänzten Thurmspitzen [[geo:Magdeburg]]s. Da hörten sie, in weiter Ferne hinter sich, ein dumpfes Getöse, wie von einem fernen Donner. Sie blickten zurück, und sahen eine große, dicke Dampfsäule aufsteigen, wie aus einem feuerspeienden Berge. – „Ha! rief der Knecht, gewiß ist dort versunken die verruchte Burg! Aus dem Schwefelpfuhl, worin die Unholde stürzten, steigt jener Dampf auf!“+Jetzt ging ihnen lang’ erwünscht die Sonne auf, aber halbverfinstert, und wie mit einem Trauerflor umschleiert. Schon sahen sie von weitem die beglänzten Thurmspitzen [[geo:magdeburg|Magdeburgs]]. Da hörten sie, in weiter Ferne hinter sich, ein dumpfes Getöse, wie von einem fernen Donner. Sie blickten zurück, und sahen eine große, dicke Dampfsäule aufsteigen, wie aus einem feuerspeienden Berge. – „Ha! rief der Knecht, gewiß ist dort versunken die verruchte Burg! Aus dem Schwefelpfuhl, worin die Unholde stürzten, steigt jener Dampf auf!“
  
 „Komm, sprach sein Herr, wir wollen dorthin zurückkehren, um zu sehen die wunderbare Geschichte; ich habe so in dem Stall meine Handschuh zurück gelassen, das Abschiedsgeschenk meiner Verlobten.“ – Aber höchlich weigerte sich des der Knecht. Und, zürnend und drohend ritt der Ritter aus Welschland allein der aufsteigenden Dampfsäule zu. Zitternd folgte ihm endlich der Knecht in langer Entfernung. „Komm, sprach sein Herr, wir wollen dorthin zurückkehren, um zu sehen die wunderbare Geschichte; ich habe so in dem Stall meine Handschuh zurück gelassen, das Abschiedsgeschenk meiner Verlobten.“ – Aber höchlich weigerte sich des der Knecht. Und, zürnend und drohend ritt der Ritter aus Welschland allein der aufsteigenden Dampfsäule zu. Zitternd folgte ihm endlich der Knecht in langer Entfernung.
  
-Nach einigen Stunden erreichten sie die Gegend, wo der Dampf aufbrudelte. Der Ritter befahl seinem Knecht, hineinzureiten in die Dampfwolke, und seine [[typ:Handschuh]]e zu holen. Der Knecht bebte zurück. Da riß der Ritter zähneknirschend sein Schwerdt aus der Scheide, und stieß es dem Knecht in die Brust. – Noch jetzt siehst du, unfern des Grundloses, den Stein, wo der Herr seinen zögernden Knecht würgte, und, bei Sonnenfinsternissen, noch, hier und da, Tropfen des Bluts, das den Stein überspritzte.+Nach einigen Stunden erreichten sie die Gegend, wo der Dampf aufbrudelte. Der Ritter befahl seinem Knecht, hineinzureiten in die Dampfwolke, und seine Handschuhe zu holen. Der Knecht bebte zurück. Da riß der Ritter zähneknirschend sein Schwerdt aus der Scheide, und stieß es dem Knecht in die Brust. – Noch jetzt siehst du, unfern des Grundloses, den Stein, wo der Herr seinen zögernden Knecht würgte, und, bei Sonnenfinsternissen, noch, hier und da, Tropfen des Bluts, das den Stein überspritzte.
  
 Der Ritter weilte, bis die Sonne höher stieg, und nur noch eine dichte Dampfsäule die Mitte der Schreckensgegend verhüllte. Er sah nun vor sich einen See, der immer größer wurde, je mehr der Nebel sich in der Mitte zusammendrängte, und fand endlich am Ufer die Krippe, an der in der Nacht sein Streitroß stand, und in ihr – o Wunder! – die Handschuh, die seine Verlobte ihm gab. Der Ritter weilte, bis die Sonne höher stieg, und nur noch eine dichte Dampfsäule die Mitte der Schreckensgegend verhüllte. Er sah nun vor sich einen See, der immer größer wurde, je mehr der Nebel sich in der Mitte zusammendrängte, und fand endlich am Ufer die Krippe, an der in der Nacht sein Streitroß stand, und in ihr – o Wunder! – die Handschuh, die seine Verlobte ihm gab.
Zeile 59: Zeile 59:
 //Quelle: [[autor:johann_karl_christoph_nachtigal|Johann Karl Christoph Nachtigal]]: [[buch:volckssagen|Volcks-Sagen]]. Wilmans, Bremen 1800, Seite 253// //Quelle: [[autor:johann_karl_christoph_nachtigal|Johann Karl Christoph Nachtigal]]: [[buch:volckssagen|Volcks-Sagen]]. Wilmans, Bremen 1800, Seite 253//
 ---- ----
-{{tag>sagen otmar volckssagen hakel raubritter ritter wanderer gerippe räuber mörder hunger knecht hecht karpfen karausche versinken handschuh Welschland schlüsselbund v2}}+{{tag>sagen otmar volckssagen harz hakel raubritter ritter wanderer gerippe räuber mörder hunger knecht hecht karpfen karausche versinken handschuh Welschland schlüsselbund erdfall schaffner v2}}
sagen/otmarvolckssagen019.1707321396.txt.gz · Zuletzt geändert: (Externe Bearbeitung)