sagen:otmarvolckssagen017
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| + | > Sage des Monats September 2023 | ||
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| + | ====== Die Dummburg ====== | ||
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| + | „Mit Schauder naht der Wanderer den Trümmern der [[burg: | ||
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| + | Lange Zeit hauseten in der Dummburg Räuber, welche die vorbeiziehenden Reisenden und Kaufleute, die sie auf der Landstraße von [[geo: | ||
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| + | Die geraubten Schätze von Gold und Silber und Edelsteinen liegen noch jetzt aufgethürmt in den verschütteten Kellern und Gewölben der Dummburg. Doch nur selten ist es einem Wanderer vergönnt, die hineinführenden Pforten zu finden, wenn er auch hier und da verfallne Eingänge entdeckt. – Geister in Mönchsgestalten, | ||
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| + | Einst sah’ ein armer Holzhauer, der hinter den Felsentrümmern eine Buche fällen wollte, einen Mönch langsam daher kommen durch den Forst, und verbarg sich hinter dem Baum. Der Mönch ging vorbei, und in die Klippen hinein. Der Holzhauer schlich ihm nach, und sah, daß der Mönch an einer kleinen Pforte stehen blieb, die noch keiner der Dorfbewohner entdeckt hatte. Der Mönch klopfte leise an, und rief: „Thürlein, | ||
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| + | Den nächsten Sonnabend fastete er; und mit Sonnenaufgang ging er am Sonntage, mit dem Rosenkranz in der Hand, hin zu den bezeichneten Klippen. Jetzt stand er vor der Pforte, und klappte mit den Zähnen; denn immer dacht’ er einen Geist kommen zu sehen in Mönchsgestalt. Aber, es erschien ihm kein Geist. Zitternd schlich er heran zur Pforte, lauschte lange, und – hörte nichts. Endlich betete er in der Angst seines Herzens zu allen Heiligen und der [[vip: | ||
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| + | Nun ging er zitternd vorwärts, und fand große ofne Fässer und Säcke, angefüllt mit alten Thalern und feinen Gulden, und schweren Goldstücken. Auch standen da mehrere Schmuckkästchen voll Juwelen und Perlen; kostbare Monstranzen und geschmückte Heiligenbilder lagen und standen auf silbernen Tischen in den Ecken der Höle. Der Holzhauer bekreuzte und segnete sich, wünschte tausend Meilen sich von dem bezauberten Ort; und konnte doch der Begierde nicht widerstehen, | ||
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| + | Zitternd, und mit zugedrückten Augen, streckte er seine Hand aus nach einem Sack, der zunächst neben ihm stand, und nahm einige Gulden heraus. Er faßte schnell nach seinem Kopfe, und fand ihn noch fest sitzen an seiner Stelle. Schon weniger zitternd, und durch die Augenwimpern blinzend, nahm er einige Thaler, auch ein Paar Hände voll von den kleinen glänzenden Blechmünzen, | ||
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| + | „Komm wieder!“ rief ihm eine dumpfe Stimme aus der Tiefe der Höle. Kaum vermocht’ er, da rings um ihn alles im Kreise sich drehte, das: „Thürlein, | ||
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| + | Er eilte nach Hause, so schnell ihn seine Füße tragen wollten; sagte aber nichts von den gefundenen Schätzen, ging dann in die Klosterkirche, | ||
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| + | Den folgenden Sonntag ging er mit festerem Schritt hin zu der Pforte in den Klippen, machte es wie das erstemal, und füllte mehr, doch mäßig und bescheiden, seine Taschen. – „Komm wieder!“ rief ihm die dumpfe Stimme. Und er kam den dritten Sonntag wieder, und füllte seine Taschen wie vorher. | ||
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| + | Jetzt war er in seinen Augen ein reicher Mann. Aber, was sollte er machen mit seinem Reichthum? Er gab der Kirche und den Armen zwei Zehntheile von allem, was er hatte; und das andre wollte er in seinem Keller vergraben, um, von Zeit zu Zeit, nach dem Bedürfniß seines Hauses, etwas zu holen. Doch konnte er der Begierde nicht widerstehen, | ||
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| + | Er ging zu seinem Nachbar, einem reichen, reichen Mann, der aber hungerte bei seinem Reichthum, der mit Korn wucherte, den Arbeitern den Lohn entzog, Witwen und Waisen das Ihrige abdrang, auf Pfänder lieh, und, keine Kinder hatte. Von diesem borgte er eine Metze, maß sein Geld, vergrub es, und trug die Metze zurück. | ||
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| + | Aber, die Metze hatte große Spalten, durch welche der Kornwucherer, | ||
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| + | Doch, den Falkenaugen des reichen Nachbars entgingen sie nicht. Er suchte den Holzhauer im Walde auf, und fragte ihn, was er gemessen habe mit der Metze? „Holzsaamen, | ||
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| + | Die ganze Woche hindurch machte nun der reiche Wucherer Entwürfe, wie er mit einemmale alle Schätze herausschaffe aus der Höle, und auch die, welche in Nebenhölen noch etwa verborgen seyn könnten, und unter der Erde vergraben seyn dürften. Hätte er alles dies Geld wohl beigescharrt, | ||
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| + | Dem Holzhauer gefiel es nicht, daß sein böser Nachbar zur Burg gehen wollte. Er bat ihn, abzustehen von seinem Vorhaben, stellte ihm die Gefahr vor, erzählte ihm hundert Beispiele von unglücklich gewordenen Schatzgräbern. Aber, wer hält einen Geizhals von einem offnen Sack voll Goldstücke zurück? | ||
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| + | Durch Drohungen und Bitten wurde der Holzhauer endlich beredet, einmal nur noch mitzugehen zu der Pforte; er sollte die Säcke, die der Wucherer selbst alle herausschleppen wollte, nur im Empfang nehmen und im Gebüsch verstecken. Dafür sollte er die Hälfte haben von allem, und die Kirche den Zehnten; auch sollten alle Arme des Dorfs neu gekleidet werden. So sprach der Geizige. In seinem Herzen aber hatte er beschlossen, | ||
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| + | Den nächsten Sonntag ging der Geizige noch vor Aufgang der Sonne, mit dem Holzhauer in die Klippen der [[burg: | ||
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| + | Nun kamen sie zu der Pforte. Der Holzhauer, dem nicht wohl war bei der Sache, den aber die Furcht vor der Folter zurückhielt, | ||
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| + | „Thürlein, | ||
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| + | Kaum war er in dem Gewölbe, und sah’ alle die Fässer und Säcke und Kasten voll Gold und edeln Steinen und Perlen und blinkendem Gelde, so verschlang er alles mit den Augen, und riß mit bebender Hand die zwanzig Säcke aus dem großen Sack heraus, und wollte hastig sie füllen. | ||
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| + | Da kam aus der Tiefe der Höle, langsamen Schritts, ein großer [[wesen: | ||
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| + | „Fort mit dir, du Geizhals!“ so grinzte der große schwarze Hund ihn an. Bebend fiel er zur Erde, und kroch auf Händen und Füssen der Thür zu. Aber, in der Angst seines Herzens, vergaß er das: „Thürlein, | ||
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| + | Lange harrte sein der Holzhauer mit pochendem Herzen. Endlich nahte er sich der Thür. Da schiens ihm, als hörte er Aechzen und Winseln und ein dumpfes Hundegeheul – und dann war es plötzlich wieder still. | ||
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| + | Jetzt hörte er das Läuten zur Messe in dem Kloster. Er betete seinen Rosenkranz; dann pochte er leise an die Pforte. „Thürlein, | ||
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