sagen:juelichervolkskunderur066
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| + | ====== Über die Strafe Wilhelms II. von Jülich ====== | ||
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| + | Während der Todesstunde lag der Graf im Schoß einer Frau, welche er ihrem Manne geraubt hatte. Als diese ihn fragte: „Herr, was soll aus mir werden, wenn ihr gestorben seid?” sagte er: „Du musst einen jungen Ritter nehmen.“ Das waren seine letzten Worte. | ||
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| + | In derselben Nacht, wie mir ein Abt unseres Klosters erzählt hat, wurde eine Nonne von St. Mauritius in [[geo: | ||
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| + | Morgens erzählte die Nonne diese Vision, und als an diesem Tage die Kunde von dem Ableben des Grafen nach Köln gedrungen, erkannte sie, dass es eine wahre Erscheinung gewesen sei. Dass er aber nach so vielen Jahren und nachdem inzwischen so viele Tyrannen gestorben, gerade mit dem Kaiser Maxentius an denselben Strafort gekommen ist, geschah wegen der Ähnlichkeit ihrer Schuld, denn es ist nicht mehr wie recht, dass diejenigen, welche Gleiches verschuldet haben, auch gleiche Strafe erhalten. | ||
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| + | Beider Leben kenne ich, das des Maxentius aus Büchem, das des Grafen Wilhelm durch die Aussagen vieler Personen. Beide waren Tyrannen, beide ausschweifend über alles Maß. Wie man in den Chroniken liest, gab es in und um Rom keine so edle, so reine Frau, die Maxentius nicht, sobald sein Auge Wohlgefallen an ihr gefunden, ihrem Gatten wegnahm und schändlich beleidigte. Ähnlich trieb er es mit Witwen und Jungfrauen. Die Männer sahen und seufzten, die Eltern schwiegen; und so weit ging seine Grausamkeit, | ||
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| + | Ganz ähnlich verfuhr Graf Wilhelm, wenn auch nicht mit gleicher Macht, so doch mit gleichem Wollen. Wie ich gehört habe, ist er so jeder Ausschweifung ergeben gewesen, dass er kaum einen Dienstmann gehabt hat, dessen Weib oder Tochter er nicht schmachvoll behandelt hat. Wie grausam er gegen seine Untertanen und Nachbam gewesen ist, davon weiß das ganze Bistum Köln zu erzählen. | ||
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| + | Maxentius hat seine eigene Gattin ermordet, Graf Wilhelm die seinige eingekerkeıt. Jener hat die Kirche verfolgt, indem er viele wegen ihres Glaubens tötete; dieser hat während des Zwiespalts im römischen Reich die dem heiligen Stuhl Gehorsamen verfolgt, Priester von ihren Sitzen vertrieben, andere verstümmelt und die Güter der Kirche beraubt. Die geschah zu Zeiten des Papstes Innocenz III. | ||
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| + | Im verflossenen Jahre erzählte mir ein Stiftsherr aus [[geo: | ||
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| + | Als dieser Graf noch am Leben war, hat ihm Gott, welcher die Güte und Barmherzigkeit selbst ist, einen Blick in seine Herrlichkeit gewährt, um ihn von seinen Sünden abzubringen. An einem Weihnachtstage ließ er ihn im Kanon der ersten Messe süße Stimmen mit den süßesten, wie aus dem Himmel stammenden Weisen vernehmen. Als sich der Graf bei Herrn Engelbert, dem damaligen Dompropst und nunmehrigen Erzbischof von Köln, erkundigte, ob er auch diese himmlische Musik vernommen, und Herr Engelbert mit Nein antwortete, wuchs des Grafen Erstaunen. | ||
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| + | Im Kanon (stilles Gebet) der zweiten und dritten Messe hörte er dieselben Töne, die lauteten, als ob sie von verschiedenen jüngeren und älteren Stimmen herührten. Als dies dem Abt von Marienstadt erzählt wurde, suchte er den Grafen auf und hörte den Vorfall aus dessen eigenem Munde. Der Graf rief Gott als Zeugen an, dass er nicht lüge, wobei er den Schwur tat, sollte er noch einmal gewürdigt werden, einen solchen Gesang zu vermehmen, wolle er sein bisheriges sündhaftes Leben aufgeben. | ||
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| + | Aber diese Mahnung vom Himmel hat nicht lange nachgewirkt, | ||
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| + | Oft auch fährt die wilde Jagd vorbei, wenn es niemand ahnen soll. Eines Abends saß der Besitzer des Hetzinger Hofes mit seinem jungen Weibe und seinem Gesinde munter plaudemd in den unteren Räumen seines Wohnhauses. Plötzlich nahte unter wüstem Lärm vom oberen Rurtal her die wilde Jagd. Sie kam näher, umtobte das ganze Haus und kehrte durch ein offenes Fenster im oberen Stockwerk ein. Den Leuten stockte vor Angst der Atem, alles saß leichenblass da, denn man hörte oben ächzen und wimmem, toben und wüten, zuletzt ein Krachen und Bersten, wie wenn das ganze Dach abgetragen würde. Dann wurde es plötzlich still, das Geisterheer zog weiter. | ||
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| + | Als sich die Leute im Hause von ihrem Schrecken erholt hatten, ging der Hausherr hinauf, um sich die Verwüstungen anzusehen. Zu seiner großen Verwunderung war alles heil, als wenn nichts vorgefallen wäre. | ||
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| + | Kurze Zeit darauf kamen die [[volk: | ||
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| + | Seit der Zeit hörte man nie mehr etwas von der wilden Jagd, und darum hieß es im Volke, die Franzosen haben sie vertrieben. | ||
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sagen/juelichervolkskunderur066.1714498330.txt.gz · Zuletzt geändert: (Externe Bearbeitung)
