sagen:moench_und_nonne
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| - | ====== Mönch und Nonne ====== | ||
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| - | Geht man zum Hauptthore des Schlosses Ortenburg in Budissin hinein, so erblickt man linker Hand in der Höhe eines Stockes einen männlichen und weiblichen Kopf, welche jedoch nicht den Meisel eines Michael Angelo oder Bernini verkünden: Man erzählt sich davon Folgendes: | ||
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| - | Klara und Albert waren Nachbarskinder aus dem böhmischen Städtchen Rumburg gebürtig. Gleiches Alter, gleicher Schulunterricht verknüpfte Beide, so wie sie der Freundschaft Band bei’m unschuldigen Kinderspiele umschlang. Allein nur verstohlen durften sie sich sehen, nur heimlich jene kindlichen Freuden genießen, indem zwischen Beider Aeltern ein tödtlicher Haß – erzeugt durch den gleichen Handel, den Beide betrieben – herrschte; daher dem kein Kind des einen die Thürschwelle des andern betreten durfte, ohne sich den größten Mißhandlungen auszusetzen. Allein je strenger die Kleinen bewacht, je ernstlicher ihnen der wechselseitige Umgang verboten und je mehr jedes Zusammentreffen, | ||
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| - | Endlich schlug der Trennung Stunde; Albert bezog die Hochschule zu Prag und Klara wurde in eine Erziehungsanstalt gebracht. Daß der Abschied schwer wurde, ist denkbar und daß ihn blos der Schwur ewiger Liebe und Treue, so wie die Versicherung eines lebhaften Briefwechsels einigermaaßen erleichterte, | ||
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| - | Nicht unbewußt war den Aeltern Beider Liebesverständniß geblieben; vest beschloß eine jede Parthei es zu trennen, ohne die daraus entstehenden Folgen zu berechnen, nur sich im voraus heimlich freuend, wie Jeder über das fehlgeschlagene Glück und über die zertrümmerten Luftschlösser des Andern triumphiren würde. Beider Liebenden Geist hatte sich gebildet und ihre Körper sich zur üppigsten Lebensblüthe entfaltet; immerwährende Entfernung schien den Aeltern das sicherste Mittel ihrer Kinder Plan zu vereiteln und der Liebenden Hoffnungen zu vernichten; Heilung des Schmerzes hofften sie von der Zeit und klösterliche Mauern sollten ihnen das ewige Glück verleihen. Beide Aeltern hatten noch einen Sohn und noch eine Tochter, welche sich wechselseitig, | ||
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| - | Wie und auf welche Art nach einiger Zeit die Nonne nach Budissin gekommen seyn mag, berichtet die Sage nicht, kurz beide Liebende sahen sich, die unterdrückte Flamme loderte um so gewaltsamer auf und nur zu bald zeigte es sich, was eine schwache Stunde vermocht hatte. Ein schreckliches Loos fiel ihnen nach den damaligen grausamen Gesetzen. Beide Liebende wurden nämlich an dem Orte, wo ihre in Stein gehauene Köpfe sichtbar sind, lebendig eingemauert. | ||
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| - | //Quelle: Heinrich Gottlob Gräve, Volkssagen und volksthümliche Denkmale der Lausitz, S. 116-118, Erscheinungsdatum: | ||
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sagen/moench_und_nonne.1577895041.txt.gz · Zuletzt geändert: (Externe Bearbeitung)
