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sagen:naechtlicher_bockritt

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 ====== Nächtlicher Bockritt ====== ====== Nächtlicher Bockritt ======
  
-Ein junger Mann aus [[geo:Jülich]] war den Werbern in die Hände gefallen und von diesen als [[typ:Soldat]] nach [[geo:Spandau]] gebracht wordenSchon sieben Jahre hatte er hier auf der Feste gedient und in der Zeit nichts mehr aus der Heimat vernommen. Da ergriff ihnals er einsam auf dem hohen Wall der Festung stand und nach Westen, nach seinem Vaterlande, schaute, großes Heimweh. Der Krieger weinte und seufzteund sehnsüchtig rief er nach Vater und Mutter+    Nach P.J. Fischbach: „Der Deserteur aus Spandau", 576-79GedichtauswahlMGladbach 1871
  
-Da schlug ein alter [[typ:Korporal]], der freiwillig schon 40 Jahre diente, dem Jammernden freundlich auf die Schulter, und da er ein Landsmann des Jülichers und gar aus dem benachbarten [[geo:Herzogenrath]] warerklärte er sich bereit, seinem Seufzen ein Ende zu machenEr bekannte sich dem Jülicher als [[typ:Bockreiter]] und bedeutete ihm, er werde in [[geo:Jülich]] sein, ehe am nächsten Morgen der Hahn krähte+Ein junger Mann aus [[geo:Jülich]] war den Werbern in die Hände gefallen und von diesen als Soldat nach [[geo:Spandau]] gebracht worden. Schon sieben Jahre hatte er hier auf der Feste gedient und in der Zeit nichts mehr aus der Heimat vernommen. Da ergriff ihnals er einsam auf dem hohen Wall der Festung stand und nach Westennach seinem Vaterlande, schaute, großes HeimwehDer Krieger weinte und seufzteund sehnsüchtig rief er nach Vater und Mutter
  
-Der Soldat stand sinnend und betroffennachdem der [[typ:Korporal]] ihm den Rücken gewendet; von den Reitern aus [[geo:Herzogenrath]] hatte man ihm so viel Schreckliches und Wunderbares berichtet. Er wußte, daß die [[typ:Bockreiter]] schneller sind als der Winddaß sie an einem Tage in der Türkei dem Sultan die Wäsche gestohlen und anderen Morgens schon in London feilgeboten haben. So erwartete der Jülicher Soldat mit gemischten Gefühlen die [[typ:geisterstunde|Mitternacht]]+Da schlug ein alter Korporal, der freiwillig schon 40 Jahre diente, dem Jammernden freundlich auf die Schulter, und da er ein Landsmann des Jülichers und gar aus dem benachbarten [[geo:Herzogenrath]] war, erklärte er sich bereit, seinem Seufzen ein Ende zu machen. Er bekannte sich dem Jülicher als [[lex:Bockreiter]] und bedeutete ihmer werde in Jülich sein, ehe am nächsten Morgen der Hahn krähte
  
-Die Nacht war kalt, und der Sturm heulte; die [[typ:eule|Eulen]] krächzten im Turm. Da nahte der alte [[typ:Korporal]] dem Soldaten, der ihn - auf der Bastei stehend - erwartete. Der Korporal winkte mit dem Stocke, und zu seiner Seite erschien plötzlich ein zottiger Bockder war schwärzer als die Raben und schwärzer als die Nacht. Seine Augen glühten wie Feuer aus dunklem Schacht. Der alte [[typ:Bockreiter]] reichte dem jungen Landsmann einen Trunk und riet ihm, [[typ:Mut]] zu trinken zu dem langen Ritt. Er mahnte ihnbei etwaiger Angst nicht das Wort zu brauchendas seine Mutter immer bei plötzlichem Schrecken ausgesprochen habe; dagegen dürfte er fluchen und teufeln wie ein Galgendieb+Der Soldat stand sinnend und betroffennachdem der Korporal ihm den Rücken gewendetvon den Reitern aus Herzogenrath hatte man ihm so viel Schreckliches und Wunderbares berichtet. Er wußtedaß die Bockreiter schneller sind als der Winddaß sie an einem Tage in der Türkei dem Sultan die Wäsche gestohlen und anderen Morgens schon in London feilgeboten haben. So erwartete der Jülicher Soldat mit gemischten Gefühlen die Mitternacht
  
-Bald saß der Jülicher auf dem Bock. „In Teufels Namen”sprach der junge Mann, als er die Hörner des zottigen Tieres sicher gefaßt hatte. Da fuhr der [[typ:ziege|Bock]] behende mit seinem Reiter empor; aus den schwarzen Zottelhaaren sprühten helle Funken hervor. Ein langer Feuerstreifen bezeichnete den Zugden der Bock mit dem Reiter am Himmel machte. Leute von [[geo:Jena]] sahen die nächtliche Erscheinung und glaubten, es zeige ein feuriger [[typ:Drache]] sich am dunklen HimmelSo gingen dem Reiter die Stunden wie Sekunden dahin+Die Nacht war kaltund der Sturm heulte; die Eulen krächzten im Turm. Da nahte der alte Korporal dem Soldaten, der ihn - auf der Bastei stehend - erwartete. Der Korporal winkte mit dem Stocke, und zu seiner Seite erschien plötzlich ein zottiger Bock; der war schwärzer als die Raben und schwärzer als die NachtSeine Augen glühten wie Feuer aus dunklem Schacht. Der alte Bockreiter reichte dem jungen Landsmann einen Trunk und riet ihm, Mut zu trinken zu dem langen Ritt. Er mahnte ihn, bei etwaiger Angst nicht das Wort zu brauchen, das seine Mutter immer bei plötzlichem Schrecken ausgesprochen habe; dagegen dürfte er fluchen und teufeln wie ein Galgendieb
  
-Auf einmal ging es in jähem Ritt der Tiefe zuDa erschrak der müde Mann, der abgehetzt war von dem unheimlichen Teufelsritt, und das Wort „Jesus” entfuhr seinen bebenden LippenSogleich stürzte er kopfüber in einen Busch hinein; sein Bein war gebrochen, und der Bock war fortAm Morgen fand ein braver Bauer den Verwundeten und erklärte ihmdaß er im Jülicher Walde sich befindeDa bat der Soldat der Mann möge ihn doch nach [[geo:Jülich]] führenwo seine Eltern wohnten, nach denen er seit Jahren sich gesehnt. Der gute Bauer brachte den Verwundeten nach [[geo:Jülich]], und hier wurde er Zeuge eines freudigen Wiedersehens.+Bald saß der Jülicher auf dem Bock„In Teufels Namen”, sprach der junge Mann, als er die Hörner des zottigen Tieres sicher gefaßt hatteDa fuhr der Bock behende mit seinem Reiter empor; aus den schwarzen Zottelhaaren sprühten helle Funken hervorEin langer Feuerstreifen bezeichnete den Zugden der Bock mit dem Reiter am Himmel machteLeute von [[geo:Jena]] sahen die nächtliche Erscheinung und glaubtenes zeige ein feuriger [[wesen:Drache]] sich am dunklen Himmel. So gingen dem Reiter die Stunden wie Sekunden dahin
  
-//Quelle: Nach P.JFischbach: Der Deserteur aus Spandau"576-79GedichtauswahlMGladbach 1871.[[https://alsdorf-online.de/sagen/teilII.php|alsdorf-online.de]]// +Auf einmal ging es in jähem Ritt der Tiefe zuDa erschrak der müde Mann, der abgehetzt war von dem unheimlichen Teufelsritt, und das Wort Jesus” entfuhr seinen bebenden Lippen. Sogleich stürzte er kopfüber in einen Busch hinein; sein Bein war gebrochenund der Bock war fortAm Morgen fand ein braver Bauer den Verwundeten und erklärte ihmdaß er im Jülicher Walde sich befinde. Da bat der Soldat der Mann möge ihn doch nach Jülich führenwo seine Eltern wohnten, nach denen er seit Jahren sich gesehntDer gute Bauer brachte den Verwundeten nach Jülich, und hier wurde er Zeuge eines freudigen Wiedersehens. 
-{{tag>sagen swusch herzogenrath jülich spandau bockreiter ziege soldat korporal drache geisterstunde}}+ 
 +//Quelle: [[https://alsdorf-online.de/sagen/teilII.php|alsdorf-online.de]]// 
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