sagen:oberharz105
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| + | ====== Die neue Mühle an der Innerste - 1.Sage ====== | ||
| + | In der neuen Mühle an der Innerste auf dem Oberharze soll es spuken, und das liegt daran, daß dort die alten Papstthümer zerstört sind, als die Mühle gebaut ist. Nämlich wo jetzt die Mühle steht, hat früher ein Kloster gestanden, und wie in protestantischen Zeiten da die Mühle gebaut ward, faßten die Geister der alten Mönche die Arbeitsleute bei den Füßen und foppten sie immerfort. Auch brannte an einer Stelle ein Flämmchen und ein dicker Mönch war den ganzen Tag sichtbar, ein Gespenst, das wies den ganzen Tag dahin, wo das Flämmchen brannte. Endlich ließen die Arbeitsleute, | ||
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| + | Als die neue Mühle schon im Gange und im vorigen Jahrhunderte an die Weibgensleute verpachtet war, schwärmten die Mönche und Schüler dort so viel auf den Gängen umher, daß die Knappen sich oft kaum getrauten Korn aufzuschütten, | ||
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| + | In dem Wohnhause auf der neuen Mühle erschienen oft die Geister, lauter Mönche und Bergleute. Da traten denn herein auch oft die zwölf Schüler, von denen trug immer der erste ein Buch, darin blätterte er die ganze Stunde von Elf bis Zwölf, denn die Geister kamen immer mit dem Schlage elf Uhr herein und mit dem Schlag Zwölf gingen sie wieder fort. Der erste trat mit seinem Buche immer an den Tisch, der zweite war auch sehr wißbegierig und sah ihm über die Schulter ins Buch hinein. Der zwölfte aber stellte, wenn sie kamen, eine Glocke auf den Tisch, und die nahm er Punkt zwölf Uhr, wenn sie fortgingen, wieder hinweg, und das gab dann einen ordentlichen Klang, wenn er die Glocke vom Tisch aufhob. | ||
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| + | Unter den übrigen Geistern, die sich sehen ließen, waren drei, die ihre bestimmten Namen hatten bei den Leuten in der Mühle. Der eine war das Dickauge, dem hing ein dickes Auge aus dem Kopfe heraus. Er trug ein weißes Laken, das hatte er vor der Stirne in einen Knoten zusammengebunden. Dieses Dickauge hat nur immer geklopft, um die Leute zu ärgern, und wenn ein Lärm in der Mühle entstand und die Leute wurden aufmerksam darauf, so war es immer dies boshafte Wesen. Und dann hieß es: ach, es ist das Dickauge! und sie kümmerten sich nicht weiter darum. Ein anderer Geist hieß der Fegelork, der hat immer mit einem neuen Besen in der Mühle umhergefegt. | ||
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| + | Das beste Wesen von allen war das Freundliche. Das hatten Alle gar lieb, wenn sie ihm auch nicht seinen Willen thaten. Denn es hat immer einen Stuhl mit in die Stube gebracht, den hat es in die Mitte gestellt und daneben hat es gestanden, und dann hat es Jedem zugewinkt, daß er sich auf den Stuhl setzen sollte. Das that nun Keiner und wenn nach einer Stunde um Zwölf sich Niemand darauf gesetzt hatte, nahm es seinen Stuhl auf und ging mit ihm wieder zur Thür hinaus, dann sah es aber nicht mehr so freundlich aus, sondern war betrübt, daß Niemand sich auf seinen Stuhl setzen wollte. Das Freundliche erschien in der Regel alle sechs Wochen; ihm schien am wohlsten zu sein, wenn eine recht lustige Gesellschaft mit Tanz und Zitherspiel sich vergnügte, was mitunter geschah, wenn recht viel Leute aus den nahe liegenden Ortschaften in der Nacht mahlen ließen. Gar oft ist das Freundliche so mit seinem Stuhl in eine solche heitere Gesellschaft auf der neuen Mühle getreten. | ||
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