sagen:kuchen_aus_dem_teich
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| ====== Kuchen aus dem Teich ====== | ====== Kuchen aus dem Teich ====== | ||
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| + | Ingrid Annel „Glücksdrachenpech. Von Wassermännern, | ||
| + | Sagen aus der Lausitz Band 1. Bertuch Verlag 2012. | ||
| Zwei Bauern pflügten ihre Felder. Als sie zwischendurch mal ihren Rücken strecken mussten und von der Arbeit aufblickten, | Zwei Bauern pflügten ihre Felder. Als sie zwischendurch mal ihren Rücken strecken mussten und von der Arbeit aufblickten, | ||
| - | Übermütig rief er in Richtung des Teiches: „He, du [[typ:wassermann|Wassermann]] da unten, mir knurrt schon mächtig der Magen. Wenn ich an Kuchen nur denke, läuft mir so viel Wasser im Mund zusammen, dass ich deinen Teich damit zum Überlaufen bringen könnte. Also beeil dich mit dem Backen und bring uns ein Stück Kuchen herauf! Aber nicht so ein wässriges, klitschiges Zeug, hast du verstanden? | + | Übermütig rief er in Richtung des Teiches: „He, du [[wesen: |
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| + | Die beiden Männer lauschten gespannt, jedoch vom Grunde des Sees kam keine Antwort. Ringsum war alles still. Nur die Spatzen in den Sträuchern am Feldrain zwitscherten aufgeregt durcheinander. Also pflügten die Bauern weiter ihre Felder. Nach einer Weile hörten sie, wie sich jemand schnaufend näherte. Es war der [[wesen: | ||
| - | Die beiden Männer lauschten gespannt, jedoch vom Grunde des Sees kam keine Antwort. Ringsum war alles still. Nur die Spatzen | + | Seine roten Augen funkelten bedrohlich. Ohne ein weiteres Wort und ohne die Antwort der Bauern abzuwarten, drehte er sich um und verschwand wieder |
| - | Seine roten Augen funkelten bedrohlich. Ohne ein weiteres Wort und ohne die Antwort der Bauern abzuwarten, drehte er sich um und verschwand wieder in den Abgründen des Teiches. Die beiden Bauern starrten einander an, schreckensbleich. Doch schon einen Augenblick später griff der jüngere nach seinem Messer und schnitzte so lange an einem groben Holzspan, bis dieser flach und scharfkantig wie ein Messer war. Damit säbelte er den Kuchen in der Mitte heraus, ohne den Rand zu zerschneiden. Dann teilte er mit dem Holzspan das Stück in zwei Hälften. | + | Köstlich schmeckte der Kuchen des Wassermanns. So süß, wie die beiden Bauern noch nie in ihrem Leben einen Kuchen auf der Zunge gehabt hatten. Doch als das Gebäckstück verspeist war, meldete sich der Durst umso dringender. Schon wollte der junge Bauer nach dem Bierkrug greifen, da hielt ihn der ältere zurück und rief: „Warte!“ Er eilte hinüber zum Ufer des Sees, wo das Schilf wuchs. Davon brach er zwei Röhrchen ab. Die steckten die beiden Männer in das schäumende Bier und hatten so den Krug bald leer getrunken. |
| - | Nachdem sie gerade die letzten Tropfen vom Grunde des Bierkruges laut durch die Röhrchen gesaugt hatten und sich genüsslich den Mund wischten, brodelte und tobte hinter ihnen das Wasser im Teich. Der [[typ: | + | Nachdem sie gerade die letzten Tropfen vom Grunde des Bierkruges laut durch die Röhrchen gesaugt hatten und sich genüsslich den Mund wischten, brodelte und tobte hinter ihnen das Wasser im Teich. Der Nyx kam heraus und fauchte: „Der [[wesen:Teufel]] hat euch beiden Verstand gegeben.“ Im Nu war das Tischchen samt Kuchenrest und Bierkrug verschwunden. Die beiden Bauern lachten sich ins Fäustchen und gingen mit frischen Kräften wieder an ihre Arbeit. Der Wassermann ist ihnen nie wieder begegnet. |
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